Foto: Karolin Rögner

Liebe Anna, Mein Sohn ist 18 Monate alt. Ich versuche, eine Ja-Umgebung zu schaffen, aber alles geht einfach nicht und irgendwie denke ich auch, dass er ein paar Regeln bzw. das Wort "Nein" kennen sollte. Wie setze ich das am besten BO um? Ich habe oft das Gefühl, er weiß ganz genau, dass er meine Aufmerksamkeit bekommt, wenn er was "anstellt"! Er guckt dann oft zu mir, schüttelt den Kopf, sagt "Nein nein" und macht es trotzdem! Liebe Grüße, Aino*

Hallo liebe Aino*, Vielen Dank für dein Vertrauen. Eine Ja-Umgebung zu bieten ist auf jeden Fall total super für Kinder. Das heißt aber nicht, dass du nie Nein sagen darfst. Es geht einfach darum, dass du nicht ständig Nein sagen musst - dann wird das Nein nämlich auch viel besser verstanden. Also du hast ganz Recht - natürlich sollte er ein Nein kennen. Dieses Verhalten, dass er absichtlich etwas macht und zu dir schaut, ist sehr typisch für das Alter. Er probiert sich natürlich aus. Er möchte gern wissen, ob Regeln immer gelten. Und er sucht den Kontakt mit dir. Vielleicht stellt er auch gerade dann etwas an, wenn du gerade beschäftigt bist? Du kannst versuchen, dich bevor du etwas machen musst besonders intensiv mit ihm zu beschäftigen. Ihr spielt erst etwas und dann sagst du „Ich möchte jetzt… machst du mit?“. Es fällt Kindern oft leichter, sich selbst zu beschäftigen, wenn ihr „Beziehungstank“ gefüllt ist. In den konkreten Situationen, wenn er etwas macht, das er eigentlich nicht soll und nach dir schaut, möchte er wahrscheinlich vor allem gern eine Reaktion von dir haben. Wie reagierst du denn dann? Lachst du? Schimpfst du? Unterschiedlich? Probier es mal aus, zu ihm hinzugehen und zu sagen „Du hast recht, die Vase kann kaputt gehen. Die lassen wir hier stehen.“, dann nimmst du ihn auf den Arm und ihr geht aus dem Raum. „Lass uns lieber hier spielen.“ Oder wenn er an der Steckdose spielt, kannst du sagen „Genau! Nein, nein! Das ist gefährlich (wobei das Wort vielleicht nicht so gut gewählt ist - vielleicht was in Richtung „das macht aua“)“. Geh zu ihm hin, beobachtet zusammen, dann „lenke ihn ab“. Mach die Situationen nicht größer, als sie sind. Er weiß offenbar genau, was er nicht soll - trotzdem ist das natürlich spannend und je mehr du darauf eingehst, desto spannender wird es. Daher halte ich es bei Kleinkindern für am sinnvollsten, kurz darauf einzugehen, die Regel zu bestätigen und ihnen dann aktiv zu helfen, etwas anderes zu machen. Manchmal bestehen Kleinkinder auch darauf, etwas trotzdem zu machen, das ist dann oft ein Zeichen dafür, dass sie mehr Kontakt suchen. Auch da würde ich die Situation versuchen zu unterbrechen (indem du ihn auf den Arm nimmst) und dich eine Weile wieder etwas intensiver mit ihm zu beschäftigen, damit der „Tank“ wieder gefüllt ist. Mir hilft immer der Satz „Kinder machen nichts gegen uns, sondern für sich“. Er will dich nicht absichtlich ärgern, aber er sucht Kontakt, will die Welt verstehen und natürlich sucht er in gewisser Weise auch „Grenzen“, ohne dass das so negativ konnotiert sein muss, wie es oft durchklingt. Er ist fast 2. Er will die Welt verstehen. Das ist genau altersangemessen für einen Zweijährigen und man muss das gar nicht verurteilen oder als frech sehen. Unterstütze ihn dabei, sei aber klar, wenn etwas nicht geht oder gefährlich ist. Ich hoffe, das hilft dir etwas, Alles Liebe, Anna

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