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Angela Merkel: "Widerspruchsgeist ist unbedingt notwendig zum Überleben!"

Hallo an Alle!

Unser Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ließ in den letzten Tagen auf seiner Facebook Fanpage fragen, was wir tun können, damit wir konstruktiv debattieren. Weg vom Hass - hin zum Miteinander!

Frau Merkels Äußerung von vor 29 Jahren ist dazu hilfreich. Denn eigentlich ist die Antwort ganz einfach. Es bedarf der Wertschätzung(!) vom "sich-ans-System-Anpassenden" gegenüber dem "sich-gegen-das-System-Stemmenden" und umgekehrt!

Wenn in diesen Zeiten "Systemangepasste" "Systemwiderständler" als Nazis und COVIDioten bezeichnen und "Systemwiderständler" "Systemangepasste" als Nazis und Schlafschafe ... dann ist ein aufeinander zugehen äußerst unrealistisch! Dadurch dass jeweils der eine den anderen in seinem Verhalten rügt, sind Beide in Verteidigungsstellung! Was auch sonst ... 

Wenn wir alle von klein auf an Resilienztrainings durchlaufen hätten, dann hätten erheblich mehr Menschen die Kraft über die Beschimpfung hinweg zu hören und zu entdecken, dass das Gegenüber auch nur ein Mensch mit Nöten, Sorgen und Ängsten ist. Aber so verharren wir halt viel zu oft in der Verteidigungsstellung! Und dann schaukelt es sich hoch!

Hass und Kriege beginnen u. a. mit dieser vermeintlichen "Kleinigkeit": wenn wir in einer für uns persönlich als sehr elementar überlebenswichtig empfundenen Frage (Klima/COVID19/etc.) zu 100 % sicher sind, dass wir Recht haben, dass wir dann u. a. aus schierer Angst, Ungeduld, Mißmut, etc. nicht mehr in der Lage sind dem anderen zuzugestehen auch Recht haben zu können. Wenn es um nichts geht, dann ist es für relativ viele noch einfach, aber wenn es drauf ankommt ... 

Es muss auch gar nicht aggressiv beginnen!

Ich will es an einem Beispiel deutlich machen bei dem Herr Steinmeier selbst in die "Falle" getappt ist, wahrscheinlich ohne es selbst wahrgenommen zu haben:

Nach der Demonstration am 01.08. in Berlin hätte Herr Steinmeier seiner eigenen Annahme, dass auch das Gegenüber Recht haben kann, Rechnung tragen können. Eine Veränderung, die man in der Welt sehen will, lässt sich am leichtesten umsetzen, wenn man selbst damit beginnt.

Er bezeichnet die Widerständler zwar nicht als COVIDidioten wie Saskia Esken es getan hat, aber er rügt sie verantwortungslos zu sein.

Was Herr Steinmeier bei seiner Aussage nicht im Blick hat, dass genügend Widerständler gerade aus Verantwortung für die Allgemeinheit auf die Straße gehen. Das wird bestimmt nicht für alle gelten, aber trotzdem ist es eine große Gemeinsamkeit des Systemangepassten und des Widerständlers, beide agieren aus ihrer Verantwortung heraus.

Bevor ein Widerständler auf die Straße geht, sind dem viele andere Schritte voraus gegangen. Ich muss es wissen, an meiner Wiege ist die Systemangepasstheit vorbei gegangen! Ich hatte ihr durchaus noch ein wenig wehmütig hinterher geschaut, dachte dann aber doch: "Ach komm, passt schon!" ; )

Widerständler suchen das Gespräch, je nach Typ recht lange oder weniger lange! Das Problem des Widerständlers ist es, dass der Systemangepasste Störungen nicht mag. Was absolut verständlich ist, kostet es doch auch sehr viel Kraft sich anzupassen! Der Widerständler ist nichts ohne den Systemangepassten und der Systemangepasste ist nichts ohne den Widerständler. Wir brauchen einander! Ohne Systemangepasste gibt es kein System und ohne Widerständler gibt es keinen Fortschritt. Das eine ist ohne das andere nichts! UND wir brauchen einander, um das Gesamtbild zu erfassen!

Wenn einem diese Sichtweise zur Haltung wird, dann sieht man als Systemangepasster den Widerständler nicht als zu bekämpfenden Feind, sondern lädt ihn auf eine Tasse Tee ein oder besser noch auf einen Schokokaffee!! ; ) Umgekehrt gilt es natürlich ebenso!

Um nochmal auf Herrn Steinmeier zurück zu kommen: Anstatt die Demonstrierenden, die gerade eine der wichtigsten Errungenschaft unserer Demokratie ausüben, zu rügen, hätte er sie auf einen Tee ins Schloß einladen können mit der Bitte, dass sie ihm ihre Sicht der Dinge darlegen. Dazu muss man es dann natürlich auch wirklich wissen wollen, sonst ist es nur PR-tauglich und verschlimmert das Ganze noch! Ich bin mir ziemlich sicher, dass viele der Einladung gefolgt wären auch wenn er auf Abstand und Mundschutz in seinem Beisein bestanden hätte.

Am 29.8. wird es dazu nun eine weitere Gelegenheit geben. Der Widerstand formiert sich gerade wieder. 

Ein ernstgemeintes Gesprächsangebot wird mehr zur Besänftigung beitragen als ein Demonstrationsverbot! Meine Hoffnung auf besonnene Entscheidungen bleibt!

In einer erkenntnisgewinnenden Streitkultur ist eine wichtige Voraussetzung, dass ich mich überwinde auch dann mit jemandem in die Auseinandersetzung zu gehen, wenn ich nicht gutheißen kann, was er tut. Und es sollte auch nicht das Ziel einer Auseinandersetzung sein, dass man letztlich es doch gutheißen könnte, aber das es mir gelingt den anderen aus seiner Position heraus zu verstehen, das sollte schon das Ziel sein. Am besten steigt man in so ein Gespräch ohne Beschimpfung ein, vielleicht mit einem Satz wie diesem: "Es gelingt mir aus meiner Position heraus nicht gutzuheißen was Du tust, aber ich möchte Dich verstehen, bitte sag mir, warum Du so handelst!" Und wenn alle beteiligten Gesprächspartner dies schaffen, kommt es zum maximalsten Erkenntnisgewinn der in dieser Konstellation möglich war! Und dann weiß man immer noch nicht alles, aber auf einmal tun sich Wege auf, die man ohne den Austausch nicht gesehen hätte.

Mir ist bewusst, dass auch wirres und abstruses dabei ist (übrigens auf beiden Seiten), das hängt u. a. auch mit der Art der Aufbereitung des Themas sowohl von Politik-, Medien- wie Wissenschaftsverantwortlichen zusammen.

Während es auf der Seite der Widerständler Personen gibt die Außerirdische ins Gespräch bringen, so gibt es auf der Seite der Systemangepassten die Aussage, dass 3 Millionen Menschenleben gerettet wurden und beim Rückverfolgen der Zahl muss man feststellen, dass die Zahl frei erfunden ist: https://www.linkedin.com/pulse/6-millionen-tote-39-tagen-covid19-bettina-knierim/

Das Schlimme ist, dann werfen sich die Diskussions"gegner" diese aus der Luft gegriffenen Dinge oder falsch genutzte Begriffe an den Kopf, versteigen sich in eine hitzige Diskussion, die es ihnen dann nicht mehr ermöglicht sich sachlich und in Ruhe mit Punkten auseinanderzusetzen, wo man wirklich mal gemeinsam drauf schauen müsste.

So geschehen bei der 161. Sitzung des Deutschen Bundestages am 15. Mai 2020. Es handelt sich um eine Aktuelle Stunde, die die AfD eingefordert hat, um über die Ausarbeitung von Herrn Kohn zu diskutieren. Genannt haben sie diese Anfrage: "WhistleblowerStudie aus dem BMI bewertet Regierungshandeln während der Coronakrise als Fehlalarm - Fakten aufklären und ernst nehmen". Als ich diese Formulierung las, hatte ich schon meine Zweifel, dass man es schaffen könnte zu einer sachlichen Diskussion zu kommen, aber ich habe mir diese Sitzung trotzdem komplett angehört:

Gerieben wurde sich dann verständlicherweise an den Worten Whistleblower, Studie und Fehlalarm. Es wurde nichts gewhistleblowt, da keine geheimen Akten des BMI veröffentlicht wurden, sondern Gegenmeinungen die zumindest Teilen der Öffentlichkeit bekannt waren. Es handelte sich nicht um eine Studie, sondern um eine Ausarbeitung. Und das Wort Fehlalarm konnte nur als Beleidigung aufgefasst werden.

Wenn man seitens der AfD tatsächlich mit den anderen ins Gespräch und Nachdenken kommen wollte, wäre vielleicht ein Arbeitstitel wie folgt einladender gewesen: "Faktencheck zu Coronadaten in Anlehnung an die Ausarbeitung des BMI-Mitarbeiters Kohn, um sicherzustellen, dass vermeidbare Fehler abgewendet werden" ... so oder so ähnlich!

Dann wären die Vorträge anders ausgefallen. Ich weiß nicht wie Aktuelle Stunden im Bundestag beantragt werden. Strategisch und vor allem effektiv wäre es, wenn das, was man besprechen möchte, gleich so aufbereitet würde, dass die Redner anderer Fraktion sich auch genau dazu dann äußern.

So etwas hätte man wie folgt vorbereiten können:

In der Tagesschau vom 21.03.2020 wird Höhe 10:31 berichtet, dass in der Lombardei jeder, der aktuell verstirbt als COVID19-Toter in die Statistik einfließt: https://www.youtube.com/watch?v=NRvzCUUf8Mg. War das allen Entscheidungsträgern bewusst? Am 06.04. berichtet n-tv darüber, dass man in der Lombardei den fatalen Fehler gemacht hat leicht Infizierte COVID19-Patienten in Altenheimen unterzubringen, was zum explosionsartigen Anstieg der Toten geführt hat. War das allen Entscheidungsträgern bewusst? Müssen wir mit diesem Erkenntnisstand die Lage neu bewerten? Zumal wenn wir bedenken, dass vorausgesetzt die Zahlen der Chinesen stimmen, dort "nur" 3 pro 1 Millionen Einwohner versterben und nicht wie in Italien über 500 pro 1 Millionen Einwohner, was aber auch den Beiden soeben geschilderten Umständen zum Teil geschuldet ist! Können wir sicherstellen, dass wir auch ohne die Verflechtungsketten von Profiteuren dieselben Entscheidungen getroffen hätten? Wenn wir uns zurückerinnern an die Grippewelle 2018:

Wie sicher sind wir uns, dass die Infizierten, die zu 99 % einen milden Krankheitsverlauf haben, nicht "nur" mit dem landläufigen Coronavirus infiziert sind und die Infizierten, die einen schweren bis tödlichen Krankheitsverlauf haben einen Influenzavirus hatten, welches dem Coronavirus ggf. nur "ähnlich" sieht? Bereits im April legte ein Team der Charité eine PrePrint Studie vor, die sich damit beschäftigt, ob vorhergehende Infizierungen mit Coronaviren, die bisher eigentlich nur für Erkältungen gesorgt haben, Einfluss auf die Immunität haben können.

Sie kamen auf diese Fragestellung, weil sie sich über die niedrigen Infektions- wie Todeszahlen in Ländern wie Laos, Vietnam, etc. wunderten.

Aus diesem Grund hätte es für eine Aktuelle Stunde noch Sinn gemacht, die Daten des Worldometers: https://www.worldometers.info/coronavirus/ (mit dessen Zahlen auch die Johns Hopkins University arbeitet) so aufzubereiten, dass man tiefer ins Thema hätte einsteigen können!

Wie folgt z. B.:

Hier ist z. B. interessant zu sehen, dass Monaco fast alle Einwohner getestet hat! Kann man daraus irgendwelche Rückschlüsse ziehen in wie weit es überhaupt zur Durchseuchung kommen kann?

Es würde mich sehr wundern, wenn die Aktuelle Stunde genauso abgelaufen wäre wie sie am 15. Mai ablief, wenn man so oder so ähnlich vorgegangen wäre.

Wer sich übrigens gerne selber ein komplettes Bild machen möchte, die vollständigen pdf's mit Stand 31.07.2020 kann man hier herunterladen, einfach bis C wie COVID19 scrollen:

Sollte es vielleicht nochmal zu einer Aktuellen Stunde kommen, lohnt es sich zu wissen, dass mittlerweile die PrePrint Studie der Charité gem. Pressemeldung einsehbar ist:

Und ggf. lohnt es ich auch nochmal den Podcast von Herrn Drosten anzuhören, indem er nicht ausschließt, dass COVID19 auch zu einer reinen Erkältung mutieren kann:

Und da ich mit Frau Merkel begonnen habe, möchte ich auch mit ihr enden. Falls sie ihren Ansichten treu geblieben ist, wird sie mit ihrem tiefen Mißtrauen zu basisdemokratischen Gruppierungen und ihrem Bedürfnis nach Autorität wahrscheinlich nicht die Person sein, die es schaffen kann am 29.08. auf die Demonstrierenden zuzugehen. Was sehr schade ist, zumal gerade sie von Widerständlern maximalst profitiert hat. Ohne all diese Menschen aus der DDR, die es nicht mehr daheim gehalten hat und die auf die Straße gingen, wäre sie heute nicht dort wo sie jetzt ist!

Ich kann nur jedem empfehlen sich das Video anzuschauen, aus der Rückschau betrachtet fand ich dieses Interview sehr interessant. Eine Frage von Herrn Gaus ist mir nach dem Anhören im Gedächtnis geblieben: "Ob nicht eine Gefahr darin liegt, dass man "steril" wird, wenn man die Strukturen schließlich wichtiger nimmt als die Phantasie die Inhalte erzeugt?" Frau Merkel setzt den Fokus auf das Machbare. Was zwar nachvollziehbar ist, aber ich frage mich, ob man sich dann nicht vielleicht doch zu schnell zufrieden gibt und statt einer maximalen Lösung dann nur eine minimale erhält ... hierzu eine Debatte mit ihr zu führen, könnte interessant sein ...

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Herzliche Grüße

Bettina

P.S.: Übrigens noch 66 Tage bis zum Weltfrieden! ; )

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