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Leider Steil #6: Fridays for Future Hannover macht plötzlich einen auf JU München Nord!

Wolfgang hat einen Facebook-Beitrag veröffentlicht, in dem er sich über den Vorfall im Vorfeld zu Fridays for Future auslässt. Was war passiert?  Nun, der Künstlerin Ronja Maltzahn wurde (aufgrund ihrer Dreadlocks) der Auftritt bei der FFF-Veranstaltung gestrichen. Inklusive einer unglaublich naiven, unfassbar arrogant-eitlen, scheinbar moralisch integren, aber im Kern faulen, weil intellektuell unaufrichtigen Begründung.  Und während das Dennis dazu veranlasste, diese Folge spontan aufzunehmen, lieferte Wolfgang mit seinem Facebook-Posting dazu direkt die steile These; nämlich die, dass die FFF Hannoveraner der Jungen Union München Nord ähneln. Nur in auto-aggressiv.  Hier Wolfgangs Beitrag in Gänze:  FFF Hannover macht jetzt also einen auf JU München Nord, bloß in auto-aggressiv. Soweit, so dumm, so erkennbar 18-jährig. Und so erwartbar die öffentlichen Reaktionen, bis hin zur häufigen Weglassung "Hannover", um den Vorgang Greta höchstpersönlich in die Schuhe zu schieben. Wir lernen es nicht. Auf keiner Seite. Es sollte ja nicht sehr schwer zu begreifen sein, dass eine identitäre Linke, die das Spiel der Identitären Rechten mitspielt, letzten Endes einen neuen Faschismus mit hervorbringen wird: die klare Trennung der Kulturen, um umso leichter ein "Anderes" und damit einen Feind beschwören zu können - und darüber Kriegsgründe zu liefern. Ich denke nicht, dass dies die Absicht der Hannoveraner Teenager ist. Kulturen kommen und gehen, vermischen sich, hinterlassen ihre Spuren oder nicht.  Es gibt für sie ebenso wenig eine Ewigkeitsgarantie oder einen Patentschutz wie für unser individuelles Leben oder auch nur die Existenz der Art Mensch. Aus den Worksongs schwarzer Sklaven in den USA (die wiederum ihre eigenen musikalischen Traditionen aus vielen verschiedenen Teilen Afrikas mitgebracht hatten) wurde der Blues, der heute an der Wurzel fast der gesamten Popmusik steht. Er vermischte sich mit anderen US-amerikanischen Folk-Traditionen und schuf so den Rock'n'Roll. Die Vermischung mit europäischer Klassik brachte den Jazz hervor. In England entdeckten den Blues ein paar Mittelklasse-Kids und entwickelten ihn weiter. Das war der Urknall, der zu allen heute gängigen Pop- und Indiemusikrichtungen führte. Fun Fact: Als eine der wichtigsten Inspirationen für die Entwicklung des HipHop gilt die Düsseldorfer Band "Kraftwerk". (1)  Ohne die sogenannte "kulturelle Appropriation" wäre das nicht möglich gewesen. Der Begriff selbst ist aber nur ein negatives Framing für einen Vorgang, der die Menschen überhaupt erst von den Bäumen heruntergeholt hat: kulturelles Lernen, Austausch und Weiterentwickeln. "Kulturelle Appropriation" ist für den kulturellen Austausch, was "Selbstbeschmutzung" für die Masturbation ist: die Diffamierung eines natürlichen und heilsamen Vorgangs. Oder, um es ein wenig auf die Spitze zu treiben: Wenn afrikanische Menschen heute Hosen tragen (wahrscheinlich eine Entwicklung asiatischer Reitervölker) und Autos fahren, warum darf eine europäische Frau dann keine schwarze Frisur abkupfern? Wer will da überhaupt wo die Grenze ziehen? Und warum? Warum sollte die Rastafrisur einer jungen Sängerin etwas anderes sein als ein Zitat, eines, das jeder versteht zumal. Warum muss man gleich Ausbeutung unterstellen? Was verdient sie denn daran? Und wem in Jamaica nimmt sie dieses Geld weg?  Nein, wir reden hier nicht von der Verschleppung antiker Kunstwerke in europäische Museen und andere an den bis heute fortgeführten Kolonialismus gebundene Verbrechen, die jedes europäische Strafgesetzbuch auch klar als Verbrechen definiert. Wir reden hier nicht von der Massenproduktion klischeebesetzter Folkloreware, von der Ausbeutung kultureller Identitäten. Die gibt es, und die sind widerwärtig. Da muss man nicht mal bis Jamaica reisen. Wer je auf einer der zahllosen Oktoberfestkopien war, weiß das. Es geht um Verstehen, Austausch und Lernen. Es geht um die Vermischung von Identitäten, um der individuellen Identitätsfindung einen größeren Spielraum zu geben und so toxischen nationalen Identitäten den Spielraum zu nehmen. Wo der Einzelne viele Möglichkeiten hat, ist der Zwang geringer, sich einer nationalen anzuschließen. Gerade heute sollte evident sein, warum das erstrebenswert ist. FFF Hannover besteht, mutmaße ich, aus einer Gruppe wohlmeinender, überwiegend weißer und gemessen an ihrem Alter nicht übermäßig dummer Mittelklassekids. Die meisten von ihnen werden in wenigen Jahren wissen, was für einen grandiosen Mist sie da gebaut haben. Einer ihrer Lehrer sollte ihnen - um den Prozess zu beschleunigen - mal erklären, wo die Musik herkommt, die sie täglich hören, die Klamotten, die sie tragen und die Ideale, in deren Namen sie glauben zu sprechen. Jedenfalls nicht aus Deutschland.  Und der Rest von uns sollte sich mal daran erinnern, wie kreuzdämlich man selbst war mit 18 Jahren. Und wieder abregen.  (1) https://www.laweekly.com/the-best-hip-hop-songs-sampling-kraftwerk/?fbclid=IwAR1azdLKuR_zh3ngB-M3dI6X2TjUHrhY79LW2Tb0YQ3qposKdTfX8_PZ6KY

https://letscast.fm/sites/leider-steil-a21b240c/episode/leider-steil-6-fridays-for-future-hannover-macht-ploetzlich-einen-auf-ju-muenchen-nord

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