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#11 Richtig Gedenken

Kolumnenbeitrag vom 01.03. 2025

Am 19. Februar 2020 wurden in Hanau während einem rassistischen Anschlag neun Menschen ermordet: Gökhan Gültekin, Said Nesar Hashemi, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz, Ferhat Unvar und weitere Menschen verletzt. Danach tötete der Angreifer seine Mutter und sich selbst. Jedes Jahr finden Gedenkveranstaltungen in ganz Deutschland statt – auch in Österreich wird dem teilweise gleichgetan. Sie öffnen einen Raum um gemeinsam zu Trauern, denn wenn man den Angehörigen zuhört, wird einem klar, was für ein Verlust diese Tode waren und was für Loch in der Nachwelt damit erzeugt wurde. Lausche ich den Stimmen der Hinterbliebenen, scheint es mir, als wäre der Anschlag gestern verübt worden. Nichts kann diesen Verlust aufwiegen; die Trauer bleibt, doch das Leben zwingt einen mit ihr weiterzuleben. Und mit der Erkenntnis, dass diese Tode verhindert werden hätten können: Dass es zu diesem Anschlag und diesen Morden kam, geht auf institutionelles Versagen zurück. Es geht um einen verschlossenen Notausgang, der bekannt war und um den sich nicht gekümmert wurde, nicht angenommene Notrufe, die absehbar waren und seit Jahrzehnten ein Problem, sowie Briefe des Täters, die auf die Tat im Vornherein hinwiesen und auf die seitens der Polizei nicht reagiert wurden. Das konnte von mehreren Medien und unabhängigen Untersuchungen festgestellt werden.

Gedenken wir den Opfern von Hanau, ist die Wut ob dieser Ungerechtigkeit ein Teil der Trauer. Besonders den Angehörigen steht diese ohne Frage zu. Auch sie muss ihren Platz finden, denn sie gehören zusammen. Einen Menschen zu verlieren ist immer eine Ungerechtigkeit, fühlt sich immer irgendwie unfair an. Doch zu wissen, dass der Verlust auf strukturelles Versagen zurückgeht und verhindert werden hätte können, ist, wenn ich den Hinterbliebenen zuhöre das, was das Herz noch einmal mehr brechen lässt. Vor allem dann, wenn die Verantwortlichen für dieses Versagen ihre Rolle darin nicht anerkennen wollen. Und das ist genau das, was seit dem Anschlag passiert.

Immer wieder müssen die Hinterbliebenen, um Gerechtigkeit für die Tode ihrer Liebsten zu bekommen, eben diese vor Gericht einfordern. Immer wieder werden diese Bemühungen bekämpft. Die Polizei in Hanau hat viele Fehler gemacht, doch weigert sich diese anzuerkennen. Immer wieder gibt es Gerichtsverfahren. Noch immer gibt es keine Entschuldigung oder ehrliche Versuche dem Schmerz zu begegnen. Geschweige denn das Bemühen, die Fehler nicht zu wiederholen. Dem Voraus geht eben immer die Anerkennung, dass man daran verantwortlich ist – wie soll ich ohne diese Einsicht etwas ändern?

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