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36 Grad – und es wird noch heißer

Der Klimaentscheid in Berlin ist gescheitert. Es konnten nicht genügend Menschen mobilisiert werden, die für den Entscheid stimmten. Und selbst wenn, wäre es knapp geworden. An den Rändern der Stadt stimmten die Wählerinnen eher mit Nein. Im Kern Berlin überwogen hingegen die Ja-Stimmen.

Ich lebe in diesem Kern, ich habe für Ja gestimmt – aber ich kann einige Menschen am Rande der Stadt verstehen. Wenn ich mir gerade noch so eine Wohnung leisten könnte, die gerade noch so in Berlin liegt und ich gerade noch so mit meinem Einkommen auskommen würde: Ich hätte vielleicht auch mit Nein gestimmt.

Ich würde mir vielleicht denken: Niemand weiß, was so ein Entscheid kosten wird – aber „klimafreundliche Sanierung“ klingt doch schon verdächtig nach Mieterhöhung. Dabei zahle ich schon beinahe die Hälfte des Gehalts für die Wohnung. Und was ist mit dem Auto, auf das ich angewiesen bin, um zur Arbeit und zu meinen Eltern zu kommen. Und überhaupt: Es ist doch schon alles so viel teurer geworden. Die Nudeln kosten das Doppelte und für Gurken braucht man einen Kleinkredit. Sicher ist sicher. Lieber mal mit Nein stimmen.

Wie erwähnt: Ich kann das verstehen. In unsicheren Zeiten soll sich nicht noch mehr ändern. Oder wie es in der berühmten Szene aus dem RTL2-KLassiker Frauentausch heißt: Alles bleibt so wie es ist!!!

Außerdem wird es an den Rekordhitzetagen im nächsten August auch nicht angenehme drei Grad kühler, nur weil man für das Klima votiert. Das ist leider das große Problem an der Klima-Politik. Es müssen Entscheidungen getroffen werden, die jetzt unangenehm sind oder sogar schmerzen können, damit sich irgendwann etwas ändert. Oder zumindest nicht noch schlimmer wird. In der Corona-Krise, die Älteren werden sich erinnern, hieß das ganz griffig: There is no glory in prevention.

Immer noch: Ich kann das verstehen. Bei Entscheidungen, die sich erst in ferner Zukunft auszahlen, ist fast niemand sonderlich clever. Sonst hätten wir alle mit 15 Jahren ein wenig Taschengeld in einen Aktienfond gesteckt.

Aber ich finde es trotzdem schade, dass der Entscheid abgelehnt wurde. Vor allem aus drei Gründen.

Erstens:
Ich habe die Arbeit gesehen, die Freiwillige geleistet haben, um überhaupt die nötigen Unterschriften zu sammeln, die für einen solchen Volksentscheid nötig waren. Während ich auf dem Spielplatz wahlweise Kind oder Eier schaukelte, liefen sie unermüdlich durch Berlin und sammelten Signaturen. Kneipe, Park, Supermarkt. Sie waren überall. Der Satz „Danke, aber ich habe schon unterschrieben“ lag bei mir einen Sommer lang vor „Noch ein Bier, bitte.“ Alles ehrenamtlich in der Freizeit. Damit irgendwann das Klima besser wird. Das hat mich beeindruckt.

Zweitens:
Ich hätte gerne gesehen, wie die Politik diesen Entscheid umsetzt. Oder umsetzen muss. Natürlich hätte nicht alles funktioniert. Aber Stimmen, die die Forderungen des Klimaentscheid als „komplett unrealistisch“ nannten, möchte ich entgegen: Hätte man vor der Corona-Krise einen Politiker gefragt, ob er eine sofortige Schließung von Geschäften und Restaurants sowie die Isolierung der Bevölkerung plus massive Finanzspritzen für die Wirtschaft für durchsetzbar hält, er hätte er vermutlich nur gelacht.

Drittens:
Wenn es eine Stadt gibt, die so etwas Verrücktes hätte durchziehen können, dann ja wohl Berlin. Wir gelten im Rest des Landes und eventuell auch im Rest der Welt ohnehin als ein bisschen irre. Da kann man ja wohl auch mal was leicht Irres machen! Hier hat David Hasselhoff eigenhändig eine Mauer eingerissen, da geht ja wohl auch ein leicht überambitionierter Klimaplan!! 


Na ja ... aus diesen Gründen finde ich es schade, dass sich keine Mehrheit für den Entscheid fand.

Ich denke, wenn man öfter Joggen gehen möchte, sollte man sich ein paar ernsthafte Ziele setzen. Und wenn man Klima will, sollte man sich ebenfalls ein paar ernsthafte Ziele setzen. Man kommt nicht allzu weit mit einer Formulierung wie:

Joggen ist eine wichtiger Ergänzung meiner Körperpolitik. Wenn es die äußeren Rahmenbedingungen, zu denen das Müdigkeitslevel und auch die aktuelle Lust, noch mal vom Sofa aufzustehen, gehören, es erlauben, werde ich in den nächsten Monaten, – spätestens aber den nächsten Jahren – etwas mehr laufen, aber natürlich nur, wenn es nicht regnet oder sich Wolken am Himmel zeigen, die später regnen könnten. Oder wenn etwas auf Netflix kommt.

Für höhere Ziele

Peter

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Hier noch eine kleine Bio, die ich natürlich selbst geschrieben habe, aber in der dritten Person, damit es so aussieht, als würde jemand anderes Biographien über mich schreiben. Das ist leider noch nicht der Fall.

Peter Wittkamp, Jahrgang 1981, ist erster Autor und Gagschreiber der heute show online. Außerdem war er jahrelang Texter und Ideengeber der mehrfach preisgekrönten Kampagne #weilwirdichlieben der Berliner Verkehrsgesellschaft BVG.   Ab und an schreibt er auch ein Buch. Zuletzt über seine Zwangsstörung mit dem Titel "Für mich soll es Neurosen regnen" (Si apre in una nuova finestra)und den Desinformator (Si apre in una nuova finestra).   

Daneben berät er Unternehmen und Agenturen, wenn sie etwas Kreatives, Humorvolles oder Digitales machen möchten. Außerdem ist er als Vortragsredner buchbar.

Er twittert regelmäßig als @diktator (Si apre in una nuova finestra), postet mittlerweile aber fast lieber auf Insta (Si apre in una nuova finestra). Sein supersüßer Sohn hält ihn fälschlicherweise für den besten Papa der Welt. Außerdem ist der feine Herr jetzt NATÜRLICH auch noch Podcaster (Si apre in una nuova finestra).

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