Ein herzliches Willkommen, liebe Impflinge in spe!

Neues aus der Welt: eine gemischte Tüte voller höchst relevanter und völlig nutzloser Informationen, sowie brillant formulierter, jedoch absolut belangloser Meinungen, bisweilen auch mit Hinweisen auf dieses und jenes. Und Katzen. Jede Woche frisch in Dein Elektropostfach, für gar nicht ganz viel Geld. Abgefüllt mit viel Liebe von Mario Sixtus und Lorenz Meyer.

Apropos:

"Was uns gerade präsentiert wird, ist eine intellektuelle Beleidigung an alle und keine Perspektive."

Damit ist allerdings nícht diese Dir hier vorliegende Rundum-Mail gemeint, sondern die Corona-Politik der Bundes- und der Länderregierungen. Melanie Brinkmann, Professorin an der TU Braunschweig und Beiratsmitglied der Gesellschaft für Virologie, hat das so knackig formuliert. Wir applaudieren.

Frau Brinkmann hatte bereits Anfang Februar vor Corona-Lockerungen gewarnt und eine konsequente Eindämmungsstrategie gefordert. Allerdings  fand sie bei der Politik kein Gehör - und einen Monat später stehen wir erneut am Rand eines Abgrunds, nur sind wir jetzt einen Schritt weiter: Das Robert Koch-Institut (RKI) hält es für möglich, dass wir Ostern höhere Fallzahlen als zu Weihnachten haben.

Woran das liegt? Unter anderem an Leuten wie diesen, die einen daran zweifeln lassen, ob die Menschheit noch eine Zukunft verdient hat oder ob ein schnelles Aussterben des Homo Sapiens die beste Lösung für alle wäre.

https://twitter.com/ER_Bayern/status/1370770352859648009?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1370770352859648009%7Ctwgr%5E%7Ctwcon%5Es1_c10&ref_url=https%3A%2F%2Fpublish.twitter.com%2F%3Fquery%3Dhttps3A2F2Ftwitter.com2FER_Bayern2Fstatus2F1370770352859648009widget%3DTweet

Apropos Mitte: Hast Du im Supermarkt mal das Senfregal genauer studiert? Im Durchschnitt findest Du dort dreihundertreiunddrölfzig Sorten Senf, von denen eine einzige Variante süßen Geschmack besitzt (immer irgendwas mit blau-weißen Karos auf dem Etikett), und dann noch “Löwensenf”, der extrascharf ist. Alle übrigen dreihunderteinunddrölffzig Sorten Senf sind “mittelscharf”, sie sind das Gewürzäquivalent der Mutlosigkeit, und es gibt so viele verschiedene Modelle davon, weil Deutsche sich so gerne als Individualisten fühlen, wenn sie gerade wieder mal besonders leise nirgendwo anecken. 

Das gleiche gilt übrigens für die Käsesorten in den Kühlregalen, die in der allergrößten Mehrheit deutscher Konsumangebote aus Überzeugung “mild” sind (“würzig” sind allein die wilden Exoten, die gerade noch einreisen durften, quasi die Punkrocker unter den fermentierten Drüsenprodukten, bei denen man nie weiß, ob sie nächste Woche noch im Angebot sind oder auf ein absaufendes Flüchtlingsboot ausgelagert wurden). 

Und das sagt 1) etwas über die Lüge, Kapitalismus, Marktwirtschaft und der ganze Quark sorge für echte Vielfalt, und 2) sehr viel über Deutschland, die Deutschen und ihre Radikalität der Mitte. Denn nicht nur bei Senf und Käse lieben Kartoffeln die risikolose Geschmacklosigkeit - auch bei allen Ideen, die nicht schon im Kindergottesdienst oder im Politikunterricht der fünften Klasse in ihrem Verstand ein Reservat namens “Normalität” gründeten, oszilliert der Alman zuverlässig zwischen ängstlich und kritisch. 

Digitalisierung, Transmenschen, Gesichtsmasken, autofreie Innenstädte, vegane Würstchen, schwarze Deutsche, Enteignung von Wohnungskonzernen, extrastarker Espresso, Grünflächen statt Parkplätze: All das gilt Deutschländern als nicht normal, mithin als böse, als extrascharf, als würzig, kurz: als gefährlicher Extremismus. 

Das Erstaunliche daran: Alles Nicht-normale, Abnormale, Schwule, Ausländische, Kranke, Obdachlose etc. aus der Gesellschaft zu kicken, hingegen die Mitte, die in der Norm liegende weiße Familie, vulgo: das Normale zu Idealisieren, dieses Konzept hat sich vor knapp 100 Jahren schonmal als ausgesprochen schlechte Idee erwiesen. 

Die Mitte wird uns auch dieses Mal nicht schützen vor dem Extremismus der Normalitären. Löwensenf wird uns schon eher helfen! Und Punkrock und extrastarker Espresso!

Apropos Extremismus: Julian Reichelt, der triebige “Bild”-Chef sieht sich mit einer so genannten Compliance-Untersuchung im eigenen Laden konfrontiert. Es geht um "wiederholtes Fehlverhalten gegenüber Frauen", "Nötigung und Mobbing" sowie "Machtmissbrauch und die Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen". 

Mittlerweile habe Reichelt bei Springer angeblich selbst um seine Freistellung gebeten. Sagt Springer. Also Bild. Und was sagt man über Bild? Weiß es jemand? Die Klasse? Ja, Pixabay? 

Danke!

Wir fordern ja auch schon etwas länger:

https://twitter.com/sixtus/status/1115162888086401024

Trotz des Ernstes der Lage (rettet dem Genetiv) hat der Springer-Konzern in seiner offiziellen Stellungnahme gleich zwei Late-Night-Show-Opener-esque Saalbrüller mitgeschickt:

"Axel Springer hat immer und sehr grundsätzlich zu unterscheiden zwischen Gerüchten, Hinweisen und Beweisen."

Und:

“Auf Basis von Gerüchten Vorverurteilungen vorzunehmen, ist in der Unternehmenskultur von Axel Springer undenkbar.” 

Wir verneigen uns vor einem Konzern, der so albern mit seinem eigenen Ruf umgeht.

Interims-Vorsitzende der "Bild"-Chefredaktion ist nun übrigens Alexandra Würzbach, bei welchiger sich der Eine oder die Andere vielleicht noch an die "Borer"-Affäre erinnern werden. 

Wobei Ihr uns nen Vogel zeigen würdet, wenn wir Euch die Geschichte erzählen würden! Aber sie ist wahr!

Anfang April 2002 berichtete Würzbach als damalige Gesellschaftskolumnistin von Blick in einer Titelreportage des SonntagsBlick von einer angeblichen, in Wirklichkeit aber frei erfundenen Liaison von Thomas Borer, damaliger Botschafter der Schweiz in Deutschland, mit der Visagistin Djamila Rowe. Borer schied auf Grund der Berichte – einer Versetzung zuvorkommend – auf eigenen Wunsch aus dem Staatsdienst aus. Einige Monate später kam heraus, dass Rowe vom Blick 10.000 Euro für eine falsche Aussage erhalten hatte. Rowe sprach von „enormem psychischen Druck“, der auf sie ausgeübt worden sei, „sie sei von […] Würzbach ‚massiv unter Druck gesetzt‘ und zu Falschaussagen gezwungen worden.“Blick-Verleger Michael Ringier entschuldigte sich im Juli 2002 öffentlich beim Ehepaar Borer-Fielding, der Ringier-Verlag musste nach einem außergerichtlichen Vergleich Schmerzensgeld von über einer Million Schweizer Franken zahlen. Auch an die Superillu musste Ringier Schadensersatz zahlen: Würzbach war damals unter dem Vorwand, für eine Reportage über Ostdeutschland zu recherchieren, ins Archiv der Superillu eingedrungen und hatte von der Illustrierten 1992 veröffentlichte Nacktfotos Rowes heimlich abfotografiert. Blick-Chefredaktor Mathias Nolte, dessen Stellvertreter Ralph Große-Bley (Würzbachs Ehemann), sowie Alexandra Würzbach mussten den Blick verlassen. Die Neue Zürcher Zeitung bezeichnete Würzbachs Reportage als „Schmierenstück“, das sie „mit perfidem ‚Textdesign‘ und skrupellosen Verhörmethoden“ angerichtet habe.

Apropos Vakuum: Dem ewige Looser und marktliberalen Black-Rocker Friedrich Merz ist auf Twitter eine mindestens dreieinhalbfache Gedanken-Pirouette gelungen:

https://twitter.com/_FriedrichMerz/status/1370716164624629760

Die armen CDU-Abgeordneten, die sich haben schmieren lassen müssen, sind in Wahrheit also OPFER der DEUTSCHEN STAATSWIRTSCHAFT! Mit MEHR MARKT, hätten die gedemütigten und zur Korruption praktisch gezwungenen Unionspolitiker IHRE HÄNDE NIEMALS AUFGEHALTEN! Oder was genau plappert der Mann da?

Wir empfehlen Merz darüber hinaus einen Ausflug in die USA, wo der Markt sich um die Gesundheit kümmert. Wer dort chronisch krank ist, hat verloren im Spiel des Lebens. Obszöne Medikamentenpreise, absurd hohe Behandlungskosten, unbezahlbare Therapien.... Das Resultat ist ein Gesundheitsdarwinismus, bei dem eigentlich beherrschbare Krankheiten oft das Todesurteil bedeuten.

Und dann war da ja noch die Sache mit der "Ehrenerklärung"

... Nach der sogenannten "Maskenaffäre" hatte die Union ihren Abgeordneten und Abgeordnetinnen die verbindliche Zusage abgerungen, während der Corona-Krise kein Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben, als sie sich für die Bürger*innen um die Besorgung von Masken und andere notwendige medizinischen Hilfsmitteln kümmern sollten.

Nochmal: WIR HABEN EINE PANDEMIE UND CDU-ABGEORDNETE LASSEN SICH VON LIEFERANTEN SCHMIEREN ODER VERMITTELN ÜBERTEUERTE MASKEN. Also, beziehungsweise dass sie das nicht tun, das sollten sie extra und ausdrücklich erklären. Was zum Fick?! 

Was heißt überhaupt "Ehrenerklärung"?! Wer verrät der CDU dass wir im 21. Jahrhundert und in einem Rechtsstaat leben, und dass wir das Konzept "Gesetz" auch deshalb erfunden haben, um solch archaisch-männerbündlerische Versprechenskultur endlich los zu sein?!

Und überhaupt: 

https://twitter.com/kattascha/status/1369896947012800512

Möglicherweise steht das C in CDU ja gar nicht für cäuflich, sondern für corrupt? Und war da nicht schonmal was mit CDU und Ehrendings? 

Apropos Bowlingkugel:  Hier ein cineastisches Meisterwerk in anderthalb Minuten. Bei "Right Up Our Alley" fliegt Ihr an Bord einer Drohne durch ein Bowlingcenter in Minneapolis und das ist atemberaubend-spektakulär, sensationell-famos. Mindestens!

https://www.youtube.com/watch?v=VgS54fqKxf0

Empfehlt uns weiter! Und wenn Ihr schon keine Drogen von uns kauft, dann schließt ein Bezahl-Abo ab! Wir haben noch Großes vor!

Vielen Dank und beste Grüße aus der Neuen Welt

Mario & Lorenz

Verwendete Quellen und Lesehinweise:

Zu Melanie Brinkmann:

»Der Wettlauf ist längst verloren. Es wird kommen wie in England« (spiegel.de €, Jürgen Dahlkamp & Rafaela von Bredow)

Virologin Brinkmann „Wir haben keine Strategie, um eine dritte Welle zu verhindern“ (ksta.de, €, Joachim Frank)

Robert Koch-Institut legt düstere Prognose für Ostern vor (spiegel.de, Nina Weber) 

Zu Jens Spahn:

Wie Jens Spahn einen alten Freund in einen Top-Job holte (tagesspiegel.de, Jost Müller-Neuhof)

Spahn will Presse-Auskünfte aus Berliner Grundbüchern einschränken lassen (tagesspiegel.de, Jost Müller-Neuhof) 

Zu Julian Reichelt:

Interne Ermittlungen gegen »Bild«-Chefredakteur Reichelt (spiegel.de, Isabell Hülsen, Alexander Kühn, Martin U. Müller und Anton Rainer)

»Vögeln, fördern, feuern« (spiegel.de €, Isabell Hülsen, Alexander Kühn, Martin U. Müller und Anton Rainer)

Stellungnahme der Axel Springer SE zum laufenden Compliance-Verfahren in der BILD-Redaktion (axelspringer.com)

Zu Alexandra Würzbach: 

Wikipedia-Eintrag Alexandra Würzbach (siehe "Borer-Affäre")

Zu Friedrich Merz:

Hat Friedrich Merz wirklich zwei Flugzeuge? (stern.de, Hans-Martin Tillack)

Twitter-Kommentar

Zur Ehrenerklärung:

Unionsabgeordnete geben Ehrenerklärung ab (tagesschau.de)

Zur sogenannten Maskenaffäre:

Lokalblatt von CDU-Politiker Hauptmann: Personenkult wie früher (taz.de, Pascal Beucker)

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