Bitte trinkt nie Grapefruitsaft, wenn ihr medikamentös eingestellt seit. 

Im Schlimmstfall kann das tödlich enden. Warum?

Zentral für das Problem ist ein bestimmtes Protein: Cytochrom P450, bzw. dessen Subtyp CYP3A4.

Dieses Protein bildet auch in diesem Thread den Kern der Analyse, denn es spielt eine große Rolle bei der Metabolisation (=dem Abbau) von Lebensmitteln und - natürlich - auch Medikamenten.

Es findet sich hauptsächlich in unserer Darmschleimhaut und in der Leber, wo es - was für uns relevant ist - in der Lage ist, Medikamente bis zu einem gewissen Punkt unwirksam zu machen, indem es sie zu unwirksamen Abbauprodukten verstoffwechselt.

Jetzt kommt der Clou: Die Medikamentenhersteller wissen das und sowohl Dosierempfehlungen der Hersteller und damit auch die Verordnung deines Arztes basieren auf der Gewissheit, dass nie die volle eingenommene Menge eines Medikaments zur Wirkung finden wird.

Die Menge Wirkstoff, die letztendlich wirklich in deinem Körper ankommt, nennt man "Bioverfügbarkeit".

Die Bioverfügbarkeit einzelner Medikamente ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, da jeder in seinem Körper im Vergleich unterschiedliche Mengen von CYP3A4 besitzt, die Ausprägung kann sich um den Faktor 8 unterscheiden.

Das ist aber nicht weiter schlimm, da diese Menge innerhalb eines Menschen konstant ist. Genetisch festgelegt, und so.

Kurzum: Du bist krank - Medikamente werden eindosiert - ein bestimmter Anteil geht "verloren" - Die Dosis wird so lange angepasst, bis die Wirkung dem Ziel entspricht.

Jetzt kommts: Bei diesen Medikamenten sind auch sogenannte "Spiegelmedikamente" dabei. Bei diesen Wirkstoffen richtet sich die eingenommene Dosis nicht nach "Schema F", sondern sie ist abhängig von dem Wirkstoffniveau in deinem Blut. Das muss ein vorher festgelegtes Niveau halten. Übersteigt es den Grenzwert, kann es zu Nebenwirkungen bis hin zu Vergiftungserscheinungen kommen. Ist der Wirkstoffspiegel zu niedrig, wirkt das Medikament nicht.

Rufen wir uns in Erinnerung: Es geht immer ein - bei jedem Menschen unterschiedlicher - Teil des eingekommenen Medikaments verloren. Die Wirkstoffadaption erfolgt unter Berücksichtigung dieses "Verlusts".

Doch was hat das jetzt alles mit Grapefruit zu tun?? Die ist doch gesund und so?

Nun ja. Grapefruit ist zwar gesund - aber nicht für alle. Das Problem sind die in einer Pampelmuse enthaltenen Furocumarine.

Diese sind in der Lage, die Aktivität von CYP3A4 in der Darmschleimhaut zu hemmen, sogar das Protein irreversibel zu inaktivieren - es muss erst neu gebildet werden.

Das führt dazu, dass nun statt der - normalerweise reduzierten Dosis - nun die nahezu volle Dosierung deiner Medikamente den Weg in deinen Blutkreislauf findet. Die Bioverfügbarkeit einzelner Substanzen wird relevant erhöht.

Je nach betroffenem Medikament steigt dadurch der Wirkstoffspiegel in deinem Blut um das Vielfache an und kann schlimmstenfalls sogar zu Leber-, und Nierenversagen führen.

Übrigens - um die Brücke zu Ritonavir zu schlagen - hemmt Grapefruit nur die CYP3A4 - Aktivität im Darm. Ritonavir gelangt in den Blutkreislauf und verfolgt das Ziel, die Aktivität in der Leber einzuschränken.

Nicht zu vergessen sind auch ProDrugs: Solche Medikamente, die in einer pharmakologisch unwirksamen Form eingenommen, aber durch den Metabolismus von CYP3A4 in eine aktive Form gebracht werden. Diese Medikamente verlieren durch die Kombination mit Grapefruit ihre Wirksamkeit.

Allerdings ist dieses Problem eher theoretisch und von kleinerer klinischer Bedeutung. Eines der Medikamente, die durch CYP3A4 aktiviert werden, ist jedoch Cyclophosphamid (Endoxan), eine Chemotherapie. Sie wird sowohl bei Tumor-, als auch bei Autoimmunerkrankungen angewendet und bei oraler Einnahme und dem Konsum von Grapefruit in ihrer Wirkung gehemmt werden. Nicht wünschenswert.

Ein dritter, ebenfalls vorhandener Effekt: Die in einer Grapefruit enthaltenen Furocumarine und aktiven Bioflavonide hemmen die Aktivität des "Organic Anion Transporting Polypeptide" (OATP). Dessen Aufgabe ist der Transport von Substanzen - und damit auch Wirkstoffen - in eine Zelle hinein. Werden sie gehemmt, können bestimmte Medikamente nicht mehr in die Zellen eingeschleust werden und verlieren ebenfalls an Wirkung. Das ist insbesondere bei bestimmten Antihistaminen wie Fexofenadin (Telfast) ein Problem - stell dir vor, du bist Allergiker und deine Medikamentation wirkt nicht mehr.

Einige Stunden Abstand zwischen Saft und Medikamenteinnahme reichen übrigens nicht aus. Die irreversible Hemmung von CYP3A4 tritt nach etwa 4h ein und dauert mindestens 24h bis mehrere Tage an. (Quelle: Pharmazeutische Zeitung, 1.8.2005)

Liste, welche Medikamente so gar nicht mit Grapefruit eingenommen werden sollten (Quelle: Gelbe Liste, mit Ergänzungen):

Wirkungsverstärkung z.B. bei: Blutdrucksenkern: Calciumkanalantagonisten vom Nifedipin-Typ (Also Amlodipin, Nifedipin und Nicardipin) Herzrhythmusmedikamenten: Amiodaron Colesterinsenker: Atorvastatin, Lovavastatin, Simvastatin

Immunsuppressiva: Ciclosporin, Tacrolimus, Everolimus und Sirolimus Phosphodiesterase-Hemmern (erektile Dysfkt): Sildenafil (Viagra), Vardenafil und Tadalafil Trizyklische Antidepressiva: Clomipramin Benzodiazepine: Diazepam, Temazepam und Midazolam

Glucokortikoide (Kortison): Budesonid Antiepileptika: Buspiron- und Carbamazepin

Andere Medikamente: Ivabradin, Ivacaftor, Lomitapid, Ranolazin, Colchicin, Terfenadin

Wirkungsabschwächung bei OATP-Substraten wie z.B.: Aliskiren Bilastin Fexofenadin Celiprolol (evtl. Atenolol) Cyclophosphamid, Ifosfamid (Bioaktivierung durch CYP3A4)

Eine dem aktuellen Stand der Forschung entsprechende Liste von durch 3A4-beeinflussten Medikamenten findet ihr im entsprechenden Abschnitt dieser Seite (nicht die ganze Seite!) drug-interactions.medicine.iu.edu/MainTable.asp

Ebenfalls betroffen sind einige Opioide und Sedativa, wie z.Bsp. Fentanyl, Oxycodon, Ketamin oder Methadon, die in höherer Dosierung ankommen, als gewünscht.

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