Willkommen bei THEFUTURE, dem stets hoffnungsvollen Blick in die Zukunft.

Ich bin Ole Reißmann, und hier gibt es Woche für Woche Links auf alles, was ich im Internet interessant finde. Kurzer Ausflug: In den vergangenen Tagen fand mich eine Telegram-Gruppe interessant: Der einst gefeierte vegane Kochbuchautor Attila Hildmann, der mittlerweile weit rechts von Querdenkern irrlichtet, vermutet, ich könnte hinter Anonymous stecken. Weil ich mal ein Buch über Anonymous geschrieben habe. »Das ist alles so dumm, ich pack's nicht mehr«, schreibt @hatr.

Noch ein Abstecher: Ich war 2 Stunden und 35 Minuten weniger im Internet als sonst. Denn Kino geht wieder, und »Dune« funktioniert dort am besten, mit dem fettest möglichen Soundsystem. Weiß jetzt gar nicht, was besser wäre – dass es bei dem verrätselten, düsteren ersten Teil bleibt, der sich viel Zeit für die Landschaft nimmt und etwas an der Story spart, oder dass doch genug Menschen in die Kinos gehen und der zweite Teil gedreht werden kann, in der Gefahr, doch noch in Richtung Hollywood-Franchise abzudriften.

Aerocene

Würde man ein Lexikon der Zukunft schreiben, der erste Eintrag mit A müsste »Aerocene« heißen. Angelehnt an das Anthropocene, die Epoche, in der die Gestalt der Erde erstmals von Menschen nachhaltig verändert wird. Das Aerocene ist die Vision einer Welt, in der Menschen nur mit Hilfe von Sonnenenergie fliegen. Nicht über irgendwelche Umwege – Solarzellen, Strom, Gas – nein, allein durch die Wärme der Sonnenstrahlen.

In einer Salzwüste in Argentinien hat es bereits geklappt: Der Künstler Tomás Saraceno und seine Mitstreiter:innen haben im vergangenen Jahr einen Solar-Heißluftballon gestartet, mit dem Leticia Marques abgehoben und geflogen ist. Das Video dazu ist spektakulär, die Flug-Premiere offiziell anerkannt. Ein neues Zeitalter beginnt, in dem wir ohne fossile Brennstoffe fliegen.

Das nächste Ziel: eine Weltumrundung. Die interdisziplinäre und über Kontinente verstreute Aerocene-Community ist hervorgegangen aus einem Kunstprojekt, dem Museo Aero Solar, bei dem von 2007 an aus alten Plastiktüten erste Solarballons konstruiert wurden. Plastikmüll, Klima, Kunst, das funktioniert super in Ausstellungskontexten, weswegen das Aerocene natürlich auf der Architekturbiennale in Venedig einen Auftritt hat. 

Social

Kultur

  • The Digital Death of the Collector: »I opened the Spotify app on my laptop a few weeks ago and found that everything I had saved was in disarray. (...) I couldn’t flip through them with my usual clicks, the kind of subconscious muscle memory that builds up when you use a piece of software every day, like your thumb going directly to the Instagram app button on your phone screen. Spotify had updated its interface and suddenly I was lost.«
  • Teamlab Borderless kommt 2024 nach Hamburg: Das Digital Art Museum soll das größte Museum für digitale Kunst in Europa werden. Offenbar war der Hamburger Bürgermeister in Tokio sehr beeindruckt von den immersiven Räume der Künstlergruppe Teamlab. 

Crypto

  • Decentralized Library: Decentralization hosted fully on a blockchain and IPFS, and operated from browser via JavaScript.
  • Schluss mit der Bitcoin-Lüge: Massiver Stromverbrauch, Insidergeschäfte wie bei den ganz Großen. Tonnen von Elektroschrott. Wir wissen das jetzt alles. @Digiconomist: »We quantified there’s about 2.9 million machines. If they last for 1.5 years, then less than 80.000 of them will ever create a single block at all - more than 97% of machines will be discarded without even producing a single useful contribution ever.«
  • Wie man mit Cryptoart-Investments angeblich reich wird, von einem, der es vielleicht wissen könnte: Viel Zeug von Leuten mit vielen Followern kaufen (und am besten diese noch weiter pushen) und mindestens sechs Monate warten. Oder halt gleich selbst kreativ werden:
  • How I made $50K in 3 days with NFTs: I created Crypto Mondrians, a set of code-generated art NFTs on the blockchain.
  • Firmenchef lässt sich von Meme-Dudes beeindrucken: Die US-Kinokette AMC will Dogecoin als Zahlungsmittel akzeptieren.

Silicon Valley

Medien

Tools

  • Deutsche Suchmaschine werbefrei für 2 Euro im Monat: nona.de sagt zwar nicht, woher die Suchergebnisse kommen, verspricht aber Werbe- und Tracking-Freiheit. Und Funktionen wie Wetter, wie man sie von DuckDuckGo, Google und so weiter kennt. Wenn ich nach meinem Namen suche, sieht die Trefferliste aus wie bei Microsoft Bing, nicht wie bei Google.
  • E-Bookreader selbst bauen: The Open Book Project. »Books are among the most important documents of our culture, yet the most popular and widespread devices we have for reading — the Kobo, the Nook, the Kindle and even the iPad — are closed devices, operating as small moving parts in a set of giant closed platforms whose owners' interests are not always aligned with readers'.«
  • PeerTube ist eine selbst gehostete Videostreamingplattform im ActivityPub-Verbund, die P2P im Webbrowser nutzt.

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Das war Ausgabe #76 von THEFUTURE, dem Newsletter über das wilde Internet und die Zukunft der Medien von Ole Reißmann.

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