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Ich sehe was, was du nicht siehst

Du liest Das Leben des Brain und lernst, was du übers Gehirn wissen solltest. Heute: Warum wir das gleiche Bild anschauen und trotzdem etwas ganz anderes sehen können.

Schau dir folgendes Bild mal an und achte auf die Felder A und B:

Quelle: Edward A. Adelson, 1995

Feld A ist deutlich dunkler als Feld B, oder? Nun, sie haben exakt die gleiche Farbe. Wenn man die beiden Felder ohne ihre Umgebung betrachtet, sieht man das auch: 

Sogar, wenn man die Illusion aufdeckt, bleibt man nicht verschont. Wenn du wieder hochscrollst zum ersten Bild, sehen die Grautöne der Felder wieder verschieden aus. Es ist zum Verrücktwerden. Wenn mein Gehirn schmerzempfindlich wäre, würde es jetzt wehtun.

Noch ein Beispiel: Du erinnerst dich bestimmt noch an das weiß-goldene Kleid, das 2015 in den Sozialen Medien die Runde machte: 

Quelle: Cecilia Bleasdale

Weiß-gold? Wenn du andere Farben siehst, bist du damit nicht allein. Denn auch damals entbrannte ein Streit darüber, ob das Kleid weiß-gold oder doch schwarz-blau sei. Beide Lager waren sich zu 100 Prozent sicher, dass sie recht hatten – man kann es doch schließlich SEHEN! 

Damit kann ich dich jetzt natürlich nicht alleinlassen. Hier die Aufklärung, in kurz: Dass Menschen Farben unterschiedlich wahrnehmen, liegt an der sogenannten Farbkonstanz: Wir gleichen Lichtunterschiede automatisch aus, um die wahre Farbe eines Gegenstandes zu erkennen. So erkennen wir die Schreibtischlampe als weiß, auch wenn es im Laufe des Tages im Raum viel dunkler geworden ist und die Wellenlänge, die der Gegenstand in unsere Augen wirft, eine andere ist als ein paar Stunden zuvor.

Im Falle des Kleids bedeutet das, dass das Team #whiteandgold das Kleid als schwach beleuchtet interpretiert hat, sie deuteten die Blautöne als Schatten. Das Team #blackandblue interpretierte die Farben des Kleids als heller beleuchtet.

Diese Grafik zeigt ganz gut, dass beide Lager recht haben:

Quelle: Wikipedia

Diese optischen Verzerrungen haben auch mit unseren Erinnerungen zu tun: Wir haben zum Beispiel gespeichert, dass Gegenstände Schatten werfen. Deshalb kommt uns das Grau von Feld B in der Schachbrett-Grafik oben auch heller vor als Feld A – es liegt im Schatten der Säule und unser Gehirn gleicht die Lichtverhältnisse automatisch aus.  

Illusionen und unterschiedliche Interpretationen wie diese zeigen etwas wichtiges: Wie wir die Außenwelt wahrnehmen, hat weniger mit unserer Außenwelt zu tun als damit, was in unserem Gehirn passiert.  

Ach ja: Das fotografierte Kleid ist im Original schwarz-blau.

Wir werden immer mehr echte Brains! Diese Woche ein herzliches Willkommen an Daniel, Roswitha, Andreas, Susanne, Antje, Thorsten, Nathanael und Isabelle! 

Das war's erst mal!

Echte Brains lesen hier noch, was unsere verzerrte Wahrnehmung mit hitzigen, gesellschaftlichen Debatten zu tun hat.

Echtes Brain werden!

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