„Das sollte ein Jäger nie verlieren: Respekt vor dem Tier“

Warum Barbara Hock Jägerin geworden ist und worin für sie der Wert der Jägerei liegt

Barbara Hock war keine vier Jahre alt, als sie das erste Mal zuschaute, wie ein Reh ausgenommen wird. Geschossen hatte es ihr Papa. Vierzig Jahre später bereitet sie sich selbst darauf vor, ein Tier zu erlegen. Sie hat großen Respekt vor diesem Moment. Aktuell durchleuchtet der Verfassungsschutz die Jung-Jägerin aus Sulzbach-Soden auf ihre Waffentauglichkeit; sobald sie das Gewehr schultern darf, wird es auf den Hochsitz gehen. „Von 50 Mal sitzt man 47 Mal umsonst“, pflegte ihr Opa, ein passionierter Jäger, zu sagen. Barbara Hock wird sehen, ob er recht hatte. Zu dem Revier, in dem sie zusammen mit ihrem Mann – auch er ein Jung-Jäger – unterwegs ist, sind es nur ein paar Schritte. Die Sulzbacherin ist sie tausende Male gegangen, schon lange, bevor sie sich entschied, Jägerin zu werden. Die Fotografin liebt die Natur, und auch das war eine Motivation die lange, schwierige Ausbildung zu absolvieren.

Was ist deine früheste Erinnerung an den Wald?

Eine meiner ersten Erinnerungen war, als ich das erste Mal dabei war, als mein Papa ein Reh erlegt hat. Sie werden ja noch im Wald zerteilt und von den Innereien befreit. Ich fragte: Papa, machst Du das jetzt wieder ganz?

Und ich erinnere mich, dass mein Papa mich mit zu einem Dachsbau genommen hat. Die Fähe, also die Dame des Hauses, hatte gerade Junge. Sie hat ihren Bau gepolstert, in der Zeit haben die kleinen Dachse draußen gespielt. So etwas Schönes! Das sieht man so selten, weil die Jungen sonst einfach im Bau sind. Das ist für mich eine der besten Erinnerungen. Ich habe nie wieder etwas Schöneres gesehen. Kleine Wildschweinchen sind auch superputzig, aber die Dachse waren etwas ganz Besonderes. Diese Erinnerung hat sich eingebrannt. So etwas möchte man immer wieder sehen.

Fotos: Barbara Hock

In der Öffentlichkeit ist die Jagd eher mit dem Töten von Waldtieren assoziiert als mit solchen Naturerlebnissen. Was hat es für Dich so attraktiv gemacht, Jägerin zu werden?

Ich komme aus einer Jägerfamilie. Mein Papa war Jäger, mein Opa war Jäger. Für mich war nie ein außergewöhnliches Thema, was mit Jagd einhergeht. Wildfleisch zu essen war bei uns zu Hause völlig normal. Es war schon ein Feiertag, wenn es mal einen Rinderbraten gab. Als ich erwachsen wurde, standen aber erst einmal andere Dinge im Vordergrund, der Beruf, unser Haus. Bis mein Mann irgendwann sagte, er möchte nicht immer meinen Vater fragen, wenn er ein Stück Fleisch haben möchte. Er würde es gerne selbst jagen.

Der Impuls kam gar nicht von Dir?

Nicht unbedingt. Es fing damit an, dass wir versucht haben nachhaltiger zu leben. Erst haben wir unsere eigene Marmelade gekocht, dann unser eigenes Brot gebacken, dann haben wir im Wald Kräuter gesammelt. Die pflanzliche Seite abzudecken ist vergleichsweise einfach, beim Fleisch sieht es schwieriger aus.

Wann habt ihr konkret begonnen euch intensiver mit der Jagd zu befassen?

Der Wunsch gärt schon länger. Wir haben zwei Jagdhunde, weil ich mit Jagdhunden aufgewachsen bin. Ich wusste recht gut, auf welche Art Hund ich mich einlasse. Es ist aber etwas ganz anderes, einen Jagdhund tatsächlich auf der Jagd auszulasten. Da ist Teamwork gefragt. Wir sind sowieso durch die Hunde jeden Tag draußen.

Es waren also mehrere Punkte, die uns zur Jägerei geführt haben: die Nachhaltigkeit, die Hunde, der Aspekt, in der Natur zu sein, auch die Pflege des Waldes.

Wann habt ihr angefangen mit der Ausbildung?

Vor etwa acht Monaten.

Also habt ihr keinen Zwei-Wochen-Lehrgang mitgemacht…

Nein. Diese werden sehr häufig angeboten…

… und sehr stark kritisiert…

… ja, genau. Man braucht, um zur Prüfung zugelassen zu werden, ein Minimum an 60 Theoriestunden und mindestens 60 Praxisstunden im Revier. Zusätzlich muss man Schießnachweise erwerben, ohne die darf man nicht zur Prüfung antreten. Es ist mir ein Rätsel, wie man das in zwei Wochen schaffen will.

Zu wievielt habt ihr den Kurs absolviert?

In unserem Kurs waren wir anfangs 17, eine ist weggezogen, 14 sind zur Prüfung angetreten, sieben haben bestanden. Zwei davon waren Frauen.

Der Frauenanteil in der deutschen Jägerschaft liegt nur bei sieben Prozent. War das für Dich eine Überlegung wert?

Nein, gar nicht. Da ich in Jägerkreisen aufgewachsen bin, kenne ich genügend Frauen, die schon vor zwanzig, dreißig Jahren ihren Jagdschein gemacht haben. Vielleicht interessiert es viele Frauen einfach gar nicht so. Man ist immer schmutzig, man rennt im Wald rum. Das ist vielleicht nicht das, was viele Frauen haben wollen.

Von den Inhalten aus dem Lehrgang, wie viel davon kanntest Du schon?

Man musste mir nicht mehr erklären, was ein Baum ist. Die meisten Kräuter kannte ich, auch Inhalte zu Waldbau und Hege, also wie im Winter gefüttert wird. Aber es gab viele, viele Dinge, die für mich komplettes Neuland waren, zum Beispiel Waffenrecht oder auch die Benutzung einer Waffe. Mein Vater und mein Großvater haben immer penibel darauf geachtet, dass niemand von uns Kindern in der Nähe war, auch nicht beim Reinigen der Waffe. Die Waffen waren natürlich weggeschlossen, man hat als Kind nicht damit zu hantieren. Natürlich kannte ich auch viele Tiere schon vorher. Aber noch einmal so viel über Zusammenhänge, Biorhythmus, Lebensweise der Tiere zu lernen, gerade auch von Vögeln zum Beispiel, das war schon sehr interessant. Wir mussten schon sehr viel büffeln.

Die Jägerprüfung gilt als Grünes Abitur. Ist sie wirklich so schwer?

Ja. Die durchschnittliche Durchfallquote in Bayern liegt bei 25 Prozent. Der schriftliche Teil ist machbar, der ist in Ordnung. Der mündliche Teil ist schon schwieriger. Man wird in sechs Teilgebieten jeweils 15 Minuten lang geprüft und muss wirklich auf alles gefasst sein. Wir hatten einen Stapel Bücher, und daraus konnte alles drankommen. Zudem gibt es Fragen, die man richtig beantworten muss, sonst ist man sofort durchgefallen. Ein Beispiel: Man muss Organe richtig benennen können.

Mittlerweile wird zum Beispiel auf die Wildbret-Hygiene sehr viel Wert gelegt, also die hygienische Verwertung von Fleisch. Man muss Organe beurteilen, sofort erkennen, ob man das Fleisch in Umlauf bringen kann. Man muss Wildseuchen erkennen, die afrikanische Schweinepest zum Beispiel. Sieht das Fleisch so bedenklich aus, dass man einen Veterinär verständigen muss, weil die Seuche auf Haustiere überspringen kann?

Welche Aufgabe hältst Du für die wichtigste einer Jägerin?

Eigentlich alles. Natürlich gehört auch das Erlegen eines Tieres dazu, das nimmt aber, wenn man es aufs Ganze betrachtet, nur einen winzig kleinen Teil aus. Wir machen die Ausbildung und Arbeit mit den Hunden, arbeiten in der Natur, im Revier. Wenn Holz geschlagen wurde, muss wieder aufgeforstet werden, denn wir wollen ja frische Wälder haben. Wir achten darauf, dass die Tiere nicht den kompletten Jungwuchs abbeißen, kümmern uns um Hege im Winter, um die Fütterung in Notzeiten. Wir machen auch unangenehme Dinge, wie nachts um halb drei verunfalltes Wild von der Straße zu holen.

Geht ihr auch noch „einfach so“ in den Wald oder habt ihr immer eine Aufgabe im Blick?

Wir gehen auch einfach so. Sonntags früh um 4.30 Uhr, vor Sonnenaufgang, grüne Sachen an. Und dann setzt man sich manchmal nur mit dem Fernglas auf den Hochsitz und freut sich, welche Tiere vorbeikommen. Man kriegt ein ganz offenes Auge für alles, was um einen herum passiert. Wir gehen auch gern spazieren, wir müssen ja nicht immer Arbeiten erledigen.

Euer Revier ist hier vor der Haustür. Wie ist das organisiert?

Ein Revier gehört einer Jagdgenossenschaft, die das Gebiet an einen Pächter vergibt. Weil dieser die Arbeit selten alleine schafft, sucht er sich Mit-Jäger zur Entlastung. Wir sind zu sechst und sind alle im Revier unterwegs. Man trifft sich, man arbeitet zusammen und hält das Revier gemeinsam in Schuss. Die Technik macht eine Abstimmung über WhatsApp relativ easy. Das basiert alles auf Freiwilligkeit. Als Jung-Jäger muss man mindestens drei Jahre einen Jagdschein haben, um ein eigenes Revier pachten zu dürfen.

Wir haben einen großartigen Revierpächter, der uns in der Ausbildung wahnsinnig viel geholfen hat. Wir dürfen jagen, aber dafür müssen wir auch unsere Arbeiten erledigen. Es gibt auch Leute, die dafür zahlen und die dann wirklich nur Jagen gehen.

Manche haben immer noch die Vorstellung, die Jäger wären ein illustrer Club, in dem man sich teure Klamotten anzieht und mit der teuren Büchse auf die Jagd geht. Aber die Realität für uns normale Leute sieht ganz anders aus. Wir machen unsere Arbeit, freuen uns an der Natur, erlegen natürlich auch einmal ein Tier. Aber das macht einen minikleinen Prozentsatz aus. Und dann ist ja noch lange nicht gesagt, dass man Erfolg hat, wenn man ansitzt.

Wie viele Tiere hast Du schon erlegt?

Noch gar keines! In der Ausbildung durften wir nur im Schießstand schießen. Und im Moment warte ich noch auf die Waffenbesitzkarte. Beim ersten Mal werde ich sicher mit einem erfahrenen Jäger mitgehen.

Hast Du Respekt davor das erste Tier zu erlegen?

Sehr großen. Sehr großen. Das ist für mich… Ich möchte das Tier so treffen, dass es nicht leiden muss. Da muss alles passen. Selbst wenn mir auf dem Hochsitz ein Tier kommt: Es muss richtig stehen, es darf nicht verdeckt sein, es muss auf der richtigen Höhe sein, es muss alles inklusive Sicherheitsaspekt stimmen. Davor habe ich allergrößten Respekt, aber das sollte jeder Jäger immer haben: Respekt vor dem Tier.

Glaubst Du, dass Du es in diesem Moment dann kannst?

Ja. Definitiv ja.

Was macht Dich so sicher?

Ich habe mir die Frage nie gestellt, ob ich dann kneifen würde. Ich glaube, gerade für einen Jung-Jäger ist es extrem gut, diesen ganz großen Respekt zu haben. Es geht um Sicherheit für das Tier, es mit einem schnellen, gezielten Schuss zu erlegen, dass es nicht leiden muss. Und es geht immer noch um die Sicherheit außen herum. Wir haben hier  einen großen Gefährdungsbereich, wir bewegen uns im Freien. Es geht hier um tödliche Munition, tödliche Waffen, da darf man den Sicherheitsaspekt nie aus den Augen verlieren.

Also gar nicht mal nur andere Tiere…

Alles. Andere Tiere, Menschen. Radfahrer rattern mittlerweile zu jeder Tages- und Nachtzeit mit Grubenlampen auf dem Kopf durch den Wald. Jogger sind rund um die Uhr mitten im Wald unterwegs, und nicht nur auf den Waldwegen, viele rennen und radeln quer durch. Der Wald ist nachts nicht mehr still.

Wir Jäger gehen natürlich auch außerhalb von normalen Tageszeiten in den Wald, bewegen uns abseits der Wege. Aber wir sind leise. Wir wollen ja nichts aufschrecken. Wir gehen leise zum Hochsitz, steigen so leise wie möglich hoch. Am Sonntag haben wir auf 15 Metern einen Rehbock gesehen, der da in aller Ruhe stand. Aber mir kann keiner erzählen, dass ein Mountainbiker, der den Hügel runterrast, keine Unruhe reinbringt.

Man redet mittlerweile schon von Erholungsdruck auf das Wild.

Woran merkt ihr das?

Man sieht tagsüber weniger Wild. Das Reh ist ein Kulturfolger, auch Wildschweine gewöhnen sich an Geräusche. Aber es besteht trotzdem für das Wild eine Unruhe. Würde ein Reh im Einstand stehen und es käme ein Mountainbiker, würde es wegrennen. Käme der nächste, würde es wieder wegrennen. Es wird also ständig aufgescheucht und muss flüchten. Dadurch steigt der Energiebedarf.

Es würde sicher auch keinem Menschen gefallen, wenn er ständig rumgeschickt würde, obwohl er nur in Ruhe etwas essen oder sich ausruhen möchte.

Das hat Auswirkungen aufs Wild. Man bekommt einfach keine starken, kräftigen, gesunden Stücke mehr. Auch abgemagerte Tiere sind ein bedenkliches Anzeichen.

Was passiert mit dem Wild, das Du erlegen wirst?

Grundsätzlich wird alles verwertet. Ich nehme mir meinen Teil, und der Rest wird an eine Wildmetzgerei abgegeben. Dafür finanziert sich auch die Pacht für unseren Pächter.

Auf der Herfahrt habe ich im Radio einen Beitrag mit dem Dokumentarfilmer Andreas Kieling gehört. Er berichtete, dass vor etwa 130 Jahren der letzte Bär erlegt wurde und dem Jäger damals ein Denkmal gesetzt wurde. Das wäre heute sicher nicht mehr vorstellbar.

Nein. Die Jägerei hat sich seitdem wahnsinnig verändert. Damals ging es um Trophäen, weniger um das essbare Wild. Raubtiere galten als böse, weil sie Schafe und Rinder gefressen haben. Damals gab es ja noch keinen Elektrozaun, die Wölfe und Bären sind einfach auf Höfe und in Gärten durchmarschiert und haben sich geholt, was einfach zu erlegen war.

Ich finde es aber gut, dass man versucht diese Populationen wieder heimisch zu machen. Denn sie haben ein natürliches Gleichgewicht im Wald aufrechterhalten, das es heute nicht mehr gibt.

Wir Jäger sehen uns heute nicht in erster Linie als Leute, die Tiere erlegen. Die Hege und Pflege des Waldes ist eine genauso wichtige Aufgabe.

Mittlerweile gibt es fast 400.000 Jäger*innen in Deutschland, Tendenz steigend. Warum hat diese Tätigkeit Deiner Meinung nach so an Attraktivität gewonnen?

Es ist mit einem gewissen Image verbunden. Für manche Herren ist es toll, eine Waffe zu tragen, andere wollen die Rechtfertigung, dass sie die schicken Klamotten tragen können, die Jägern vorbehalten sind. Für wieder andere ist es eine Prestige-Sache, manche wollen einfach mit der Natur zu tun haben. Es sind so viele Motivationen dabei. Es gibt auch Jäger, die die Ausbildung machen, und dann nie wieder auf die Jagd gehen.

Kannst Du verstehen, dass euer Image in der Öffentlichkeit schwierig ist?

Das ist doch verständlich. Wir töten immer noch ein Tier. Ich sage immer, das muss man Open Mind sein und auch Leute verstehen, die nicht nachvollziehen können, wie man auf ein Tier schießen kann. Aber diesen Menschen fehlen häufig die Hintergründe, warum man ein Tier erlegen muss. Vor 130 Jahren haben Wolf und Bär für ein Gleichgewicht gesorgt. Wir wollen aber auch frische Wälder haben, aber in den Monokulturen frisst nicht nur der Borkenkäfer alles kahl. Wenn wir nicht jagen, gibt es diesen Jungwuchs nicht mehr, weil die Waldtiere zu viel kaputtfressen.

Steigst Du mit den Kritikern in die Diskussion ein?

Das hat meistens relativ wenig Sinn. Jeder hat seine Meinung und kann die auch behalten. Wo für mich der Spaß aufhört: Wenn diese Menschen Jägern materiell und körperlich schaden, wenn sie Autos zerkratzen, Nägel in die Hochsitze schlagen, so dass man hineingreift, wenn man hochsteigt.

Seid ihr schon persönlich angegriffen worden?

Wir leben immer noch auf dem Dorf, hier kennen es die Leute nicht anders. Bauern, Jäger und Waldbesitzer arbeiten Hand in Hand, man kennt sich und redet miteinander. Wenn man durch den Wald fährt, machen wir das nicht aus Spaß, sondern weil man wirklich etwas ins Revier transportieren muss. So klappt das hier auf dem Ort.

Die Belange sind einfach anders als in der Stadt. Kein Frankfurter Bürger muss sich darum scheren, ob ihm ein Reh den Garten kahl frisst. Ich muss auch in der Frankfurter Innenstadt keine Angst haben, dass mir ein Reh vors Auto springt.

Hier sind die Leute dankbar, dass es Jäger gibt, die nach einem Wildunfall das arme Wesen erlösen, das am Auto zappelt. Manche Tiere werden ja auch angefahren und schleppen sich dann noch kilometerweit. Die meisten wissen das hier und rufen die Polizei an, die dann den Jagdpächter anrufen, damit er das Tier suchen kann.

Was kostet es eigentlich, Jäger zu werden?

Die Kursgebühren lagen bei 1200 Euro pro Person. Dazu kommen Kosten für die Schießausbildung und die Munition, die Prüfungsgebühren. Diese betragen in Bayern 280 Euro pro Person. Dazu kommt das Equipment. Bei der Jägerkleidung gibt es die Upper Class mit sehr edlen Klamotten. Da kann man ruckizucki 1000 Euro und mehr für ein komplettes Dress ausgeben. Man muss auch gute Schuhe achten, damit man warme, trockene Füße hat, und warme Kleidung für den Winter, denn wenn man bewegungslos auf dem Hochsitz sitzt, muss sie warmhalten. Aber ich habe ja schon gesagt: Man ist immer dreckig, deshalb lege ich persönlich keinen Wert auf sehr teure Kleidung. Ich würde ja heulen, wenn ich durchs Gestrüpp kriechen würde und 1000 Euro kaputt wären wegen ein paar Brombeeren.

Und die Ausrüstung?

Zur Jagdausrüstung gehören das Gewehr, dazu das Zielfernrohr, das idealerweise genauso viel Wert ist wie das Gewehr, auch das Fernglas. Dann brauchst Du einen Tresorschrank, in dem Waffen und Munition sicher gelagert werden. Ein Tresorschrank kostet 1000 bis 2000 Euro, ein Gewehr kostet im Anfängergehalt 1000 bis 1500 Euro, genauso viel das Zielfernrohr. Dazu kommt die Montage, damit der Abstand zu Deinem Auge stimmt. Ein gutes Fernglas liegt auch locker jenseits der 1000 Euro. Dazu kommt eine individuelle Anpassung, ich bin sehr klein, für mich muss alles gekürzt werden. Mein Mann ist sehr groß, für ihn muss alles verlängert werden.

Wenn man das wirklich aktiv betreiben möchte, kann man schon sein Sparstrümpfchen ausleeren. Ich denke, der relativ hohe Kostenfaktor ist auch das, was es prestigemäßig so interessant macht.

Hat sich denn Dein Vater gefreut, als Du Jägerin geworden bist?

Sehr.

Er hat mir zur bestandenen Prüfung – er ist Büchsenmachermeister – eine Flinte meines Opas wieder hergerichtet. Auch mein Opa war ein sehr kleiner Mann, und deshalb passen für mich seine Gewehre sehr gut. Mein Papa hat die Flinte rundumerneuert.

Mein Opa war bis zu seinem Tod Jäger und er war ein hervorragender Schütze. Er hat bis zum Schluss meist ohne Zielfernrohr, nur über Kimme und Korn, geschossen. Mein Vater und mein Opa waren auch Mitglied im Schützenverein, durften aber nur außer Konkurrenz schießen, weil sie sonst immer gewonnen hätten. Bisher scheint es so, als sei der Apfel nicht weit vom Stamm gefallen.

Und jetzt führt ihr die Familientradition fort…

Als ich meinen Mann kennengelernt habe, war er ein komplettes Stadtkind. Und jetzt steht er mit den anderen Jägern im Wald und zimmert Hochsitze zusammen. Das hätte ich auch nie gedacht!

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