Manuel aus dem Treibhaus ✌️ – wann hast Du zuletzt etwas probiert, als alle anderen gesagt haben: "Schaffst du nie!"? Ich habe für die heutige Treibhauspost mit einer gesprochen, die gerade an ungefähr diesem Punkt ist. Sie ist eine Wette eingegangen, die unmöglich klingt.

Außerdem starten wir eine neue Spendenaktion! Mehr dazu unten. Jetzt erstmal: Interview 🗯

... und für alle, die es noch nicht getan haben:

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#06

"Es ist wichtig, ein neues Narrativ zu verbreiten"

Das Ziel der Initiative "Klimawette" ist ambitioniert: 1 Million Menschen, 1 Million eingesparte Tonnen CO₂ und 25 Millionen gespendete Euro. Wie wollen die das schaffen? Und was soll das bringen? Ein Interview mit Andrea Kostrowski – mit einer, die wettet.

Das Klimaziel für 2020 hätte Deutschland verfehlt, hätte uns da nicht der Lockdown zurück auf die Zielgerade geschubst. Letztendlich hat es dann doch geklappt – und trotzdem wurden 739 Millionen Tonnen CO₂ in die Luft gepustet.

In 24 Jahren soll diese Zahl laut neuem Klimaschutzgesetz bei Null liegen. Da muss also noch einiges passieren. Zumal die Wissenschaft sagt, dass dieses Ziel nicht ambitioniert genug ist – und es mit Ziele setzen ja auch nicht getan ist. (Selbst dem Bundesrat geht das Vorhaben übrigens nicht weit genug. Gerade erst hat er das neue Klimaschutzgesetz abgelehnt und Nachbesserungen gefordert.)

Dass die Entscheidungsträger°innen so langsam in die Puschen kommen sollten, findet auch das Team von "3 fürs Klima", ein Verein, der drei Schritte zu einem klimaneutralen Leben aufzeigen will. Weil bald der nächste große Klimagipfel stattfindet – im November in Glasgow – hat sich das Team gedacht, dass es Zeit ist, ein Zeichen zu setzen. Deshalb hat es im Herbst eine neue Initiative gestartet: die Klimawette.

Das Ziel ist hochgesteckt. Bis November sollen eine Million Menschen zusammenkommen, die gemeinsam eine Million Tonnen CO einsparen. Wie? Indem sie jeweils 25 Euro spenden. Dieses Geld fließt in verschiedene Klimaschutzprojekte, wo eine Finanzierungshilfe von 25 Euro einer Einsparung von einer Tonne CO₂ entspricht.

So hoch das Ziel gesteckt ist, so groß wäre die Wirkung. Zwar können eine Million Tonnen eingesparte CO₂ nichts an der miesen CO₂-Bilanz der Bundesrepublik ändern, aber es wäre eine Botschaft, die man nicht so leicht überhören kann. Zudem wird mit den Spenden Gutes getan und ein Stück Klimagerechtigkeit hergestellt – doch lasst uns mehr darüber hören, von einer, die vorne mit dabei ist.

Andrea Kostrowski ist Kampagnenleitung der Klimawette und hat mir über Zoom ein paar Fragen beantwortet.

Manuel: Andrea, weißt Du, wie hoch Dein persönlicher CO-Fußabdruck ist?

Andrea: Der lag zwischen fünf und sechs Tonnen, als ich das zuletzt berechnet habe. Das war, als wir die Klimawette im vergangenen Herbst gestartet haben. Da haben wir im Team alle den CO-Rechner vom Umweltbundesamt benutzt.

Damit liegst Du ja deutlich unter dem Durchschnitt. In Deutschland liegt der pro Kopf bei 11,6 Tonnen.

Das liegt aber natürlich auch am Lockdown-Jahr. Ich bin 2020 zum Beispiel gar nicht geflogen. Außerdem ernähre ich mich vegan und fahre eigentlich alles mit dem Fahrrad. Hättest Du mich ein Jahr früher gefragt, als ich mein Studium im Ausland gemacht habe und auch ein paar Mal hin- und hergeflogen bin – da wären es bestimmt um die 14 Tonnen gewesen. Da muss ich auch ehrlich sein.

Probierst Du denn, besser zu werden – also Deinen persönlichen Fußabdruck immer weiter zu verringern?

Auf jeden Fall. Das passiert schon ganz automatisch dadurch, dass ich Teil des Klimawette-Teams bin. Wir stellen auf unserer Website viele Tipps zur Verfügung, wie man seinen Fußabdruck effizient senken kann – und es gibt da einige Stellschrauben, an denen man als Privatperson drehen kann. Ich bin schon in einer guten Ausgangslage, weil ich in einem Neubau wohne. Hier ist alles top isoliert, wir haben Ökostrom und ein effizientes Heizsystem. Wenn ich in einem Altbau leben würde, hätte ich aber schon mal meine°n Vermieter°in angesprochen und gefragt: “Ist alles auf dem neuesten Stand? Könnte man vielleicht noch etwas verbessern?”

Ansonsten steht auf meiner To-Do-Liste zum Beispiel noch, zu einem grünen Bankkonto zu wechseln. Ernährung ist natürlich auch eine große Stellschraube, da kann ich persönlich aber zum Beispiel nicht mehr viel verändern.

Bei allem Engagement bleibt es ja trotzdem sehr schwierig, in einer Gesellschaft, die ihren Wohlstand auf fossiles Wirtschaften aufbaut, den eigenen Fußabdruck zu verringern. Bringt es überhaupt was, es zu versuchen? Oder überfordert das nur?

Wir haben ja gar keine andere Wahl. In dem Moment, in dem ich sage: “Ich kann mich gerade nicht um ein nachhaltigeres Leben kümmern”, wird irgendwo auf der Welt jemand anderes dafür einbüßen müssen – und im Zweifel unter Druck ausbaden, was ich eingebrockt habe.

Klar, mehr Nachhaltigkeit anzustreben kann einen aus der Komfortzone herausholen. Veränderungen sind für uns Menschen immer schwierig, weil wir Gewohnheitstierchen sind. Aber je mehr wir uns jetzt in Bequemlichkeit üben, desto weniger Zeit haben wir später.

7.126 eingesparte Tonnen CO₂ heißt: Über 178 Tausend Euro wurden schon "verwettet". 📸: dieklimawette.de, Stand 29. Mai

In Corona-Zeiten beschäftigen einen natürlich auch viele andere Dinge. Gleichzeitig gibt es viele Anzeichen dafür, dass die Pandemie nur der Vorbote davon ist, was noch kommen wird. Die Klimakrise wird uns noch in Situationen bringen, in denen wir uns gezwungenermaßen in Verzicht üben müssen. Deshalb muss sich jetzt schnell etwas ändern.

Trotzdem ist es unmöglich, den persönlichen CO-Fußabdruck komplett auf Null zu bringen. Da fragen sich viele wohl: Wo fange ich an? Ist ein klimaneutrales Leben nicht unerreichbar?

Ja und nein. Man kann seinen persönlichen Fußabdruck ja auf jeden Fall verringern. Und dann gibt es noch eine weitere Sache, die man machen kann: kompensieren. Ich kann ja auch anderen dabei helfen, CO₂ einzusparen. Das geht zum Beispiel durch finanzielles Unterstützen von Klimaschutz-Projekten, die die Lebensbedingungen anderer Menschen verbessern. So kann man quasi die “Netto-Null” anstreben. Das bedeutet: Ich bemühe mich, an allen Stellschrauben in meinem persönlichen Umfeld zu drehen, so gut es geht. Und jede Tonne CO₂, die ich nicht einsparen kann, kompensiere ich.

Da könnte man jetzt einwenden, dass Kompensieren ja auch nur eine Art persönliches Greenwashing ist.

Es geht aber gar nicht darum, sich freizukaufen. Man sollte natürlich trotzdem vor allem bei sich selbst CO₂ einsparen und die Unterstützung dann als zusätzliches Mittel sehen. Nicht zu vernachlässigen ist außerdem der Aspekt, dass ich beim Kompensieren mein Geld für Klimaschutz-Projekte einsetze – und ich dieses Geld dann ja nicht mehr anderweitig verwenden kann. Das heißt, ich vermeide damit ganz automatisch, das Geld in klimaschädlichen Konsum zu stecken.

Stellen wir uns mal vor, ich verzichte ein Jahr lang aufs Fliegen, so wie es in der Pandemie wohl sowieso viele getan haben. Wenn dann aber mal Corona vorbei ist und alles wieder offen hat, dann denke ich mir wahrscheinlich: Jetzt will ich mich aber belohnen, ich habe ein Jahr verzichtet, da ist doch mal eine Südamerika-Reise drin. In dem Moment mach ich alles wieder wett, was ich zuvor eingespart habe. Wenn ich aber das gesparte Geld gleich in Klimaschutz-Projekte stecke, ist es einerseits sinnvoll investiert und andererseits auch für mich nicht mehr für klimaschädliche Ausgaben verfügbar.

Das persönliche Einsparen und das Kompensieren sind ja jetzt beides sehr individuelle Dinge. Wie schafft man von hier den Schritt zu einer Wirkung, die über das eigene Handeln hinausgeht?

Mit der Initiative “3 fürs Klima” versuchen wir ja, Klimaneutralität in drei Schritten lebbar zu machen. Zwei haben wir gerade besprochen: den Fußabdruck reduzieren sowie kompensieren. Was Du jetzt ansprichst, wäre der dritte Schritt. Wir nennen das den “Handabdruck”. Da geht es darum, andere auf den Weg mitzunehmen, zu informieren, sie für Klimaschutz zu begeistern.

Das kann schon damit anfangen, dass ich kommuniziere, wie ich Nachhaltigkeit lebe. Damit kann man andere inspirieren. Man kann aber noch weitergehen und sich zum Beispiel mit anderen zusammenschließen, um ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Sei es, einen Verein zu bilden, eine Petition ins Leben zu rufen oder sich mit Nachbar°innen zusammenzutun, um bei den Vermieter°innen im Wohnhaus Veränderungen einzufordern.

Die Initiator°innen der Klimawette bei der Auftakttour in Hamburg.

Mit dem Verein “3 fürs Klima” wollt Ihr klarmachen, dass alle drei Schritte gleich wichtig sind und man vor allem durch das Zusammenspiel dieser drei Punkte wirklich etwas bewirken kann. Richtig?

Ja, es geht immer um ein Zusammenwirken mehrerer Dinge. Ich tue mich schwer mit der Argumentation, dass nur die Politik etwas ändern müsse – oder auch umgekehrt: dass nur Privatpersonen etwas ändern müssten. Wichtig ist ja ein Zusammenspiel aus allen Ansätzen. Entscheidend ist für mich persönlich aber trotzdem die Frage, was meine Rolle ist und was ich beitragen kann – und da wären wir wieder beim Handabdruck und auch bei dem Ziel, das wir mit der Klimawette verfolgen. Ich bin überzeugt: Je mehr Menschen sich in kurzer Zeit mit einem Thema beschäftigen, desto eher wird es auch politisch und desto eher wird es auch von Regierungen aufgegriffen. Es ist also wie ein Frage-Antwort-Spiel, bei dem persönliche, private und politische Handlungen zusammenhängen.

Mit der Klimawette wollt Ihr bis zum Glasgower Klima-Gipfel im November eine Million Menschen gewinnen, die gemeinsam eine Million Tonnen CO einsparen. Ist das ein Versuch, die drei Schritte – Fußabdruck verringern, kompensieren und Handabdruck vergrößern – in einer großen Aktion zu vereinen?

Ja, auch wenn es auf den ersten Blick vor allem ums Kompensieren geht: Alle, die bei der Klimawette mitmachen, sparen in erster Linie CO₂ ein, indem sie pro Tonne 25 Euro spenden. Das Geld stecken wir dann in Klimaschutz-Projekte, die damit dann eine Tonne CO₂ einsparen können – zum Beispiel, indem sie in Äthiopien oder Kenia solarbetriebene LED-Leuchten installieren und die dort vor allem genutzten gesundheits- und klimaschädlichen Kerosinlampen ersetzen.

Und auf den zweiten Blick?

Man kann zusätzlich seinen persönlichen Fußabdruck verringern und die so eingesparten Tonnen mit einem CO₂-Avatar erfassen. Tatsächlich beruht die ganze Idee der Klimawette aber eigentlich auf dem Handabdruck. Wir wollen nämlich nicht nur, dass Leute mitwetten und selbst CO₂ einsparen beziehungsweise kompensieren. Wir wollen, dass jede°r mindestens zwei Freund°innen davon überzeugt, auch mitzumachen. Wenn diese zwei dann wiederum zwei Freund°innen gewinnen, wären wir in 20 Runden bei der Million.

Angenommen das klappt und es kommen bis zum Klimagipfel eine Million Menschen und eingesparte Tonnen zusammen. Was passiert dann?

Dann wollen wir diese eine Million Tonnen symbolisch eine°r deutschen Vertreter°in oder Entscheidungsträger°in übergeben und quasi sagen: “Hier sind eine Million Stimmen, die besseren Klimaschutz fordern”. Wie genau das ablaufen wird, müssen wir noch sehen. Das haben wir noch gar nicht im Detail geplant. Da ist unser Vorhaben noch ein bisschen unfertig, was aber auch gar nicht schlimm ist. Unser Motto ist ja auch: Wir machen’s jetzt einfach. Wir legen direkt los, weil wir eben keine Zeit mehr verlieren dürfen.

Und es ist ja auch noch einiges zu tun, wenn wir die Wette gewinnen wollen. Was wir zum Beispiel vorhaben, wenn Corona es zulässt: mit dem Lastenrad 100 Tage durch Deutschland fahren. Der Plan ist, 200 Städte zu besuchen, Pressegespräche zu führen und für die Klimawette zu begeistern.

Mit einer Million habt Ihr Euch ja schon ordentlich was vorgenommen. Ist das nicht viel zu viel? Wie seid Ihr auf die Zahl gekommen?

Also vorweg: Eine Million ist ja nicht genug. Wenn man das mal vergleicht: Allein in Deutschland haben wir im Jahr 2019 schon 810 Millionen Tonnen CO₂ emittiert. Und wir schreiben auch auf unserer Website: “Reicht es, eine Tonne CO₂ einzusparen?” – natürlich nicht, aber es geht vor allem darum, mal den ersten Schritt in die richtige Richtung zu gehen.

Der Treibhausgas-Emissionen sind seit 1990 in Deutschland (zu langsam) gesunken. Zur besseren Vergleichbarkeit wird die Klimawirksamkeit der verschiedenen Gase in Kohlendioxid umgerechnet (etwa: "Wie viel CO entspricht der Lachgas-Ausstoß?"). Die Ziele im Schaubild stammen noch vom alten Klimagesetz; aktuell müsste der pinke Balken noch niedriger und die Treibhausgas-Neutralität nicht erst 2050, sondern 2045 erreicht sein.

Dass wir uns eine Million vorgenommen haben, kam daher, dass Fridays for Future es bei der Demo im Jahr 2019 geschafft hat, allein in Deutschland über eine Million Menschen auf die Straßen zu bringen. Wir dachten dann: Wenn so viele Menschen schon protestieren, dann sind sie sicher auch bereit, mit gutem Beispiel voranzugehen und der Politik heute zu zeigen, dass sie selbst auch mindestens eine Tonne vermeiden.

2019 gab es aber auch noch kein Corona. Jetzt sitzen alle Zuhause, sind vereinnahmt von der Pandemie. Hast Du das Gefühl, dass das der Klimaschutz-Bewegung den Wind aus den Segeln genommen und vielleicht sogar das Momentum zerstört hat, das es 2019 gab?

Da muss ich aus zwei Blickwinkeln antworten. Einerseits bin ich ja aktuell sehr aktiv im Bereich Klimaschutz. Da bin ich Teil einer Bubble, in der viele sagen: Jetzt erst recht, jetzt müssen wir noch viel mehr machen.

Andererseits sieht es außerhalb dieser Bubble ganz anders aus. Bei vielen herrscht ja zum Beispiel der Irrglaube, dass die Pandemie gut sei fürs Klima. Klar ist 2020 der globale CO₂-Ausstoß gesunken, aber eben nur vorübergehend. Inzwischen ist er schon wieder im Höhenflug. Und wenn die Maßnahmen wieder gelockert werden, werden die Emissionen durch Reisen, Konsum und so weiter noch deutlich zulegen. Insofern glaube ich, dass Corona das Momentum auf jeden Fall zerstört hat. Auch weil die Pandemie ja nicht mehr aus den Medien wegzudenken ist, wohingegen Klima-Themen wirklich kurz kommen – vor allem im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie.

Ein Moment, als zuletzt wieder viel übers Klima geredet wurde: als das Verfassungsgericht das Klimaschutzgesetz für verfassungswidrig erklärt hat. Das zeigt, dass das Thema nicht vergessen ist. Und ich glaube, dass es wieder deutlich in den Vordergrund rückt, wenn uns die Pandemie nicht mehr so sehr beschäftigt. Gleichzeitig müssen wir uns bewusst machen, dass Klimaschutz nicht warten kann. Die Krise betrifft jetzt schon viele Menschen an verschiedenen Orten auf der Welt. Während wir uns hier unterhalten, werden Häuser von Fluten weggespült, Brände zerstören Wälder und Dörfer und so weiter. Das dürfen wir nicht vergessen, auch wenn wir berechtigterweise mit den Einschränkungen durch Corona beschäftigt sind.

Andrea Kostrowski wettet, dass besserer Klimaschutz möglich ist.

Mit der Klimawette wollt Ihr jetzt wohl den Wind zurück in die Segel pusten. Und wenn wirklich eine Million Menschen zusammenkommen, wäre die Wirkung sicher enorm. Im Moment sind es rund 4.000 Teilnehmer°innen. Habt Ihr Angst, dass Ihr das Ziel nicht erreicht?

Natürlich wäre es schade, wenn wir es nicht schaffen. Eine Wette einzugehen, ist ja auch ein sportlicher Wettkampf, den man verlieren kann. Dann müssten wir uns die Niederlage erstmal eingestehen. Das Risiko gehen wir aber ein. Vielleicht noch wichtiger als zu gewinnen, ist, dass wir es überhaupt einmal probieren und damit ja auch ein Zeichen setzen. Es ist wichtig, ein neues Narrativ zu verbreiten, indem wir sagen: “Kommt, wir packen das, machen wir einfach mal.”

Stell es dir wie bei zwei Kindern vor, die an einem Bach stehen. Das eine sagt: “Wetten, ich schaffe es, da rüberzuspringen?” Und obwohl das andere sagt: “Nee, schaffst du auf keinen Fall”, macht es das Kind einfach und springt über den Bach. Es hätte sich auch entmutigen lassen können und es dann vielleicht gar nicht erst probiert. So wollen wir nicht an die Sache herangehen. Denn probieren ist in jedem Fall besser, als gar nichts zu tun.

Bist Du optimistisch, dass Ihr es über den Bach schafft?

Natürlich. Ich denke, die Zeit vor Glasgow und auch die Bundestagswahl werden nochmal für ordentlich Wirbel sorgen. Da werden wir sicher noch einiges erreichen. Aber ich verstehe auch die Skepsis. Es sind noch 996.000 Menschen, die wir brauchen. Das ist einfach noch eine ganze Menge.

Wer bei der Klimawette mitmacht, kann ein Klimaschutz-Projekt auswählen, für das sie°er spendet – von Solarpanels in Kenia bis zu Trinkwasser-Projekten in Ruanda. Es sind quasi alles Projekte im globalen Süden. Warum nicht auch Projekte in Deutschland? Wie habt Ihr das ausgewählt?

Wir haben einen Fachbeirat, der uns bei der Initiierung der Klimawette unterstützt und die Projekte ausgesucht hat. Viele Projekte sind im globalen Süden, wir haben aber auch Projekte in Europa. Da geht es zum Beispiel um Kohlenstoffbindung oder um den Aufkauf von Zertifikaten aus dem Emissionshandel.

Fairventures will in Borneo 100 Millionen Bäume pflanzen. Bei der Klimawette kann man neben diesem Projekt zum Beispiel auch Projekte für Solaranlagen oder effiziente Kochstellen unterstützen. Die Spenden schließen Finanzierungslücken in diesen Projekten, die dadurch mit ihren Maßnahmen CO einsparen können. Die Finanzierungslücken sind von Projekt zu Projekt unterschiedlich.  Der Preis von 25 Euro, den man spenden muss, um eine Tonne CO einzusparen, ist ein Mittelwert aller ausgewählten Projekte. 📹: Screenshot YouTube

Das Problem ist aber, dass die Projekte in Europa viel teurer sind. Da kostet es auch mal mehr als 100 Euro, eine Tonne CO₂ einzusparen. Wir hätten auch versuchen können, eine Million Menschen zu mobilisieren, die jeweils 100 Euro spenden. Das wäre aber viel schwieriger gewesen als das jetzige Ziel von insgesamt 25 Millionen Euro. Und das ist ja auch schon ganz schön viel Geld. Wir möchten damit pro Projekt 10.000 Tonnen einsparen. Das wären am Ende dann 100 Klimaschutzprojekte, die wir unterstützen würden.

Hast Du bei den Projekten einen persönlichen Favoriten?

Ich finde das Projekt in Borneo spannend. Da geht es um Aufforstung, was ich prinzipiell sehr wichtig finde. Viele sagen ja: “Aber die Bäume, die wir heute pflanzen, können ja erst nach sehr langer Zeit auch CO₂ binden.” Das stimmt natürlich. Andererseits sind die neuen Wälder, die durch Aufforstung entstehen, extrem hilfreich für die Biodiversität. Wir nehmen den Tieren jeden Tag immer mehr Lebensraum weg. Wenn wir nicht neue Lebensräume schaffen, werden noch sehr viel mehr Arten aussterben, als es ohnehin schon tun.

Aber natürlich finde ich alle Projekte super – egal ob es jetzt die Lebensbedingungen von Menschen verbessert oder Biodiversität fördert. Wer bei der Klimawette mitmacht, kann selbst entscheiden, welches Projekt sie°er am liebsten unterstützen möchte.

Willst Du zum Schluss noch etwas loswerden, was wir noch nicht besprochen haben?

Wie Eckart von Hirschhausen auch immer so schön sagt: “Der Planet braucht uns nicht, wir brauchen ihn.” Er ist unser Zuhause und wir sind gerade dabei, ihn zu zerstören. Das Wichtigste ist, dass wir uns alle mal ein bisschen zusammenreißen und verstehen, dass unendliches wirtschaftliches Wachstum im jetzigen Rahmen nicht möglich ist. Wir wollen doch auch den zukünftigen Generationen ein Zuhause bieten.

Was sagst Du zu der Wette? Glaubst Du, es ist zu schaffen? Bis zum Klimagipfel in Glasgow sind es (nur noch?) 156 Tage. Antworte auf diese Mail, auch wenn Dir etwas anderes auf der Seele brennt – wir freuen uns immer, wenn Leser°innen uns schreiben!

Spendenaktion: 1 € pro neue°r Leser°in

Viel wichtiger aber noch: Empfiehl Treibhauspost weiter. Für jede Person, die Du mit an Bord holst, spenden wir einen Euro an die Klimawette! Die Aktion läuft bis zum nächsten Samstag. Los geht's 🏃‍♂️

Und vielleicht hast Du ja sogar Lust, selbst mit in die Wette einzusteigen. Ich bin auch schon dabei mit einer Spende für Kochstellen in Ruanda und dem Aufkauf eines CO₂-Zertifikats aus dem Emissionshandel. Auf der Klimawette-Website kannst Du Dir das Projekt genauer anschauen, ein Projekt auswählen und mitmachen.

Schönes Wochenende! Manuel