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Alle 17 Jahre...

Viele Insekten kennen das: Man verbringt die meiste Zeit des Lebens als Larve. Maikäfer leben rund fünf Jahre als Engerling im Erdboden, die Kindheit der Hirschkäfer dauert drei bis acht Jahre und die amerikanische Eintagsfliege Dolania americana lebt ein Jahr als Larve im Fluss, bevor sie ein paar Minuten als Fliege erlebt; anschließend stürzt sie tot in jenes Wasser, aus dem sie eben erst herausgekrabbelt war.

Heute stelle ich euch aber eine Rekordhalterin vor: Die Periodische Zikade lebt in den USA unf hat einen der längsten uns bekannten Lebenszyklen der Welt.  

Viele Jahre buddelt sie sich in Larve in 50-60 Zentimetern Tiefe durch den Boden und saugt dabei Pflanzenwurzeln aus. Genau genommen sind es 13 oder 17 Jahre, die sie das macht – je nach Art –, und sie macht das auch nicht allein. Millionen andere Zikadenlarven warten gemeinsam auf den großen Moment, und der kommt, wenn sich der Boden in einem Schlupfjahr auf über 17,9 °C erhöht. Die Mitglieder jeder Population sind an dem Ort, an dem diese Population lebt, miteinander synchronisiert. Das bedeutet, dass sie alle gleichzeitig schlüpfen.

Die Zikaden erscheinen meistens Ende April oder Anfang Mai im Süden der USA und Mitte bis Ende Mai im Norden. Die schlüpfenden Nymphen, also quasi Teenager-Zikaden kurz vor dem Erwachsensein, klettern bis zu dreißig Metern hoch, um eine geeignete vertikale Fläche zu finden, auf der sie sich in fertige Insekten verwandeln können. Nachdem sie sich an Baumstämmen, Wänden, Laub, Zaunpfählen und sogar an Autoreifen festgesaugt haben, durchlaufen die Nymphen eine letzte Häutung: Der Panzer bricht auf, sie krabbeln raus und verbringen dann etwa sechs Tage in den Bäumen, bis ihr Außenskelett und ihre Flügel richtig ausgehärtet sind.

Nach dieser letzten Häutung sind die ausgewachsenen Zikaden weiß, färben sich aber innerhalb einer Stunde dunkel, und sind bereit für das, weshalb sie überhaupt geschlüpft sind: Sex.

Die Männchen versuchen, mit ihrem Trommelorgan am Hinterleib einen Gesang zu erzeugen, der Weibchen so richtig in Wallung bringt – was durch das millionenfache Massenauftreten für uns Menschen ziemlich unangenehm laut werden kann. Nach der Paarung ritzt das Weibchen die Rinde junger Zweige auf und legt in jeden dieser Schlitze etwa 20 Eier, sodass das Gesamtgelege dann aus 600 oder sogar mehr Eiern besteht. Zu dieser Zeit sind die Männchen schon tot, und nach der Eiablage sterben auch die Weibchen: Ende Juli sind alle ausgewachsenen Zikaden und es ist wieder still. Nach 6-10 Wochen schlüpfen die Larven, lassen sich auf den Boden fallen und graben sich ein, wo sie wieder 13 oder 17 Jahre lang warten.

Wie die Zikaden schlüpfen und flirten, könnt ihr euch hier anschauen:

https://www.youtube.com/watch?v=EWr8fzUz-Yw

Das Ding ist: Wir wissen nicht, wie und wieso sie sich so synchronisieren, dass sie alle 13 oder 17 Jahre auftreten. Es gibt ein paar Theorien, aber so richtig überzeugt sind wir von keiner. Vielleicht fragen wie sie einfach mal, was die sich dabei denken? Zirp zirp.

Und sonst so?

Im Kindernewsletter habe ich über Fledermäuse geschrieben >>

Taschenratten betreiben eine Art Landwirtschaft >>

Wie Moore Grubenwasser filtern können (Audio) >>

Im Podcast haben Lorenz & ich über eine neu entdeckte Art fleischfressende Pflanze und Brustkrebs gesprochen >>

Diesen Comic fand ich sehr sehr gut:

https://twitter.com/theawkwardyeti/status/1547967291001692160

Und den auch:

https://twitter.com/theawkwardyeti/status/1545780019166908416

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Bis zum nächsten Mal!

Jasmin

Quellen

UMMZ Periodical Cicada Page. (n.d.). Retrieved July 16, 2022, from http://insects.ummz.lsa.umich.edu/fauna/Michigan_Cicadas/Periodical/Index.html#Magicicadabroods

Swarms of cicadas emerge in US after 17-year wait | DW News - latest news and breaking stories | DW | 22.05.2021. (n.d.). Retrieved July 16, 2022, from https://www.dw.com/en/swarms-of-cicadas-emerge-in-us-after-17-year-wait/av-57628018

Williams, K. S., & Simon, C. (1995). The ecology, behavior, and evolution of periodical cicadas. Annual Review of Entomology, 40(1), 269–295. https://doi.org/10.1146/ANNUREV.EN.40.010195.001413

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