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Der 16. Oktober in der Geschichte

1071 – Almodis de la Marche, Tochter eines französischen Grafen, stirbt. Sie war dreimal verheiratet. Beim ersten Mal mit einem, wie sich herausstellte, zu nahen Blutsverwandten, aber als die Ehe aufgelöst wurde, hatten sie schon drei Kinder in die Welt gesetzt. Ihr Ex-Mann besorgte ihr dann einen neuen Mann, mit dem sie vier Kinder hatte, aber dann wurde sie von ihrem späteren dritten Ehemann entführt, der bereits mit ihrer Nichte verheiratet war. Da sowohl sie als auch er verheiratet waren, wurden sie wegen der Zweitheirat aus der Kirche geschmissen. Und einer der Söhne ihres dritten Ehemanns, der glaubte, dass sie ihn zugunsten ihrer eigenen Kinder verdrängen will, bringt sie dann schließlich um.

Dagegen sind moderne Seifenopern der letzte Dreck.

1094 – König Philipp I. von Frankreich wird von einer Gruppe Bischöfen aus der Kirche geschmissen, sprich: exkommuniziert. Was war geschehen? Zwei Jahre zuvor hatte er seine Ehefrau verstoßen, weil er fand, dass sie zu dick geworden war, und entführte darauf die Frau eines Grafen, die er daraufhin heiratete. Das schien wohl damals irgendwie gang und gäbe zu sein. Da aber sowohl er als auch seine Gattin bereits verheiratet waren, sagte der Papst: »Ey! Seid ihr bekloppt geworden, oder was?«, was in der Folge für allerlei Probleme sorgte und Philipp bei seinen Untertanen nicht sonderlich gut aussehen ließ.

1384 – Hedwig von Anjou, gerade elf Jahre alt und Tochter des ungarischen Königs, wird zum »König« von Polen gekrönt, weil sich der Adel nicht darauf einigen kann, wer eigentlich den Thron übernehmen soll, auf dem eigentlich gar keine Frau etwas zu suchen hat. Ein paar Leute hauen sich zwar die Köppe deswegen ein, aber am Ende macht sie ihre Sache wohl ganz gut. Nur der Titel bleibt halt, weil die Polen offenbar dachten: »Königin klingt irgendwie blöd.«

1555 – Maria I., Königin von England und Irland und Tochter von Heinrich VIII., dessen Religionsansichten sie zwar nicht, aber dessen Blutrünstigkeit sie durchaus geerbt hat, lässt zwei protestantische Bischöfe auf dem Scheiterhaufen verbrennen, denn ... warum nicht? Protestanten lässt sie danach auch besonders gerne verfolgen und umbringen, was ihr auch den schönen Titel »Bloody Mary« einbringt.

1590 – Der Prinz der italienischen Gemeinde Venosa, Carlo Gesualdo, überrascht seine Frau und ihren Liebhaber in flagranti im Bett. Er ist etwas ungehalten, bringt sie beide um, verstümmelt sie noch ein wenig und schmeißt sie dann vor seine Tür, damit auch alle einen Blick drauf werfen können. Dann sagt er: »Ich muss weg!«, und macht sich aus dem Staub. Später wird er vom Mord freigesprochen, weil er adelig ist und deswegen ja kein Verbrechen begangen haben kann. Bestechende Logik.

1793 – Marie Antoinette wird hingerichtet. Ob sie zum Schluss noch Kuchen hatte, ist nicht überliefert.

1906 – Verkleidet als Hauptmann bringt Wilhelm Voigt, ein Schuhmacher, einen Trupp Soldaten dazu, mit ihm in das Köpenicker Rathaus zu marschieren und dort den Bürgermeister zu verhaften. Anschließend bringt er die Stadtkasse in seinen Besitz, lässt die Soldaten zurück, zischt noch schnell ein Bier und macht, dass er wegkommt. Zehn Tage später wird er selbst verhaftet und wegen Betruges, Freiheitsberaubung und ein paar anderer Dinge zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Allerdings findet Kaiser Wilhelm II. die Geschichte so witzig, dass er ihn nach knapp zwei Jahren begnadigt. »Der Hauptmann von Köpenick« wird international bekannt. Letztlich gibt es Bücher, Theaterstücke und Filme über ihn.

1909 – US-Präsident Taft und der mexikanische Diktator, äh, Präsident Díaz kommen zum ersten Treffen zwischen den Staatsoberhäuptern der USA und Mexiko zusammen. Und prompt will jemand gleich beide erschießen, wird aber vorher gefasst. Die Beziehungen waren damals also auch schon großartig.

1923 – Walt und sein Bruder Roy Disney gründen das »Disney Brothers Cartoon Studio«, welches später zur »Walt Disney Company« wird. Oder wie die Einwohner der Erde von 2050 sagen: »Die Firma, der alles gehört.«

1964 – China jagt seine erste Atombombe hoch und alle sind begeistert: »Toll, noch eine diktatorische Nation, die Atomwaffen hat! Großartig!«

1973 – US-Außenminister Henry Kissinger und der vietnamesische General Lê Đức Thọ erhalten den Friedensnobelpreis, weil sie ein Waffenstillstandsabkommen zwischen den Staaten ausgehandelt hatten. Dass der Krieg noch gar nicht beendet war ... Nebensache, aber aus diesem Grund lehnt zumindest Tho ihn ab. Kissinger, der so viel Dreck am Stecken hat, dass er eigentlich vors Kriegsgericht müsste, nimmt ihn hingegen an und zwei Mitglieder des Nobelpreiskomitees verlassen das Gremium aus Protest, immerhin war Kissinger dafür verantwortlich, dass Teile von Kambodscha bombardiert wurden, was über die Jahre rund 150.000 Menschenleben kostete. Das Land hatte zwar mit dem Krieg im Grunde nichts zu tun, aber auch egal.

1978 - Nach 455 Jahren wird erstmals wieder ein Nicht-Italiener zum Papst gewählt, nämlich der polnische Kardinal Karol Wojtyla, der sich den Namen Johannes Paul II. gibt. Er wird 26 Jahre Oberhaupt der katholischen Kirche sein und damit die zweitlängste nachweisbare Amtszeit des Papsttums haben. Und die zweitrückständigsten Ansichten im Vatikan.

1989 – Im Usenet, einem Neben- und Vorläufer des Internets, formuliert Mike Godwin »Godwins Gesetz«, welches besagt: »Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit den Nazis oder Hitler dem Wert Eins an.«

Die heutige Länge scheint bei einem Tweet zu liegen.