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Warum Steady? Warum ich? Und warum ich bei Steady?

von Ralf König

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Volk! Comiclesendes, treues Volk

Ich habe lange gezögert, das hier zu mitzumachen und zu formulieren, irgendwas daran ist mir knirschend peinlich, aber andere Künstler und Zeichnerkollegen raten mir zu und selbst Leser meiner täglichen Facebook/Instagram-Comicstrips boten es mir an: Also! *hüstel* Ja, wer das möchte, kann mich und damit meine Comics unterstützen, nicht nur mit Applaus, auch finanziell. Macht man heutzutage so, wird mir versichert. Ich bin, was neue Medien angeht, tiefenphilosophisch um einiges hinterher. Aber auch ich bemerke die neuen Zeiten und die sind, wie wir merken, nicht immer erfreulich.

Lesungen

Wir spüren alle die kulturell erschöpfenden Folgen der langen Corona-Ausbremsung. Ich hatte am 19. Januar 2020 im Berliner BKA-Theater die umjubelte Premiere meiner Jubiläums-Lesung ‚VIERZIG JAHRE SCHWULCOMIX’ (1980 erschien im Berliner Verlag Rosa Winkel mein erstes Heftchen) und wollte damit frischforsch auf Tour gehen, mit zwanzig, dreissig Stationen! Im März klappte dann das Virus die Theaterstühle hoch. Die Lesungen fallen seitdem fast komplett weg oder finden nur online statt (nicht erbaulich, allein auf der Bühne zu stehen und ohne Publikumsreaktion eine Webcam zu bespaßen). Oder die Events sind, wenn sich doch mal hier und da ein Veranstalter traut, wegen der Abstandsregeln und Maskenpflicht nur mäßig besucht. Diese Comiclesungen waren ein zweites Standbein in Zeiten, in denen auch der Buchhandel knirscht. Ich stehe zwar im Vergleich als einer der wenigen Comicautoren in Deutschland noch ganz gut da, aber die 90er Jahre mit den damaligen Auflagen sind auch bei mir lange perdu.

Unabhängigkeit

Auch wegen Corona nutze ich allerdings ganz unerwartet die Reichweite des www. und poste nun in der zweiten ‚Staffel’ täglich auf Facebook und Instagram kleine Strips mit und um ‚Konrad & Paul’. Gerade jetzt (März 22, immer noch Corona und nun auch noch Putin) sind die Comics nicht nur mein kreativer Spaß, sondern auch Teil der Nervenschonung. Über die Nasen habe ich Kontrolle, die tun was ich will, sagen was ich will, und gucken, wie ich will. Hier bin ich der Autokrat, gut fürs Gemüt. Tatsächlich sprechen mir viele Leser und Leserinnen zu, die morgens den Laptop einschalten und es genießen, nur kurz nicht mit erschreckenden politischen Tagesereignissen konfrontiert zu werden, sondern mit Pauls Eskapaden mit haarigen Sexbomben und Konrads diesbezüglicher Engelsgeduld. Seit Anfang November poste ich also jeden Tag einen Comic, umsonst und in Farbe, und später gibt es daraus ein Buch - aber eben erst viel später.

Der schnöde Mammon

Darum wurde mir Steady von meinem erfreulichen Zeichnerkollegen Joscha Sauer ans Herz gelegt. Und Here I am! Das Prinzip geht so: Wer von Euch meint, dass meine Nasen irgendwann in den vergangenen 42 Jahren irgendetwas bei irgendwem bewirkt oder bedeutet haben, kann mich beim Stiftekaufen unterstützen, über den Buchverkauf hinaus. Oder es lassen. Auch ok, ich bin nach 40 Jahren dankbar über jeden und jede, der/die sich an den Comics erfreut. Ich könnte augenblicklich auch keine Special-Goodies für Unterstützer basteln, was z. B. Joscha und einige Kollegen tun. Ich habe mit den täglichen Strips mehr als reichlich am Bein und zeitweise zudem noch andere Projekte mit dringenden Abgabeterminen auf dem Tisch.

Warum

Aber es ist zu vermuten, dass mir so eine Unterstützung womöglich etwas Entspannung, Unabhängigkeit und Luft lässt für diverse Ideen und Buchprojekte, die vielleicht für eine breite Masse zu schräg wären. Oder zu pornografisch, zu derb, was auch immer. Ich bin von den alten kinky Underground-Comix geprägt und finde, Comiczeichnen ist immer noch ein bisschen Rock’n’Roll. Oder könnte es sein. Kann auch sein, dass ich bereits über 60 bin, so steht‘s jedenfalls in meinem Personalausweis, aber so richtig würdevoll will ich noch nicht altern. Da darf/kann/soll noch was kommen, und wer dabei sein will, kann jetzt den Stinkefinger heben und ohne schlechtes Gewissen weiter gratis online lesen und meine Bücher kaufen… und/oder eben diese Steady-Möglichkeit erwägen.

So sieht's aus

Von ein paar wenigen Euro monatlich bis zur Überweisung von Hundertausenden Abermillionen ist alles beliebt. Ok, nun ist es raus. Stöhn. Ist schon ein bisschen wie ‚Haste mal’n Euro?‘ Wieget es in Euren Herzen, so oder so, lest Comics, kauft Comics, nicht nur meine, aber vor allem meine, bleibt steif oder geschmeidig und verliert nicht den Humor! An den lohnt es sich nämlich zunehmend zu klammern. Lasst den Humor nicht entwischen!

Danke Euch und gute Grüße, Ralf