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Fokusthema

Welche Technologien sollen uns retten?

Anha, Kraun und Kan, die Hymensch-Fans der aktuellen Folge, streifen in ihrem Gespräch auch jene Technologien, die verhindern sollen, Kipppunkte im Klimasystem zu überschreiten. Generell gibt es hier die, die jahrelang schon gute Dienste geleistet haben, und die, die in ihren Folgen unkontrollierbarer sind ... Hier ein Überblick, was uns erwarten könnte.

Climate-Engineering-Technologien, die den Klimawandel bremsen sollen, werden derzeit noch als "Notlösungen", falls gesellschaftliche Lösungen nicht ausreichen, erforscht. In jedem Fall werden sie allein nicht ausreichen, um jedes Jahr Emissionen im zweistelligen Milliardenbereich zu neutralisieren. 

Bild: pexels

Es gibt grob gesagt zwei Gruppen:

1. Maßnahmen, die CO2 aus der Atmosphäre entfernen

Die Direct Air Capture (DAC)-Technologien holen das Kohlendioxid aus der Luft und verpressen es im Boden. Scheint langfristig eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Klimaschutzmaßnahmen zu sein. Ein Beispiel ist CarbFix2 des Schweizer Unternehmens Climeworks (siehe Bild unten).

Bei der "Bio Energy with Carbon Capture and Sequestration" (BECCS, Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung) verfeuert man Biomasse in Kraftwerken zu Strom oder wandelt sie in Fabriken zu Treibstoffen um. Die Pflanzen haben der Atmosphäre vorher CO2 entnommen. Das bei ihrer Verbrennung oder Gärung entstehende Kohlendioxid wird abgeschieden und unter die Erde geleitet. Die Menschen können die Energie nutzen. Frisst natürlich viel Anbaufläche.

Mineralienpulver verstreuen: Wenn manche Gesteine wie etwa Basalt oder Dunit verwittern, binden sie dabei CO2. Forscher wollen diesen Verwitterungsprozess künstlich beschleunigen. Dazu müsste das Gestein klein gemahlen und das Pulver möglichst weiträumig ausgestreut werden, etwa auf Äckern. Ist aber ein ziemlicher Aufwand.

Säen ohne Pflügen: Verzichten Landwirte auf das Umpflügen ihrer Felder und ritzen stattdessen den Ackerboden beim Ansäen nur an, kann sich Humus in der obersten Bodenschicht anreichern und mehr Kohlenstoff speichern. Obendrein wird weniger Kraftstoff durch Traktorfahrten verbraucht, auch das Bodenerosions-Risiko sinkt. Aber wie bringt man die Bauern dazu?

Winzige Algen, das sogenannte Phytoplankton, wandeln im Meer enorme Mengen von Kohlendioxid in Sauerstoff um. Wenn man sie in bestimmten Regionen mit Eisensulfat-Partikeln düngt, kann das ihr Wachstum anregen. Aber es ist nicht erforscht, was für Langzeitfolgen das hätte. 

Und natürlich geht auch Aufforstung: Bäume, die angepflanzt werden und CO2 binden, aber dafür natürlich Zeit und viel Fläche brauchen.

 Das Geothermiekraftwerk Hellisheiði ist der Standort des ursprünglichen CarbFix-Projekts, bei dem etwa 200 Tonnen CO2 in den Untergrund verpresst wurden und es als stabile Karbonatmineralien fixierte. Bild: Wikipedia, Sigrg - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

2. Maßnahmen, die die Sonneneinstrahlung auf der Erd-Oberfläche vermindern

Neben dem Hinweis auf gigantische Spiegel im All (?!?) habe ich hier das Solar Radiation Management gefunden. Das bedeutet, man sprüht Schwefeldioxid in großem Umfang in die Stratosphäre. Die Schwefelpartikel können Sonnenlicht ins Weltall reflektieren und auf diese Weise die Temperatur auf der Erde senken. Etwas Ähnliches ist 1991 auf natürliche Weise passiert, als ein Vulkan auf den Philippinen 17 Mio. Tonnen Schwefelpartikel in die Stratosphäre schleuderte und die durchschnittliche Temperatur auf der Erde danach um ein halbes Grad sank.

Der Vorteil: Sie würde rasch wirken und soll "nur" einige Milliarden Dollar pro Jahr kosten. Der Nachteil: Das eigentliche Problem wird nicht gelöst, die Treibhausgase in der Erdatmosphäre verringern sich nicht. Zudem befürchten Kritiker, dass die Ozonschicht durch die Schwefelpartikel angegriffen wird. 

Der Gedanke, dass der Mensch irgendetwas in so großem Ausmaß in das Klimasystem einspeist, ist erst einmal gruselig, finde ich. Andererseits leben wir ohnehin im Anthropozän, in dem der Mensch in großem Maße sein Ökosystem beeinflusst. Und je dringlicher die Notwendigkeit wird, das Klima abzukühlen, nach umso mehr Strohalmen wird man greifen ... 

Das kritische Zitat eines Wissenschaftlers hat mich jedenfalls wieder über die sozial-ökonomischen Rahmenbedingungen nachdenken lassen, die entscheidend dazu beitragen, ob eine Technologie vertrauenswürdig erscheint oder nicht:

"Wenn man einmal mit Geoengineering angefangen hat, besteht die Gefahr, dass multinationale Konzerne die Kontrolle übernehmen und aus Profitgründen einfach damit weitermachen. Dann würde es vielleicht so etwas wie eine BP-Geoengineering- oder eine ExxonMobil-Geoengineering-Corporation geben. Würde man denen trauen?"

 (Alan Robock, Rutgers University, State University of New Jersey, USA)

Würde also eine entkapitalisierte Kodenet-Gesellschaft, die sich der umfassenden Ausbalancierung von Interessen, Bedürfnissen und Aspekten generell verschrieben hat, verantwortungsbewusster damit umgehen können? Kyaras Welt hat es geschafft, das 2-Grad-Ziel zu erreichen, ohne auf Schwefelpartikel-Sprühregen angewiesen zu sein. Ohne negative Emissionen (also abgesaugtes CO2) haben sie es dagegen nicht geschafft. Und nun zwingt das Risiko der Kipppunkte sie, erneut über Maßnahmen nachzudenken ...

Quellen:

https://www.br.de/wissen/geoengineering-climateengineering-wettermanipulation-klimawandel-100.html (Öffnet in neuem Fenster)

https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/negative-emissionen-diese-technologien-sollen-das-klima-retten-a-1299694.html (Öffnet in neuem Fenster)

Kategorie Fokusthema
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