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Autismus, ADHS und Schulabsentismus

Autismus, ADHS und Schulabwesenheit sind laut einer neuen Studie Risikofaktoren für Selbstverletzungen

Selbstverletzungen sind bei Jugendlichen weit verbreitet, und Untersuchungen deuten darauf hin, dass sich etwa 1 von 5 Jugendlichen selbst verletzt. 

Etwa 12 % der Selbstverletzungen bei Jugendlichen werden in Notaufnahmen behandelt, und das sind die Jugendlichen, die am ehesten selbstmordgefährdet sind. Auch wenn es aus meiner Sicht große Unterschiede zwischen selbstverletzendem Verhalten bzw. chronischer Suizidalität und akuter Suizidalität mit konkreten Absichten bzw. Vorbereitungen gibt.

In einer vom King's College London und dem South London and Maudsley NHS Foundation Trust geleiteten Studie wurden Faktoren analysiert, die bei über 111 000 Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren mit Selbstverletzungen in Zusammenhang stehen.

Die in der Fachzeitschrift BMC Medicine veröffentlichte Studie ergab, dass das Risiko, sich selbst zu verletzen, bei Jungen mit Autismus-Spektrum-Störung fast dreimal so hoch war wie bei Jungen ohne ASD. Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung war sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen ein starker Prädiktor für Selbstverletzungen, wobei das Risiko für Selbstverletzungen bei Jungen mit ADHS etwa viermal so hoch war. Auch die Abwesenheit von der Schule war mit einem erhöhten Risiko für Selbstverletzungen verbunden: Bei Jugendlichen, die zu weniger als 80 % die Schule besuchten, war das Risiko, sich selbst zu verletzen, dreimal so hoch.

Die Studie, die vom National Institute for Health and Care Research Maudsley Biomedical Research Center und dem Wellcome Trust mitfinanziert wurde, ist die erste Langzeituntersuchung von jugendlichen Selbstverletzungen und ASD, die auf verknüpften Schul- und Krankenhausdaten in England beruht.

Die Untersuchung liefert wertvolle Erkenntnisse über die am stärksten gefährdeten Gruppen und ist ein wichtiger Schritt zur Entwicklung von Präventionsstrategien für Selbstverletzungen.

Dr. Johnny Downs, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie am South London and Maudsley und NIHR Clinician Scientist am Department of Child & Adolescent Psychiatry, King's College London und leitender Autor der Studie, sagte: "Durch die Verknüpfung dieser groß angelegten Datensätze konnten wir herausfinden, welche Gruppen junger Menschen am ehesten zu Selbstverletzungen neigen. Entscheidend ist, dass wir lokale Daten verwenden, so dass die Ergebnisse direkte Auswirkungen auf den NHS Trust haben, in dem ich arbeite, und unsere gezielten Maßnahmen zur Förderung der psychischen Gesundheit an den Schulen in Südlondon verbessern können. Ein weiterer wichtiger Aspekt dieser Studie ist, dass jede Region in England den gleichen Ansatz anwenden könnte, da die Schul- und Krankenhausdaten bereits existieren und miteinander verknüpft werden können.

Durch die Analyse von Daten aus der Nationalen Schülerdatenbank (National Pupil Database), die Aufschluss darüber geben, ob bei den Kindern ein sonderpädagogischer Förderbedarf für ASD festgestellt wurde, zeigte die Studie, dass bei Jungen mit ASD ein höheres Risiko für Selbstverletzungen besteht als bei Jungen ohne ASD. Dieses Muster wurde bei Mädchen mit ASD nicht beobachtet, aber im Allgemeinen war das Risiko der Selbstverletzung bei Mädchen höher als bei Jungen.

Die Studie ergab auch, dass Jugendliche, die wegen ADHS in psychiatrischer Behandlung waren, ein viermal höheres Risiko hatten, sich selbst zu verletzen, als Jugendliche, die nicht wegen ADHS in Behandlung waren. Schulausschluss und Schulabwesenheit wurden ebenfalls als Risikofaktoren ermittelt.

Die Erstautorin der Studie, Dr. Emily Widnall, die die Studie während ihrer Zeit am King's College durchgeführt hat und jetzt als Senior Research Associate im Bereich Public Health an der Universität Bristol tätig ist, sagte: "Unsere Forschung hat gezeigt, dass Jugendliche, die eine Zeit lang der Schule ferngeblieben sind, sei es durch Ausschluss oder Abwesenheit, ein höheres Risiko haben, sich selbst zu verletzen, als Jugendliche, die die meiste Zeit in der Schule sind. Die Verknüpfung von Bildungsdaten mit Daten zur psychischen Gesundheit spielt eine wichtige Rolle bei der Beantwortung von Forschungsfragen im Bereich der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und kann dazu beitragen, festzustellen, wo in den Schulen mehr Unterstützung benötigt wird.

Die Studie ergab auch, dass diejenigen, die Englisch als Zweitsprache sprachen, ein geringeres Risiko hatten, sich selbst zu verletzen, als diejenigen mit Englisch als Muttersprache.

Mehr Informationen Emily Widnall et al, Autism spectrum disorders as a risk factor for adolescent self-harm: a retrospective cohort study of 113,286 young people in the UK, BMC Medicine (2022). DOI: 10.1186/s12916-022-02329-w

Quelle 

https://medicalxpress.com/news/2022-04-autism-adhd-school-absence-factors.html

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