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Liebes Wir-Mitglied,

die Zeiten sind gerade alles andere als entspannt und gleichzeitig gibt es soviel Solidarität und Hilfsbereitschaft, die Hoffnung gibt. 

Einer, der viel Hoffnung macht, ist unser Lieblings-Podcast-Gast Andreas Tölke, der in der aktuellen Titelgeschichte des Spiegels zu Wort kommt. Hier ein kleiner Auszug daraus:

Was Zusammenhalt bewirken kannDie neue deutsche Hilfsbereitschaft – und warum sie so glücklich macht

Sie organisieren Busse raus aus Kiew, kochen für Obdachlose, begleiten Sterbende: Millionen Menschen setzen sich für andere ein. Und verbessern so auch ihr eigenes Leben. Die SPIEGEL-Titelstory.

Von Maik GroßekathöferHubert GudeJulia KochBeate LakottaKatrin LanghansJuliane LöfflerMiriam Olbrisch und Katja Thimm

15.04.2022, 13.00 Uhr • aus DER SPIEGEL 16/2022

Es gab eine Zeit, in der Andreas Tölke im Jin Mao Tower in Shanghai übernachtete, in einer Suite, ausgestattet im Stil des Art déco, mit atemberaubendem Blick über die Stadt. Er war Lifestylejournalist und schrieb für Hochglanzmagazine wie »Vogue« und »Tatler«, er flog um die Welt, genoss Limousinen-Shuttleservice, um über kreative Menschen und schöne Dinge zu berichten: Fashion, Kunst, Möbel. Er sprach mit dem Designer Jean Paul Gaultier und traf die Architektin Zaha Hadid, trug Oberhemden von Gucci und Schuhe von Prada. Luxus begeisterte ihn.

»Wenn dir das Leben ein Angebot macht, kannst du es ablehnen – oder annehmen.«

Name: Andreas Tölke Beruf: Journalist Seit wann: 2015 Aufwand: täglich

Im Moment ist Andreas Tölke in Chişinău, der Hauptstadt der Republik Moldau, das Land grenzt an die Ukraine. Er schläft in einem kleinen Zimmer, in dem eine Matratze auf dem Boden liegt. Am 5. März ist er angekommen, ein halbes Jahr will er bleiben. Er trägt häufig Schal und Strickmütze, aber nicht aus modischen Gründen, sondern weil es manchmal empfindlich kalt wird. Tölke ist 61 Jahre alt, ein gebürtiger Hesse mit Berliner Kodderschnauze. Er sagt: »Ich bin hierhergefahren, weil sich um die Flüchtlinge in Moldau kein Schwein gekümmert hat.«

Jeden Tag organisiert er mit seinem Team bis zu fünf Busse, die die Menschen nach Deutschland bringen, in Städte wie Koblenz, Mannheim, Gießen – wo auch immer Platz für sie ist. Jede Fahrt dauert etwa 36 Stunden, sie kostet bis zu 7000 Euro, finanziert durch Spenden. In einem der ersten Busse saßen nur junge Mütter mit ihren Kindern, die nicht wussten, ob sie ihre Heimat, ihre Familien jemals wiedersehen, »eine große schwarze Wolke der Trauer« hing über dem Fahrzeug, sagt Tölke. In einem Bus vergangene Woche habe eine Frau mit ihrem Sohn gehockt, der Mann sei in der Armee, die Frau habe einen Schlaganfall gehabt und sich kaum bewegen können. »Da werde ich butterweich«, sagt er. »Die Frau möchte ich in Watte packen. So etwas hat niemand verdient.« Wenn sich ein Bus auf den Weg macht, kommen ihm oft die Tränen.

Hilfsbereitschaft und Fürsorge, wie Tölke sie anderen zuteilwerden lässt, sind im höchsten Maße menschliche Bedürfnisse. Und wahrscheinlich war in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie so viel Hilfsbereitschaft zu beobachten wie in diesen Tagen des Ukrainekriegs.

Etwa 4,7 Millionen Flüchtlinge sind schon im Ausland angekommen, oft mit nicht viel mehr als dem, was sie am Körper tragen. Und es werden womöglich noch mehr, wenn russische Truppen im Osten der Ukraine massiv vorrücken. Die meisten Flüchtlinge sind bisher nach Polen gegangen, wo viele von ihnen Bekannte oder Verwandte haben.

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Und hängen noch das Gedicht von Peter Rühmkorf (1929-2008) 

ran, dass Paul in der aktuellen Folge gelesen hat:

Bleib erschütterbar und widersteh

Also heut: zum Ersten, Zweiten, Letzten:

Allen Durchgedrehten, Umgehetzten,

was ich, kaum erhoben, wanken seh,

gestern an – und morgen abgeschaltet:

Eh dein Kopf zum Totenkopf erkaltet:

Bleib erschütterbar – doch widersteh!

Die uns Erde, Wasser, Luft versauen

- Fortschritt marsch! mit Gast und Gottvertrauen –

Ehe sie dich einvernehmen, eh du

im Strudel bist und schon im Solde,

wartend, dass die Kotze sich vergolde:

Bleib erschütterbar – und widersteh.

Schön, wie sich die Sterblichen berühren –

Knüppel zielen schon auf Hirn und Nieren,

dass der Liebe gleich der Mut vergeh…

Wer geduckt steht, will auch andre biegen

(Sorgen brauchst Du dir nicht selber zuzufügen;

alles, was gefürchtet wird, wird wahr!)

Bleib erschütterbar.

Bleib erschütterbar – doch widersteh.

Widersteht! im Siegen Ungeübte,

zwischen Scylla hier und dort Charybde

schwankt der Wechselkurs der Odysee…

Finsternis kommt reichlich nachgeflossen;

aber du mit – such sie dir! – Genossen!

teilst das Dunkel, und es teilt sich die Gefahr

leicht und jäh ---

Bleib erschütterbar!

Bleib erschüterbar – und widersteh.

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Wir wünschen Dir und Deinen Lieben ein frohes Osterfest mit vielen Ostereiern (Paul) und ganz viel Gelassenheit.

Liebe Grüße,

Paul, Hajo & Suse

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