Tarifeinigung zwischen Verdi und der TDL

Was steht drin? Was haben Applaus, Ehrenpflegas, Lavendelgate, Coronapandemie und die vielbeschworene Wertschätzung qualitativ bewirkt?

Arbeiten wir uns mal durch.

Ich habe lange überlegt, was ich vom Tarifergebnis halten soll. Letztendlich ist eine Tarifeinigung immer genau das: Eine Einigung. Keine Seite wird ihre Forderungen komplett durchgesetzt bekommen, letztendlich geht es darum, die eigene Zielgruppe möglichst kosteneffizient (AG-Seite), bzw. möglichst gewinnorientiert (Gewerkschaft) zu bedienen. Da zwei Positionen, die sich naturgemäß ausschließen, ohne Konsenswillen keine Einigung erzielen können, ist die einzige Frage, wie stark man der eigenen Position Gewicht verschaffen kann. Ich bin zu keinem Zeitpunkt davon ausgegangen, dass verdi die Ausgangsforderungen 100% wird erfüllen können. 

Um euch nicht mit meiner persönlichen Meinung zum Ergebnis zu beeinflussen, habe ich beschlossen, das Folgende rein auf Faktenbasis und ohne jede Subjektivität zu schreiben.

Fassen wir einmal die wichtigsten Ausgangsforderungen zusammen:

  •  5% mehr Gehalt, mindestens jedoch 150€
  •  Tabellenwirksames Plus von 300€ im Gesundheitswesen
  •  Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 100€
  •  Laufzeit von 12 Monaten
  •  Anpassung des Zeitzuschlags

Schauen wir einmal kurz gewerkschaftsunabhängig auf die durchschnittliche Situation der Pflege in Deutschland:

Eine Altenpflegekraft verdiente 2020 durchschnittlich 32.932€ (2744€/Monat), eine Krankenpflegekraft 38.554 (3212€/Monat)€. Um die u.a. vom Deutschen Pflegerat um Christine Vogler (neben anderen Entwicklungszielen) geforderten 48000€ im Jahr zu erreichen, wären also - Zulagen ausgeklammert - mindestens ein Gehaltsplus von ca. 1250€ in der Altenpflege und ca. 790€ in der Krankenpflege nötig gewesen. Das aber nur als Randinformation.

Was hat ver.di für die Pflegeberufe im öffentl. Dienst erreicht?

  •  Plus von 2,8% ab 12/22
  •  Steuerfreie Einmalzahlung von 1300€

ab 01/22:

  •  Erhöhung der Intensiv- und Infektionszulage on 90€ auf 150€
  •  Erhöhung der Wechselschichtzulage von 105€ auf 150€
  •  Erhöhung der "normalen" Schichtzulage von 60€ auf 90€
  •  Erhöhung der Zulage für Pflegende an Unikliniken von 125 auf 140€
  •  Laufzeit von 24 Monaten

Ausgehend von den aktuellen Listen de TV-L sind die genannnten 2,8% effektiv ca. 75€ mehr in der KR7 und 95€ mehr in der KR9. Abzgl. der Einkommenssteuer, versteht sich.

Nach Angaben von Ver.di kommt - durch die neue Zulagenregelung - eine in KR9 gestufte Intensivpflegekraft dadurch auf ein Monatsbruttoeinkommen von 4.078,23€.

Die (steuerfreie) Einmalzahlung kommt auf Basis der genannten Grundgehälter einer für auf ein Jahr befristeten "Erhöhung" von 3,2% in der KR9 (Stufe 3, Stufen 1 u. 2 gibt es nicht) und 4% in der KR7 (Stufe 1) gleich. Ab 12/22 greift dann die dauerhafte Erhöhung von 2,8%, bis 12/23 ein neuer Tarifvertrag verhandelt wird.

Auf Basis einer Vollzeitkraft auf einer Normalstation einer Uniklinik ist m.E. mit einem effektives Plus von ca. 180€ auf der Bruttoabrechnung zu rechnen. Wie viel davon am Ende bleibt, ist zwar von Entgeltgruppe und Steuerklasse abhängig, aber es dürften aufgrund der unversteuerten Zulagen mindestens 110€ sein.

Danke für's Lesen.

Abschließend: Gebt eure Einschätzung gerne in die Kommentare ein, ich halte mich aufgrund der Neutralität hier zurück.

Quellen:

https://unverzichtbar.verdi.de/++file++61a5031c233014c1da2acfcc/download/20211129_Flugblatt_3VHR_final.pdf

https://www.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++fe8e5b74-066d-11ec-871e-001a4a160129

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/196955/umfrage/jahresbruttogehalt-von-pflegepersonal-in-deutschland/

https://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/tv-l/kr?id=tv-l-kr&g=Kr_9a&s=1&zv=VBL&z=100&zulage=&stkl=1&r=&zkf=&kk=15.5%25

https://oeffentlicher-dienst.info/c/t/rechner/tv-l/kr?id=tv-l-kr&g=Kr_7a&s=1&zv=VBL&z=100&zulage=&stkl=1&r=&zkf=&kk=15.5%25

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