Sonntags-Update #05

Am Montag, 2. August, ist es endlich so weit: wir können weiterfahren!

Am Vormittag kam die Nachricht, dass unser Paket abholbereit ist. Wir machen uns also (mit einem geborgten Auto) auf den Weg zu Postnord. Außerdem wollten wir noch einen neuen Kondensator besorgen, um den auch gleich auszutauschen, wir haben aber keinen bekommen. Das Fachgeschäft hat die entsprechende Palette verschustert. Alles einbauen und erste kleine Rundfahrt um den Block – es scheint so weit alles zu passen! Wir nehmen noch einige kleine Verbesserungsschraubungen vor und versuchen, die Beilagscheibe bzw. Schraube zu finden, von der wir glauben, sie irgendwo verloren zu haben – ein verdächtiges Rasseln deutet darauf hin. Unser Ducato läuft so ruhig wie schon lange nicht und wir können/dürfen/müssen uns nach der Preisverhandlung und Merci-Übergabe verabschieden.

Sundsvall

Unser erster Stopp ist Sundsvall. Die Nacht verbringen wir kurz vor der Stadt auf einem Stellplatz mit Lokomotive und Aussicht auf eine alte Fabrik. Am nächsten Tag besichtigen wir Sundsvall. Wir spazieren durch die Altstadt und besteigen den Stadtberg, wo wir zum ersten Mal eine richtige Aussicht in Schweden genießen können. Es gibt hier sogar einen Aussichtsturm. Der ganze Norra Berget (für schwedische Verhältnisse ist es ein Berg, für österreichische ist es eher ein kleiner Hügel) ist ein Erholungsgebiet und Freilichtmuseum. Dem Ufolandeplatz, einer großen Betonscheibe auf einer Wiese, müssen wir natürlich auch noch einen Besuch abstatten. Mittagessen gibt’s beim IKEA, Plantbullar natürlich.

Höga Kusten

Wir fahren noch ein Stückchen weiter in den Norden bis zur Hohen Küste. Dort wartet in einem Hotel nämlich unser neuer Tankdeckel auf uns. Jetzt ist unser Ducato wieder komplett! (Spoiler: zumindest für ein Weilchen...) Wir gehen an der Hohen Küste spazieren, eine wunderschöne Gegend, und machen uns dann auf die Suche nach einem Schlafplätzchen. Am nächsten Morgen spazieren wir nochmals die Hohe Küste entlang und treffen zum ersten Mal auf eine ARKNAT Übernachtungsmöglichkeit. Das sind kleine Holzverschläge in verschiedensten Formen und Bauarten, die Wandernden Unterschlupf bieten und in Kooperation mit einer Universität entstanden sind.

Weiter geht’s Richtung Skuleskogens Nationalpark. Dort möchten wir wandern gehen und auf jeden Fall eine Nacht (vielleicht auch länger) bleiben. Auf dem Weg dorthin fahren wir nochmal tanken. Kurz vorm Nationalpark kommt weißer Rauch aus dem Auspuff und der Ducato überhitzt komplett. Wir legen also einen Notstopp ein und ziehen erstmal alle möglichen Kontakte zur Rate. Im Schneckentempo fahren wir zurück zur Tankstelle. Während wir getankt haben, wurden die Pumpen neu gestartet und wir vermuten, dass wir etwas Falsches im Tank haben könnten – insbesondere da auf unseren beiden Rechnungen etwas anderes angegeben ist. Auf der Tankstelle treffen wir leider auf nicht sehr kooperative Menschen und widmen uns daher wieder selbst unserem Problem. Nach der Konsultation des ÖAMTCs steht fest, dass wir morgen Früh abgeschleppt werden. Déjà vu. Wir verbringen den restlichen Tag auf der Tankstelle und schlafen auch dort. Am darauffolgenden Tag kommt ein Abschleppdienst und nimmt uns mit zur nächsten großen Stadt im Norden: Örnsköldsvik.

Wir verbringen den ganzen Vormittag mit dem Abschleppdienst, da wir keine Werkstatt finden, die uns haben möchte. Alle sind ausgebucht, mindestens für die nächsten 4 Wochen. Schlussendlich, nachdem uns der Abschleppdienst schon fast bei einer wegen-Urlaub-geschlossenen Werkstatt absetzen wollte, finden wir doch noch eine Werkstatt, wo wir erstmal bleiben können.

Skuleskogens Nationalpark

Da wir bereits ahnen, dass es länger dauern wird, machen wir uns übers Wochenende auf den Weg in den Nationalpark, wo wir ja auch ursprünglich hinwollten. Wir radeln jetzt also hin, nehmen dann unsere Räder ein Stück mit in den Nationalpark hinein und wandern einige Kilometer, da der Weg recht schnell zu unwegsam für unsere Räder wird. Wir gehen zuerst durch die Schlucht Slåttdalsskrevan und dann auf den angrenzenden Gipfel. Wunderschöne Aussicht über den Nationalpark, die Küste, das Meer und die Inseln. Wir gehen eine Runde zurück zu dem Strand, an dem unsere Räder auf uns warten. Dort möchten wir die Nacht verbringen. Wir machen Feuer und grillen Mais. Es ist ruhig. Irgendwann kommt die französische Gruppe, die wir bereits am Gipfel gesehen haben. Es sind viele. Bestimmt 35 Leute. Wir fühlen uns etwas umzingelt, da nützt auch die Entschuldigung des Gruppenleiters wenig. Als sie dann alle ihre identischen Quechua-Zelte aufbauen, beschließen wir, uns ein ruhigeres Plätzchen zu suchen. Wir fahren zurück, hinaus aus dem Nationalpark und zu einem ARKNAT-Plätzchen am Hafen. Dort sind wir zwar auch nicht allein, aber die Anzahl der Menschen ist überschaubar und die Wiese um einiges größer als der Strand.

Wir müssen sehr lachen, als die französische Reisegruppe am nächsten Morgen an unserem Schlafplatz auftaucht – auch der Gruppenleiter erkennt uns und entschuldigt sich nochmals, als sie weiterfahren (sie waren auf der Suche nach Trinkwasser) winken uns alle.

Wir fahren zurück zum Ducato, besuchen Örnsköldsvik und essen Eis. Den verregneten Sonntag verbringen wir im Homeoffice, mit einem Abstecher ins Fjällräven Outlet-Center.

Radtour durch Schweden

Ab Montagnachmittag sind wir wieder mit den Rädern unterwegs. Wir lassen die Schlüssel bei der Werkstatt und machen uns auf den Weg. Örnsköldsvik ist vorerst unser nördlichster Punkt gewesen, die Nacht im Zelt war so kalt, dass wir mit den Rädern nicht Richtung Norden möchten. Wir fahren viel durchs Hinterland, da die einzige große Straße hier eigentlich eine Autobahn und nicht unbedingt fürs Radfahren geeignet ist. Als Wegzehrung gibt’s Mazarin, Marzipanmuffins mit Zuckerguss, echt lecker. Die nächste Etappe beginnt mit einem schönen Radweg, viel bergauf, bergab geht es im flachen Schweden dennoch. Teilweise regnet es und wir finden bei einer netten Dame unter dem Balkon Unterschlupf. Von ihr bekommen wir zum Abschied ein Gläschen selbstgemachtes Beerenmarmelade geschenkt. Irgendwann gehen wir bei dem Versuch, keinen allzu großen Umweg zu fahren, im Wald verloren und finden uns vor einem Gittertor vor der E4 wieder. Zum Glück ist die Kette, die das Tor zusammenhält, nicht mit einem Schloss, sondern lediglich mit einem Stock versperrt. Wir wagen uns also auf die E4 und fahren bis zur nächsten Abfahrt am Streifen neben der Fahrbahn. Es folgt ein Supersprint zum IKEA, die Küche hat nämlich nur bis 19:30 Uhr geöffnet. Wir radeln insgesamt 98 km bis zum IKEA und nach einer Plantbullar-Pause nochmals 9 km bis zu einem Wohnmobilstellplatz. Am nächsten Morgen werden wir bestimmt darauf hingewiesen, dass zelten hier nicht erlaubt sei und wir das Zelt sofort abbauen sollen. Okay. Dafür gab es eine warme Dusche und Strom. Außerdem treffen wir ein norwegisches Paar, das uns, als wir gerade aufbrechen möchten, als Geschenk 1.000 Kronen mit gibt. Wir sollen uns um die umgerechnet hundert (!) Euro einen schönen Tag machen. Wow.

Wir radeln weiter, auf dem Weg besuchen wir in Galtström einige historische Gebäude und schauen zum Hafen. Die großen Steine, die überall im Wald liegen, sind Trolle, die sich einst hier angesiedelt haben, und als ein König kam, der das Land für sich beanspruchen und die Trolle fortschicken wollte, haben sie sich in Steine verwandelt, um hierbleiben zu können, so die Legende. Wir überlegen, die Nacht hier zu verbringen, fahren dann aber doch noch weiter. Wir finden ein Plätzchen im Wald an einem See und Lorenz macht noch einen Supermarkt-Sprint (weitere 20 km), weil wir unbedingt Chips wollen. Es werden dann so semi-gute Tankstellen-Snips, da die Supermärkte hier am Land wohl doch nicht bis 22 Uhr geöffnet haben. Naja, macht nichts.

Am nächsten Morgen haben wir sozusagen einen Wasserschaden, der uns bis mittags beschäftigt. Ne, langweilig wird uns nicht. Unser Wassersack ist undicht und in der Tasche ist alles nass. Als wir den Schaden so halbwegs behoben haben, fahren wir los. Einen Mittagsstopp machen wir bei einer Bäckerei, dort essen wir einen ganzen Butterkaka zu zweit. Sehr lecker, aber sehr viel Zucker haha. Die Nacht verbringen wir auf einem supernetten Stellplatz in Rocksta, dort gibt es sogar eine Küche. Unsere nächste Etappe ist wieder besonders lang, 90 km bis nach Bollnäs. Es regnet ab nachmittags und wir kommen nass und erschöpft an, weshalb wir erstmal zum MAX aufwärmen und Burger essen gehen.

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