Zum Hauptinhalt springen

Sonntags-Update #22 (Teil 1)

Neapel

Die Tage werden immer heißer und wir wissen nicht, ob es immer noch an der Hitzewelle in Italien liegt oder daran, dass wir uns bald dem südlichsten Punkt unserer Reise nähern. Wir fahren auf der Autobahn mit offenen Fenstern, um vom Fahrtwind ein wenig Trost gespendet zu bekommen. Die Landschaft zieht vorbei und so kommen wir schnell voran. In den nächsten Tagen ist die Besichtigung Neapels angesagt. Bevor es damit losgehen soll, machen wir ein paar Kilometer außerhalb in Santa Maria Capua Vetere einen Stopp neben einem antiken Amphitheater. Gerne hätten wir es auch von innen besichtigt, da aber noch nicht Hauptsaison ist, wird die Zeit gerade für Renovierungen der Anlage genutzt und ein Eintritt ist nicht möglich.

In Neapel gibt recht großräumige ZTL-Zonen („Zona Traffico Limita“), in die wir mit dem Wohnmobil nicht hineinfahren wollen und möglicherweise oft auch gar nicht dürfen – so genau haben uns darüber nicht informiert, unser Schlafplatz ist ohnehin außerhalb dieser Zonen. Deswegen fahren wir mit dem Wohnmobil von der Abfahrt der Stadtautobahn ohne Umweg dorthin. Wobei ohne Umweg ein bisschen gelogen ist, denn wir nehmen zwar die kürzeste Route, aber das Straßennetz von Neapel erfordert es, dass wir zunächst auf einer Straße mit getrennten Fahrstreifen fast einen Kilometer den Hügel runterfahren bis wir an einer Schleife wenden und dieselbe Straße wieder den Hügel hinauffahren. Am Stellplatz angekommen schnappen wir unsere Räder und fahren ins Zentrum, um die Stadt zu entdecken. Wir stürzen uns gleich ins Geschehen und navigieren direkt ins „historische Zentrum“ – zumindest laut Google Maps. Es ist wahnsinnig viel Verkehr auf den engen Straßen und das Gruseligste ist, dass ständig Autos und Mopedfahrer blind um Ecken gegen die Einbahn daher geschossen kommen (ja, die Straßen sind einspurig). Wir meistern die engen Gassen und kommen weiter ins Zentrum. Erst landen wir bei einem Straßenmarkt, dann im angeblichen „historischen Zentrum“ – der Ort ist wenig einladend. Die über 30 °C tragen auch nicht gerade zu unserem Wohlbefinden bei. Wir befinden uns direkt am Hauptbahnhof und unser erster Eindruck von Neapel ist, dass es hier ziemlich heruntergekommen aussieht, im Straßenverkehr keiner aufeinander Rücksicht nimmt und die Verkehrsregeln eher als lose Richtlinien zu verstehen sind. Auf der Suche nach einem ruhigeren und vor allem kühleren Plätzchen fahren wir zunächst direkt Richtung Meer. In der kleinen Gasse gibt es viele Stände mit Gemüse und frischen Meeresfrüchten. Wir sind von den vielen Reizen in der Stadt etwas überfordert und freuen uns endlich am „Meer“ angekommen zu sein, stehen jetzt aber nur vor dem Hafen und einer großen Straße, der wir nochmals einige Kilometer folgen, bis wir endlich ein ruhiges Schattenplätzchen finden, wo wir eine Pause einlegen. Wir beschließen, noch etwas am Meer entlang zu fahren und befinden uns plötzlich mitten im Getümmel der TouristInnen. Irgendwie ist uns auch hier zu viel los. Dennoch schließen wir die Räder ab und schlendern etwas durch die Altstadt bevor wir den Palast, den Piazza del Plebiscito, die Galerie Umberto und die Burg abklappern. Dazwischen finden wir noch richtig gutes veganes Eis und die Krippenstraße fahren wir ebenfalls ab. Müde vom städtischen Treiben machen wir uns auf den Rückweg und sind froh wieder, am Stellplatz anzukommen.

Ercolano

Da wir für 24 Stunden auf dem Parkplatz stehen dürfen und danach auf einen anderen Campingplatz wollen (Check-In ab 12 Uhr), nutzen wir die Zeit nach dem Frühstück, um zu arbeiten. Nochmals in die Stadt zu fahren wäre uns zu stressig gewesen. Nach einer kurzen Fahrt sind wir in Ercolano angekommen. Hier befinden wir uns am perfekten Platz, um den Vesuv zu besichtigen, weshalb wir diesen Platz auch ausgesucht haben. Zunächst nutzen wir aber den noch verbleibenden Tag, um die Ausgrabungen im Parco Archeologico di Ercolano zu besichtigen. Von den Ausgrabungen sind wir begeistert, denn zum Teil sind die Häuser richtig gut erhalten. Wir gehen also von einer Taverne zur nächsten und schlüpfen zwischendurch immer wieder in Innenhöfe und Atrien im toskanischen Stil.

Vesuv

Die Tickets haben wir einige Tage im Vorhinein gebucht, dennoch waren die besten schon vergeben – also die, die auf den ersten Bus abgestimmt gewesen wären. Wir fahren also mit dem Zweiten. Wir können die Bustickets direkt am Campingplatz kaufen und kommen so auch in den Service, direkt vom Campingplatz abgeholt zu werden. Als der Bus stehenbleibt, ist dem Busfahrer zunächst etwas Besorgnis ins Gesicht geschrieben und wir vermuten schon, dass etwas nicht stimmt. Der Bus ist bereits voll. Mitfahren dürfen wir trotzdem, zwei andere müssen allerdings wieder aussteigen. Wir vermuten, dass sie ein Ticket für einen späteren Bus hatten, aber auf Kulanz mitgenommen wurden. Obwohl der Busfahrer den beiden Stiege und Klappsessel neben der Türe angeboten hat, steigen sie genervt aus. Wir wissen nicht, ob wir jetzt ein schlechtes Gewissen haben sollten, freuen uns aber dennoch über unsere Sitzplätze. Die Fahrt nach oben ist bereits ein Abenteuer für sich. Die Straße ist sehr, sehr kurvenreich und teilweise so eng, dass Gegenverkehr schlicht keinen Platz hätte. Daher wird vor den Kurven und vor Engstellen kräftig gehupt. Beim Aussteigen hält der Busfahrer allen ein Schild entgegen, dass uns die Uhrzeit der Rückfahrt verrät: 12:40 Uhr. Wir haben also zwei Stunden Zeit, bezweifeln aber anfangs, ob das wirklich ausreicht. Der Aufstieg dauert dann aber wirklich nicht lange. Oben ist es natürlich heiß und die Fernsicht ist aufgrund der Feuchtigkeit in der Luft etwas eingeschränkt, aber wir haben dennoch einen tollen Überblick. Von hier oben sieht man auch die tatsächliche Größe von Neapel und den entsprechenden umliegenden Gemeinden, die alle längst zusammengewachsen sind. Immerhin hat der Großraum Neapel über drei Millionen Einwohner. Wir machen ein paar Fotos und kehren dann zum „Base-Camp“ zurück, von wo aus es mit dem Bus wieder nach unten geht.

Teil 2 der Woche folgt am Montag! Wenn du das nicht verpassen willst, kannst du dich für den Newsletter eintragen :) 

Nur Mitglieder, die Zugang zu diesem Post haben, können Kommentare lesen und schreiben.