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Geschwisterstreit

Hier auf Steady teile ich anonymisiert eure Elternfragen und meine Antworten darauf. Ich bemühe mich um einen klaren und pragmatischen, aber einfühlsamen Ton. Ich bin kein Coach und keine Psychotherapeutin und würde euch bei entsprechenden Fragen bitten, Fachpersonal zu konsultieren. Wenn es bei euch im Alltag an kleinen Dingen hakt und ihr gern meine Einschätzung hättet, schreibt mir gern an anna [punkt] brachetti [at] posteo [punkt| de.

Liebe Anna,

Wir haben wieder vermehrt Schwierigkeiten mit unserem Sohn (8J).

Ich würde ihn als äußerst unempathisch seiner Schwester (5J) gegenüber beschreiben. Uns Erwachsenen und der Katze gegenüber, hat er inzwischen Empathie entwickeln können, vor allem wenn sich Situationen wiederholen oder er eher unbeteiligt ist ( z.b. Ich stoß mir den Fuß- und er fragt ob er mir helfen kann). Wenn sie sich verletzt, er sie absichtlich Haut oder ein Unfall zwischen den beiden passiert, ist er eiskalt und egoistisch. Mir tut das wirklich weh so schreiben zu müssen, aber es ist leider so.

Nach unserem Umzug haben wir ein ganzes Haus eingeräumt, was viel Kraft und Zeit gekostet hat. Zugegeben, damals gab es wenig Exklusivzeit mit ihm alleine, Baumarkt und Einrichtungshäuser zu 4 waren eher die Regel.

Dann kam der Lockdown. Er war im letzten Kiga-Jahr und auf einmal mit seiner 2,5jährigen Schwester und zwei Vollzeit-arbeitenden Eltern im Homeoffice zu Hause. Rückblickend eine sehr intensive Zeit und ich habe viel zu spät die Reißleine gezogen. Es gab keine 2-Minuten ohne Streit zwischen den Kindern- ich habe die Uhr gestoppt es gab wirklich dauernd Streit. Er war unterfordert und ohne Spielfreunde – alle haben sich komplett zurück gezogen und er hatte wirklich keinen einzigen Spielfreund mehr.

Als wieder gleichaltrige zum Spielen da waren, hat sich die Situation entspannt. Aber die Kontakte waren nur sehr selten und oberflächlich.

Mit seiner Schwester konnte er nicht viel Anfangen, aber er hat sie „geduldet“. Sie hat ihn aber angehimmelt und das ist bis heute bei ihr so.

In der Zwischenzeit sind wir wieder umgezogen. Aber dieser Neustart hat uns tatsächlich sehr gut getan. Alles ist anders.

Wir schlafen alle 4 im Familienbett und es gibt ein gemeinsames Spielezimmer. Davor hatte jedes Kind sein eigenes Zimmer, aber es gab dauernd Streit um die Spielsachen und wer welches Zimmer betreten darf, oder welches Spielzeug man nehmen darf. Er hat große Schwierigkeiten zu teilen… auch wenn Besuch kommt. Aber seiner Schwester kann er auch nur schwer abgeben. Weil ich ihn nicht zwingen wollte, habe ich versucht ihm zu erklären, dass ich dann alles nochmal neu für Sie doppelt kaufen muss und dann nicht so viel Geld habe für neues Spielzeug … ein ewiges hin und her. Bei Geburtstagsgeschenken muss das „Besitzer-Kind“ um Erlaubnis gefragt werden = zu 99% darf sie nicht mit seinen Spielsachen spielen.

Seit wir umgezogen sind in eine völlig fremden Gegend ohne Bekannte und Freunde läuft es bis auf unser Problem super.

Inzwischen spielen die beiden wirklich ganz toll miteinander. Zwar bestimmt er meistens die Spiele, aber sie haben Spaß beim Lego spielen, TV sehen oder Rollenspielen (Ninja, Räuber ect. ) . Auf ihre Wünsche kann er nur sehr selten eingehen, auch mitbestimmen ist schwierig. Sie muss sich schon sehr nach ihm richten. Ich sehe das, aber bisher scheint es ihr nicht allzu viel auszumachen.

Er kann ihr nichts gönnen oder überlassen. Weder beim Essen noch bei Spielen oder Geschenken oder Aufmerksamkeit. Er fühlt sich häufig ungerecht behandelt: Eine halbierte Brezel ist nicht exakt durchgeschnitten ( egal von wem & wie genau geschnitten wurde), das Kuchenstück war größer ect. pp…

Auch ist er wütend auf sie. Das kann er mir dann auch ehrlich sagen z.b. „ich würde sie am liebsten ganz fest in Bauch hauen mit der Faust und nicht nur schubsen“ . Dabei kommen ihm auch schon Tränen, aber tränen der Ohnmacht, nicht vor Mitleid. Entschuldigen oder Trösten will und tut er sie auch nicht. Auch nicht nach mehrmaligen Auffordern (egal ob von mir oder meinem Mann). Da kann sie noch so bitterlich weinen – er sitzt daneben und ignoriert sie.

Wir versuchen die Situation nachzubesprechen, erkären ihm die Regel -Es wird niemand gehauen- , bei Problemen hol uns, wir helfen euch beim klären - ….

Wir trösten unsere Tochter und machen ihm Vorschläge, wie er „mitmachen“ kann. Fragen ihn, wie er getröstet werden will… Keine Einsicht.

Er selbst ist äußerst schmerzsensibel. Jedes noch so kleine hinfallen, hört man noch 3 Straßen weiter für mind.  5 Minuten. Theater & Tränen ohne Ende –und wir trösten geduldig, als ob ein Kleinkind gefallen wäre. Seine Schwester kümmert sich rührend um ihn ( Kühlpad, passt auf ihn auf, spielt nicht weiter – weil das nicht schön für ihn wäre…). Auch im Alltag ist sie hilfsbereit und liebevoll zu ihm: bietet ihm ihre Halloween-Süßigkeiten an, weil er seine schon alle weggegessen hat. Sie hilft ihm Aufräumen, ist nicht sauer oder nachtragend wenn er sie (wie oben geschrieben)haut und nicht tröstet oder nicht teilt.

Ich arbeite inzwischen seit 7 Monaten im Homeoffice . Mein Mann ist komplett zu Hause und Vater. Wir können wirklich nicht mehr geben und noch mehr für die Kinder da sein.

Klar Geschwister müssen streiten und es ist auch ein Altersunterschied da, aber … ich mache mir ernsthaft Sorgen. Warum ist er so absolut unempathisch und hart seiner Schwester gegenüber? – und wie können wir das ändern?

Früher dachte ich, er ist einfach noch zu jung… aber inzwischen ist er in der 3ten Klasse…

Lediglich beim Fußball ist meinem Mann aufgefallen, dass es eine ähnlich Situation gab. Er hat einen anderen Jungen ziemlich ungeschickt angeschossen und der hatte auch Schmerzen. Timo ist einfach stehen geblieben und zur Salzsäule erstarrt und hat gar nichts gemacht. Mein Mann hat das mit ihm im Anschluss besprochen. Beim nächsten Mal wieder das gleiche. Noch nicht mal eine dahergesagte Entschuldigung kriegt er dann raus. Genau wie bei seiner Schwester…

Ich hoffe du kannst uns weiterhelfen

Liebe Grüße Fabienne*

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