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ADHS und Intoleranz für Langeweile

Als Kommentar auf diesen Beitrag bei Instagram schrieb eine Leserin : "Ich weiß nicht wo hin mit mir".  Das beschreibt das Problem wirklich gut. "Als müsste man irgendwo hin, irgendwas tun, weiss aber gar nicht was und alles was einem einfällt, passt nicht zum Gefühl". Das passt ganz gut. Das Gehirn kommt in einen Zustand der totalen Handlungsunfähigkeit bzw.  funktioniert einfach nicht mehr. Es bleibt nur eine innere Anspannung bzw. ein ineffektives Springen oder Vermischen von Gedanken, Plänen und Gefühlen. Eine totale Unordnung, bei gleichzeitiger Handlungsunfähigkeit irgendwelche Skills oder Aktivitäten zur Änderung des Zustandes anzunehmen. In meiner Klinik habe ich gerade eine Klientin, bei der das wohl so extrem ist. Ob wirklich ADS / ADHS die Ursache dieses fürchterlichen Zustandes ist, wissen wir noch nicht.

Aber sehr typisch ist, dass immer wieder Panikattacken ohne wirkliche gute Erklärung auftreten. Oder ein anhaltender Zustand der Verzweifelung bei gleichzeitiger Energielosgigkeit für Aktivitäten aber extremer Unruhe und Anspannung. Das sieht vielleicht wie eine depressive Episode aus, ist aber viel schlimmer auszuhalten. Aber eben auch ein fürchterlicher Zustand im Gehirn und im Körper, wo man weder in Ruhe irgendwas machen könnte, andererseits vor Unruhe und Überreizung fast explodiert. Die Gedanken und Gefühle überlagern sich, können aber nicht zu Ende gedacht oder in irgendeine Aktion umgesetzt werden. Auch die Hilfe von unseren Pflegekräften ist dann letztlich ein Tropfen auf den heissen Stein. Es wird ja nicht wirklich aufgenommen, was dann an "guten Ratschlägen" kommt. Vielmehr verstärkt es nicht selten noch die Selbstabwertung, wenn man die - gut gemeinten - Angebote zur Überbrückung des Krisenzustandes eben gar nicht UMSETZEN KANN. Die Impotenz des Gehirns schlägt da erbarmungslos zu. Nach meiner Erfahrung hilft eine ADHS-Medikation schon sehr, weil diese Überlagerung bzw. totale Unordnung von Wahrnehmungen, körperlichen Symptomen und Gedanken / Gefühlen irgendwie etwas weniger intensiv bzw. eben "geordneter" abläuft. Man hat auch etwas mehr Handlungsspielraum zwischen der Überflutung von Reizen, den impulsiven Gedanken und den überflutenden Gefühlen. Es ist wie eine Brille bzw. ein Filter, der dann etwas schützend wirken kann. Vorausgesetzt, man ist noch eher zu Beginn der Überreizung / Negativspirale. In den ganz schlimmen Krisen hilft es dann auch nicht mehr so wirklich.... Gibt es dann Dinge, die Dir dabei helfen aus dieser Handlungsunfähigkeit raus zu kommen ?

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