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Wie alt kann ein Mensch werden?

Vom "Ewigen Leben" ist schon in der Bibel die Rede. Und das Bestreben, besonders alt zu werden, wird auch heute noch von vielen Menschen geteilt, etwa vom Amazon-Gründer Jeff Bezos. Aber welches Höchstalter ist aus naturwissenschaftlicher Sicht für Menschen eigentlich möglich? Und welche anderen Tiere können uns nützliche Erkenntnisse liefern, wenn es um das Erreichen eines "biblischen" Alters geht? Das erfahrt ihr in der neuen Ausgabe von Adlungs Welt der Wissenschaft!

Warum wollen wir besonders alt werden?

Die persönliche Motivation, möglichst alt werden zu wollen, kann sehr unterschiedlich sein. Manche Menschen wollen einfach wissen, wie die Zukunft aussieht – ich zähle mich selbst zu dieser Gruppe. Andere wollen die Urenkel:innen aufwachsen sehen. Oder die Leute haben Angst vorm Tod und wollen besonders alt werden, um ihn hinauszuzögern.

Aus biomedizinischer Sicht ist der Alterungsprozess auch abseits der (theoretisch) möglichen Höchstlebensdauer interessant. Denn im Alter treten vermehrt Krankheiten auf, etwa Demenz oder "Altersdiabetes". Ein besseres Verständnis des Alterungsprozesses könnte dazu führen, dass wir diese Krankheiten gezielter behandeln können, sodass wir auch im hohen Alter noch eine ebenso hohe Lebensqualität haben!

Geht da noch was?

Welche maximale Lebenserwartung ist rein theoretisch möglich? Mit dieser Frage hat sich die Wissenschaft schon lange auseinandergesetzt. Vielleicht sollten wir zunächst einmal klären, was "Lebenserwartung" eigentlich meint.

Lebenserwartung ist definiert als die Zeitspanne, die durchschnittlich bis zum Tod zu erwarten ist.

Dabei sind zwei Worte wichtig: durchschnittlich & erwarten. Denn es handelt sich lediglich um einen Durchschnittswert, der von Person zu Person und von Ort zu Ort beträchtlich streuen kann. Außerdem handelt es sich um einen Erwartungswert. Es werden also bestimmte Annahmen getroffen, etwa, dass uns keine tödliche Pandemie heimsucht... 🤷🏻 Hüstel.

Das andauernde Bestreben, die menschliche Lebenserwartung auszudehnen, hat im Jahr 1546 Lucas Cranach der Ältere (hehe, er war damals bereits 74 Jahre) ins Bild gesetzt: Der Jungbrunnen.

Datei:Lucas Cranach - Der Jungbrunnen (Gemäldegalerie Berlin).jpg

Und das wäre es doch: Man nimmt ein Bad und ist wieder jung! So weit sind wir aber selbst mit seriösen Anti-Aging-Therapien (ein Thema für einen weiteren Beitrag) noch nicht. Bevor wir beim Alterungsprozess intervenieren, sollten wir erstmal verstehen, welche Faktoren die Lebenserwartung generell bestimmen. Die Wissenschaft geht momentan davon aus, dass die Lebenserwartung im Wesentlichen durch Erbgut, Lebensstil und Umwelt beeinflusst werden.

Lebe lang und wachse langsam!

Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit in Nature (Opens in a new window) legt nahe, dass Veränderungen im Erbgut die Lebenserwartung im Laufe der Evolution um das Zweitausendfache (sic!) verlängert haben. Von der Entwicklung von Fadenwürmern, die nur wenige Wochen leben, bis hin zu Menschen, die hundert Jahre alt werden können, hat sich also Einiges im Erbgut getan. Und Fadenwürmer, mit denen wir gemeinsame Vorfahren haben, dienen tatsächlich als Modellorganismen, um das Altern zu erforschen! So hat man bei Fadenwürmern herausgefunden, dass Erbgut-Veränderungen, die mit dem Stoffwechsel zu tun haben, die Lebenserwartung verdoppeln können (Quelle (Opens in a new window)).

Der genaue Zusammenhang zwischen Stoffwechsel und Lebenserwartung wird schon lange diskutiert, und es gibt Untersuchungen die zeigen, dass wir in diesem Bereich durchaus Einfluss auf unsere Lebenserwartung und die Lebensqualität haben. Die Faktoren hierbei sind quasi die Klassiker: Was wir essen, wie viel und wann wir essen, ob wir Sport treiben, ob wir Sonnencreme benutzen, ob wir in einer Beziehung leben, ob wir gestresst sind oder nicht, all das.

Nicht zuletzt wird die Lebenserwartung aber auch von unserer Umwelt bestimmt. So sind Klima, Luftverschmutzung und Zugang zu sanitären/medizinischen Einrichtungen bestimmende Faktoren für die Vorhersage der Lebenserwartung.

Was genau über Leben und Tod bestimmt, ist nach wie vor umstritten. Falls euch das genauer interessiert, sei euch das Buch "Abschied von Hermine (Opens in a new window)" meiner Frau Jasmin Schreiber wärmstens empfohlen.

Unabhängig von allen Theorien und Trends werden Menschen vermutlich nicht älter als 125 Jahre. Dieser Wert gilt gemeinhin als Obergrenze für die natürliche Lebenserwartung des Menschen – ganz unabhängig vom mathematischen Modell (Opens in a new window), das verwendet wird, um die Lebenserwartung zu berechnen. Laut Wikipedia (Opens in a new window) starb der älteste Mensch (eine Französin) bisher im Alter von 122 Jahren und 164 Tagen. Um an dieses Limit zu kommen, muss aber Einiges zusammenspielen.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit (Opens in a new window) legt nahe, dass es momentan noch an Biomarkern mangelt, um die Lebenserwartung eines Menschen vorauszusagen. Es wird also noch nach Molekülen gesucht, die sich beispielsweise im Blut von Menschen anreichern, (weil) die besonders alt werden. Hätte man solche Biomarker für hohe Lebenserwartung entdeckt, könnte besser untersucht werden, was die Lebenserwartung verlängert, ohne dass immer 125 Jahre gewartet werden muss...

Alter, Anfang ist schwer!

Wir haben gelernt, dass mit Erbgut und Geburtsort zwei wesentliche Faktoren, die unsere Lebenserwartung bestimmen (neben dem Geburtsjahr), von uns nicht beeinflusst werden können. Ein gesunder Lebensstil kann aber durchaus lebensverlängernd wirken. Inwieweit dies der Fall ist, darüber streitet die Wissenschaft noch. Aber auch diverse Anti-Aging-Therapien werden erforscht. Zu den renommiertesten Projekten zählt dabei das amerikanische Biotechnologie-Unternehmen Altos Labs, in das u.a. der anfangs erwähnte Bezos investiert. Doch dazu ein andermal mehr.

In aller Kürze

  • Zum Thema Altern und Stoffwechsel findet ihr auch einen Teaser in meinen YouTube-Shorts:

https://www.youtube.com/shorts/DvTDrDs92IE (Opens in a new window)
  • Über mich und meine Fettforschung gibt es eine Sonderfolge des NDR-Synapsen-Podcasts:

https://www.ndr.de/nachrichten/info/Synapsen-Textilarchaeologie-Detektivarbeit-mit-gepoekelten-Fasern,podcastsynapsen308.html (Opens in a new window)
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