Wer bist du?

Was bedeutet Identität für dich und wie frei bist du in der Wahl, wer du "wirklich" bist? Worauf beziehst du deine Identität? 

Der Duden schreibt Identität folgende Inhalte zu:

»Echtheit einer Person oder Sache; völlige Übereinstimmung mit dem, was sie ist oder als was sie bezeichnet wird.« 

Oder

»Als "Selbst" erlebte innere Einheit der Person.«

Oder als 

»Völlige Übereinstimmung mit jemandem, etwas in Bezug auf etwas; Gleichheit.« *

Für mich hört sich das nach sich wiedersprechenden und vor allem nach unterschiedlichen Definitionen an. Hier werden verschiedene Identitäten beschrieben, mit denen wir jonglieren und versuchen, sie in uns unter einen Hut zu bringen. Können wir möglichweise überhaupt erst aus dem Spannungsfeld dieser scheinbaren Ambivalenzen unsere wahre Identität herauskristallisieren? 

Hast du eine innere Identität und eine äußere Identität? Machst du einen Unterschied zwischen deiner sozialen Identität und dem Wesen, das du bist, wenn um dich herum nur Bäumen sind? Wie bezieht sich deine Identität auf dein Geschlecht, deine sexuelle Orientierung, deine Familie, deine Lebensgeschichte und Erziehung oder auf deinen Beruf? Wie beziehst du dich auf deine Körperempfindungen, Erinnerungen, Emotionen und die daran geknüpften Werte? Ich frage mich, ob eine Identität unabhängig von unserer Geschichte und Herkunft überhaupt aussieht.

Wie verbunden oder wie getrennt empfindest du deine innere und äußere Identität? Gehst du von einer freien Wahl deiner Identität aus, unabhängig von äußeren Zuschreibungen? Und wieviel Freiheit braucht dein inneres Erleben, um sich seiner Empfindungen und Emotionen überhaupt bewusst zu sein?

Fragen über Fragen.

Als Menschen und als soziale Wesen, bewegen wir uns im ständigen Spannungsfeld von individuellen und kollektiven Bedürfnissen. Und so oft ist völlig unklar, welchen Bedürfnissen wir gerade folgen und warum. Klarheit über unser Verhalten, bedarf eines ehrlichen Kennenlernens unserer Selbst. Und dieses Kennenlernen bringt fast immer mit sich, dass Anteile unserer scheinbar etablierten Identität sterben müssen. 

Einem persönlichen Kennenlernen haftet schnell der schale Beigeschmack von luxuriösem Egoismus an. Eine Eigenschaft, mit der sich kaum ein wake Mensch schmücken mag. Wir möchten viel lieber solidarisch, mitfühlend und Teil einer Gemeinschaft sein. Sei es auf Social Media oder im Freundeskreis. Für diese Zugehörigkeit opfern wir dann unsere kostbaren Eigenheiten und behalten schon lange unpassende Rollen bei, wie wir es mit zu engen Klamotten niemals tun würden.

Ich denke, dass jedoch genau das Kennenlernen und das Pflegen unserer Eigenheiten zu Zugehörigkeit und zu einer inneren Einheit führen können. Eine Einheit, die Widersprüchlichkeiten und Chaos beinhaltet und lebt. Diese innere Vereinbarung und Kohärenz kann nur von uns selbst gemacht werden, wenn sie für uns stimmig sein soll. Dabei müssen alte Vereinbarungen mit unseren Eltern, mit anderen Menschen und mit uns aufgelöst werden. 

Wie spürst du deine körperliche Identität? Deine Beine, deinen Rücken, deine Arme, dein Gesicht? Spürst du Kribbeln, Vibrieren, Wärme, Kälte, Spannungen, Schmerz und Taubheit? Wo? Wie sehr achtest du auf deine Empfindungen als DEN instinkthaften Kompass schlechthin? Wie sehr vertraust du deinem Körperwesen, das alle Wesen sehr genau wahrnimmt und spürt und gleichzeitig innerhalb der eigenen Hautgrenzen für sich steht? Inherhalb deiner Haut treffen sich Widersprüchlichkeiten und die ganze Welt. Das ist viel und das ist lebendig.

Aus deiner Körperlichkeit heraus, erschaffst du die Identität, die du sein möchtest. Ohne wenn und ohne aber. Das ist nicht the Secret, sondern radikal ehrlich. Auf unsere radikale Empfindsamkeit, die uns zeigen möchte, wer wir sind. Und die alles verkörpert, innen und außen und jenseits aller sozialen Vereinbarungen.

Ich lade dich ein, den Tag über immer mal wieder für einen kurzen Moment bewusst deinen  Körper zu spüren. Deine Beine, deine Arme, deinen Rücken, deinen Nacken, deine Atmung, deine Zähne und deine Haut. Was erzählen dir deine Körperempfindungen über die Erfahrungen und Begegnungen, die du machst und über dich?

 Das Unbekante steht uns immer offen -

Katrin

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