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prompd-Newsletter | 05.22

Vielleicht haben Sie sich schon gewundert, wo der versprochene prompd-newsletter für den Mai bleibt. Hier nun kommt er, etwas verspätet, zugegeben, aber dafür mit wirklich neuem Input. Sieben Blips, ausgewählt aus einer Unzahl an News, kurz und knackig aufbereitet.

Übrigens: Der erste prompd-Reader wird Mitte Juli erscheinen! Wir sind schon mitten in der inhaltlichen Arbeit. Im nächsten Newsletter erfahren Sie dann mehr über Themen und wie Sie den Reader abonnieren können. Und demnächst finden Sie auch die Nullnummer auf unserer Website zum Download – damit Sie sich ein erstes Bild machen können, wie der Reader aussehen wird. Sie können also gespannt sein (wir sind das übrigens auch…).

Bleiben Sie gesund und inspiriert. Herzlichst Ihr

Armin Scharf

Frühere Newsletter verpasst? In unserer Backlist finden Sie natürlich alle bisherigen Newsletter.

Und noch eine Bitte: Schicken Sie den Newsletter doch weiter, wenn der Inhalt Sie überzeugt (was wir hoffen). Abonnieren lässt sich der Newsletter übrigens direkt hier.

BLIP 1 | MEDIZIN

Pflaster mit aktiver Entzündungsbremse

Die beiden Labore „Biointerfaces“ und „Biomimetric Membranes and Textiles“ der schweizerischen Empa arbeiten derzeit an einem Wundverband, der selbstständig Entzündungen erkennt und dann antibakterielle Medikamente ausgibt. Das Team um Fei Pan und Qun Ren nutzt dafür einen Polymerverbund aus PMMA und dem bioveträglichen Eudragit. Per Elektrospinnen erzeugen sie eine Membran aus Nanofasern in die dann das Desinfektionsmittel Octenidin eingekapselt wird. Als Trigger für die Octenidin-Freigabe dient die lokale, durch die Entzündung hervorgerufene Erwärmung der Wunde. Übersteigt diese die einstellbare Glasübergangstemperatur der Membran, erweicht diese und entlässt den Wirkstoff. Sinkt die Temperatur, dann bleibt das Octenidin wieder in der Membran, dieser Wechsel kann sich bis zu fünf Mal wiederholen. Der große Vorteil: Wirkstoff wird nur dann gegeben, wenn es medizinisch notwendig ist.

Das Team ist nun dabei, weitere Experimente mit anderen Infektionserregern zu starten. Außerdem arbeitet man daran, flüssige Sensoren in Verbände zu integrieren, die durch Farbumschlag einen schlechten Heilungsverlauf signalisieren.

www.empa.ch

Foto: Empa

BLIP 2 | INTERFACE

Sicherer stapeln dank AR

Gabelstapler leiden an einem unauflösbaren Dilemma: der funktional notwendige Hubmast versperrt die Sicht gerade dort, wo sie besonders nötig wäre. Nicht nur deshalb soll es allein in Deutschland jährlich um die 10.000 Unfälle mit Staplern geben. Im Rahmen des Projektes „Visier“ entwickelten Forscher nun ein AR-System, das eine virtuelle, uneingeschränkte Rundumsicht produziert. Entsprechend am Stapler montierte Kameras speisen Live-Bilder ein, die dann über eine AR-Brille den Staplerfahrer*innen eingespielt wird. Bewegungssensoren erkennen dabei die Blickrichtung und passen den Bildausschnitt dynamisch an.

Noch ist das System nicht marktreif, vor allem muss die Latenzzeit der Bildausgabe verkürzt werden. Dennoch könnte das Prinzip nicht nur die Sicherheit und die Arbeitsqualität verbessern, sondern auch andere Konstruktionen der Hubvorrichtungen ermöglichen.

Beteiligt an „Visier“ waren das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) und das Institut für Transport- und Automatisierungstechnik (ITA) der Leibniz Universität Hannover.

www.visier.iph-hannover.de

Foto: Teresa Grauten / IPH Hannover

BLIP 3 | IT-SICHERHEIT

Sichere Funknetze

Auch wenn drahtlose Datenverbindungen verschlüsselt sind, lassen sich aus den Hochfrequenzsignalen sensible Informationen gewinnen – zum Beispiel, ob sich Personen im Raum befinden. Dieses „Adversarial Wireless Sensing“ erschweren spezielle reflektierende Oberflächen, IRS genannt. Einen besonders effektiven Ansatz, der laut Angaben der beteiligten Forscher 95 Prozent der Angriffe verpuffen lässt, nennt sich IRShield. Dieses Verfahren nutzt Oberflächen mit reflektierenden Elementen, deren Reflexionsverhalten per Algorithmus zufällig veränderbar ist. Auf diese Weise werden die Funkkanäle so, das sich Bewegungen im Raum nicht mehr detektieren lassen. IRShield lässt sich per Plug-and-Play in bestehende Infrastrukturen integrieren und beeinträchtigt die eigentliche Datenübertragung der Funknetze nicht.

An der Entwicklung waren das Max-Planck-Institut für Sicherheit und Privatsphäre, das Horst-Götz-Institut für IT-Sicherheit der Ruhr-Uni Bochum und die TH Köln beteiligt.

www.mpi-sp.org

Foto: CASA, Michael Schwettmann

BLIP 4 | ROBOTIK

Sensibler Haftgreifer

Das Automatisierungsunternehmen Schunk bietet einen bionisch inspirierten Haftgreifer für Handlingroboter an. Das „Adheso“ genannte System adaptiert das Gecko-Prinzip auf und kann unterschiedlichste Objekte sanft und rückstandsfrei aufnehmen sowie ablegen. Die Oberfläche des padförmigen Greifers besteht wie ein Geckofuß aus feinsten Härchen, die Haftwirkung fußt auf Van-der-Waals-Kräften, die sich zwischen den Härchen und der molekularen Struktur des zu greifenden Gutes aufbauen. Da sich beim Anpressen des Greifers dessen Kontaktfläche vergrößert, verstärken sich in diesem Moment auch die Van-der-Waals-Kräfte. Auf diese Weise benötigt der Greifvorgang keinerlei externe Energiezufuhr. Das Lösen wiederum erfolgt durch Drehen, Kippen, Verschieben oder Abdrücken des Greifers vom Werkstück. Die Greifer sind skalierbar und für unterschiedlichste Materialien nutzbar, auch für Wafer, Folien, filigrane Metallteile oder poröse Bleche.

www.schunk.com/de

Foto: Schunk

BLIP 5 | WERKSTOFFE

Kühlender Schaum auf Holzbasis

In einem Verbundprojekt hat eine internationale Forschergruppe, zu der auch Kai Zhang von der Uni Göttingen und Christoph Gerhard von der HAWK Göttingen gehören, einen leichten Schaum entwickelt, der Sonnenlicht reflektiert, absorbierte Wärme abgibt und zugleich als thermisches Dämmmaterial nutzbar ist. Der Aerogel-Schaum besteht aus Zellulose-Nanokristallen, die mit einer Silanbrücke versehen und dann unter Vakuum bei tiefen Temperaturen getrocknet wurden. Durch Variation der Dichte des Schaumes lässt sich dessen thermisches Verhalten in einem gewissen Umfang einstellen.

www.uni-goettingen.de

Foto: Adapted from Nano Letters 2022, DOI: 10.1021/acs.nanolett.2c00844

BLIP 6 | GEDRUCKTE ELEKTRONIK

Leitfähige Hybridtinte

Am Leibniz Institut für neue Materialien ist es gelungen, leitfähige Tinten für Inkjetverfahren zu entwickeln. Neu an diesen Tinten ist, dass sie sofort leitfähig sind und keine thermische oder UV-Behandlung benötigen. Auf Goldnanopartikeln basierend, weisen die Tinten eine gute Biokompatibilität auf, ein geringer organischer Polymeranteil sorgt dafür, dass auch bei gebogenem Substrat die Leitfähigkeit erhalten bleibt.

Die Hybridtinten eignen sich für Sensoren, Touchscreens, biomedizinische Anwendungen oder Flächenheizungen.

www.leibniz-inm.de

Foto: INM

BLIP 7 | BESUCHEN!

Otl Aicher in Isny

Dieter Rams ist 90. Kurt Weidemann wäre 100, Otl Aicher ebenso. 2022 ist ein Jahr der Designer-Jubiläen. Wer sich Otl Aicher nochmals nähern will, dem sei ein Besuch in Isny ans Herz gelegt. Im dortigen Kurpark steht bis Ende Oktober das „aichermagazin“, ein schicker, temporärer Pavillon in minimalistischem Schwarz. Aus seinem Inneren lacht Aicher heraus, umgeben von seinen in den 1970er Jahren für Isny konzipierten Bildzeichen. Damals gab Aicher vom nahen Rotis aus der Allgäu-Stadt ein kompaktes Erscheinungsbild, zu dem eben auch die 136 Icons gehören. Wer nun spröde Grafik vermutet, dem sei gesagt, dass so manches Icon mindestens Schmunzeln lässt. Nicht, weil sie etwa Staub angesetzt haben, sondern weil man ein gewisses Maß an Witz dahinter erkennen kann. Eine Qualität, die heutigen Konzepten oftmals leider abgeht.

QR-Codes an den Icons verlinken zu Audios, die Geschichten über Isny und Aicher erzählen. Außerdem gibt es regelmäßig Führungen durch die Kuratorinnen und weitere Events.

www.isnyaicher22.de

Foto: Scharf

Und hier nochmals der Link zum Eintragen in die Newsletter-Liste.

Mehr über unser Projekt prompd.news finden Sie auf unserer Website.

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