Folge 18

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Etwas Altes: Sag nur (Gedicht) 

(2020)

Etwas Neues: Ein geniales Buch

Ich nenne Menschen ja grundsätzlich nicht genial, und auch das Urteil »Genial!« für eine Sache oder Erscheinung erscheint mir normalerweise irgendwie unangenehm 80s-Sparkassenwerbungs-cooltuend. Dennoch muss ich folgendes Buch genial nennen, weil es konzeptuell, inhaltlich, literarisch und wirkungsästhetisch einfach so perfekt ist, dass ich es nur genial nennen kann. Überdies hat es auch noch ein Nachwort, das ebenso genial erklärt, warum das so ist und wieso das Buch aus verschiedenen Gründen von jedem Menschen gelesen werden sollte, sogar von Menschen, die das Thema häusliche Gewalt potenziell triggern könnte. Man soll nicht vorgreifen, aber mit einiger Wahrscheinlichkeit ist das meine nachdrücklichste Leseempfehlung im #Indiesommer. Gut, dass CulturBooks immer wieder solche wichtigen Titel in deutscher Übersetzung bringen. Die englische Originalversion ist von 2017, die deutsche Übersetzung von Karen Gerwig ist 2020 erschienen. 

Meena Kandasamy, Schläge. Ein Porträt der Autorin als junge Ehefrau, übersetzt von Karen Gerwig, Hamburg: CulturBooks 2020

Etwas Geborgtes: Ein Zitat

»Die wichtigste Lektion, die ich als Autorin gelernt habe: Lass dich nicht von Leuten aus deiner eigenen Geschichte vertreiben. Sei gnadenlos, auch wenn es deine eigene Mutter ist.« 
Meena Kandasamy, Schläge. Ein Porträt der Autorin als junge Ehefrau, 15

Etwas Uncooles: Unnötig Diskriminierendes in literarischen Texten 

Ich habe letzte Woche noch ein anderes Buch gelesen, das ich siebzig Seiten lang richtig toll fand: sehr intelligent, sehr witzig. Im Geiste schrieb ich schon an meiner Empfehlung, sie wäre in Richtung »OMG, hätte ich das Buch nur schon gekannt, als ich mit Ende 20 ein halbes Jahr lang einer unmöglichen Beziehung nachtrauerte. Ich werde es fortan jeder nahen Person schenken, die obsessiv mit einer anderen beschäftigt ist.« Dann aber las ich auf Seite 71 einen Satz, der mich komplett aus dem Buch kickte. So ein deutschdeutsches Piefkeklischee über klimaabhängige Mentalität. Meine Konzentration war dahin, meine Begeisterung auch; beide erholten sich nicht mehr. Im letzten Teil des Buches dann noch ein Meer an Ableismen. Schade, denn alle diskriminierenden Vorstellungen und Formulierungen waren inhaltlich komplett verzichtbar. Wäre ihr Ziel gewesen, zu zeigen, dass die Erzählerin auch nicht die sympathischste Person ist, hätte es ein entsprechendes Framing gebraucht. 

An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Menschen in meinem Umkreis inklusive Twitter bedanken, die mich immer weiter sensibilisiert haben. Einen Vorwurf an Kolleg*innen, denen noch diskriminierende Sachen durchgehen, leite ich daraus ganz sicher nicht ab, denn ich bin sicher, dass ich selbst beim Lektorat auch noch nicht jede unnötige Ungerechtigkeit erkenne. Wir lernen gerade alle die ganze Zeit dazu. Geballten Unmut verdienen nur die, die so tun, als würden sie nicht dazulernen müssen.

Rubrikloses  

Am 9.7. ab 18 Uhr sprechen Nikola Richter (Mikrotext, Berlin), Sophia Rohwetter (&Shy Magazine, Wien) und ich im Rahmen der Tagung „Soziale Medien. Schreibweisen der Gegenwart nach der Digitalisierung“ online über Digital first? – Verlegen und Publizieren mit und auf sozialen Medien. Zuhören könnt ihr dann über diesen Link.

Es kann richtig unangenehm sein, wenn man als Publikum bemerkt, dass irgendwie alle auf dem Panel befreundet sind, aber nicht, wenn es komplett transparent aka konzeptuell ist. Asal Dardan hat mich als Moderatorin ausgewählt, und ich freue mich sehr auf das Gespräch am 13.7. um 20 Uhr, Link zum Livestream.

Die Coronazeit war für mich sehr arm, was messbaren Erfolg und Anerkennung anging. Das habe ich vor allem daran gemerkt, wie sehr ich mich aktuell über Lob fürs Hexenbuch freue – das Tweet-Lob von Teresa Bücker fand ich sogar ziemlich überwältigend. Danke!

Wegen hässlicher Steuernachzahlung heute aggressive Werbung. Hexenshirts (T-Shirt, Sweatshirt oder Hoodie) in verschiedenen Farben sind nur noch bis 9.7. bei Everpress bestellbar und danach in der Variante mit schwarzer Schrift mindestens drei Monate lang nicht. Bei Bedarf mehr Info im Twitter-Thread.

Hochkultur würde ich persönlich neu fassen: als Geburtstagsparty in Animal Crossing New Horizons. 

Guerlica

 

Zurück zu denen, die zählen und erzählen, was zählt, wir sehen uns in einer Woche wieder.

– Seid lieb, nur nicht zu Nazis.

FrauFrohmann

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