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Sternregendach

Kurz vor dem Ende meiner Schulzeit machten wir einen Ausflug. Es ging in die große Stadt. Zum Botanischen Garten. Herr Krüger, unser Lehrer, führte uns stundenlang durchs Gelände. Zeigte uns die Rosenbeete. Das Farntal. Die Gewächshäuser. Die Pflanzenklasse. Erklärte alles. Ganz genau! So viele Namen! Und dann noch in Latein! Ich fand es trotzdem schön. Obwohl ich nur wenig verstand. Spannend war es besonders in den Tropen. Im Regenwald. Wo es von selbst regnet. Also nicht nur vom Himmel.  Aus den Wolken. Sondern in sich selbst. Herr Krüger nannte ein Wort, das so ähnlich klang wie diese Dosenmilch, die Großmutter nur sonntags in ihren Kaffee tröpfeln lässt, weil sie so teuer ist. Ich habe es wieder vergessen. Aber nicht den Regenwald. Denn ich habe ja auch einen. Mitten in meinem Kopf. Das habe ich an jenem Tag erkannt. Verstanden. Sind doch die Bilder, das Licht, die Sterne wie Regentropfen, Hagelkörner, Schneeflocken. Die durch meine Augen in mich hinein regnen, hageln, schneien. Wenn sie schließlich drin sind, lagern sie sich zunächst unten ab. Und dann fange ich an, über sie nachzudenken. Das ist anstrengend. Das macht Arbeit. So dass es in meinem Kopf warm wird. Richtig heiß sogar. Wie bei dem Motor von einem Auto oder Trecker. Nun verdampfen die Bilder, das Licht, die Sterne. Steigen auf. Können aber nicht raus, aus meinem Schädel. Da ist ja oben ein Dach drauf. An das sie stoßen, um wieder herunterzupurzeln. Als Regen, Hagel, Schnee meiner Erinnerung. So bleiben sie auf immer in mir. Ein ewiger Kreislauf, der …

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