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Vergangene Zukunft

Fehlende Erfinder/Französische Werte/Schwein im Topf, teilweise

Wenn ich in Berlin bin, kurz mal lachen möchte, fahre ich am Humboldtforum oder "Stadtschloss" vorbei. Dort ist es immer schön leer und man kann gut nachdenken. Viele gute Absichten, viele gute Leute waren an der Errichtung des riesigen Gebäudes beteiligt, aber am Ende steht ein unbefriedigendes Ergebnis, denn niemand weiß, wozu das Forum eigentlich da ist. Fehlt zu Beginn die gute Idee, lässt sich das a posteriori nur noch schlecht korrigieren.
Am Anfang stand das Bedürfnis nach städtebaulicher Restauration, der Beschwörung einer besseren deutschen Vergangenheit, Humboldt statt Hitler. So passiert das hierzulande leider viel zu oft: Alle möchten, so lange es geht, das gute Früher behalten oder wiedergewinnen. Nur in die Zukunft möchte niemand. 

Darum wundern mich die übertriebenen Reaktionen gegen die Autokritiker der "letzten Generation" nicht — sie werden für die schlechte Nachricht angegriffen, die sie übermitteln, also dafür, dass wir einen neuen Plan brauchen in Deutschland. Auto und China, damit kommen wir nicht mehr weit. Die Wut ist umso größer, als es längst alle wissen. Ohne in schlichten Marxismus zu machen, aber warum eigentlich nicht, darf man an dieser Stelle auf die Dominanz der großen Automobilkonzerne verweisen, die uns diesen Weg empfohlen haben. Und wer wollte sich schon mit denen anlegen? Die grossen Volksparteien jedenfalls nicht.
In Berlin bin ich mit einem ausgeliehenen Elektrofahrrad unterwegs — es ist die beste Fortbewegungsart. Warum ist sie nicht längst in allen Städten der Standard?  Manchmal denke ich dabei an meine erste Gymnasiumsklasse zurück. Wir waren 42 Jungs, die allermeisten wollten was mit Technik machen, was erfinden oder verbessern. Ich frage mich, wo dieser Erfindergeist geblieben ist, warum Innovationen —wie beispielsweise diese kleinen Elektromotoren für Roller und Rad, die man sicher schon vor Jahren hätte haben können — es nie durch die Bürokratie der deutschen Großkonzerne geschafft haben? Warum waren die permanente Gegenwart und das trügerische Glück der Autonostalgie  immer verlockender als die Zukunft?

Seit dem letzten Sonntag sieht die Welt anders aus — schon wieder! Dieses Mal zum Glück etwas freundlicher: Die Midterms läuten Trumps politisches Ende ein,  der russische Angriffskrieg ist auf dem Rückzug und auch China scheint den Zenith seiner Macht überschritten zu haben. Mich freut eine Nachricht besonders, die Aufnahme von Menschen aus Afrika, die an Bord der Ocean Viking waren, im Hafen von Toulon. Weil sich die Italiener weigern, nimmt Frankreich das Boot auf — zum ersten Mal seit langer Zeit. So gehört es sich eigentlich für die Heimat der Menschenrechte, aber der fremdenfeindliche Diskurs dort hat alles überlagert. Ein neues Buch von drei,  von mir schon lange bewunderten Intellektuellen, nämlich Mona Ozouf, Michele Perrot und Cynthia Fleury erinnert nun an den idealistischen Kern der französischen Republik, hier sprechen sie darüber:

https://www.radiofrance.fr/franceinter/podcasts/l-invite-de-8h20-le-grand-entretien/l-invite-de-8h20-le-grand-entretien-du-vendredi-11-novembre-2022-4422635 (Si apre in una nuova finestra)

In Le Monde wird der Eventmanager und Caterer François Motte porträtiert. Er brauchte recht lange, um in seinen Traumberuf zu finden, denn er war als Kind gut in der Schule. Seine ambitionierten Eltern sahen ihn in höheren Sphären, dabei hing sein Herz an der Gastronomie, an Festen und gutem Essen.
Besser spät als nie. Und er teilt sein Lieblingsrezept (übrigens in einem Topf der auch von mir geliebten Marke Le Creuset). Passt für Sonntage mit Freunden und Familie, denn es gart, während man plaudert oder spazieren geht.

https://www.lemonde.fr/le-monde-passe-a-table/article/2022/11/04/le-cochon-aux-pois-chiches-et-aux-pruneaux-la-recette-de-francois-motte_6148492_6082232.html (Si apre in una nuova finestra)

Kopf hoch, 

ihr Nils Minkmar

PS: Ich hatte mit Montaignes Katze nun schon einige Lesungen. Jedesmal war das Haus voll, der Büchertisch danach leer. Danke. Gerne komme ich auch zu Lesungen in ihrer Stadt, wenn das jemand wünscht und organisiert. Und bald ist Weihnachten, wer ein gutes Buch verschenken möchte und eine Widmung braucht, bitte mailen. 

PPS: Der  Charakter dieses Newsletters scheint mir darauf zu gründen, dass ich ihn ganz frei gestalten kann. Damit ich dafür auch die Zeit habe, kann, wer es möchte, hier einen kleinen Beitrag dazu leisten:

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