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Ärgerst Du Dich über das Verhalten einer Person oder über Deine Interpretation?

Hallo an Alle!

In unserem Miteinander sind wir darauf angewiesen das Verhalten der anderen zu interpretieren. Wie wir interpretieren kann von unserer Stimmung, wie Zu- oder Abgeneitheit abhängen. In der Geschichte "der liebende Blick" von Jorge Bucay wird es besonders deutlich wie wenig die eigene Reaktion mit dem Verhalten des anderen zu tun hat: https://bettina-knierim.jimdofree.com/bettina-knierim/meine-lieblingsberichte-und-geschichten/der-liebende-blick/. Der König ärgert sich nicht über das Verhalten seiner jüngsten Ehefrau, sondern über seine Interpretation ihres Verhaltens.

So wichtig wie die Stimmungslage ist, so wichtig kann auch der Fokus sein. Dass Verschwörungstheoretiker überall Verschwörungen vermuten, hängt u. a. damit zusammen, dass sie ihren Fokus auf Verschwörungen gerichtet haben (https://www.linkedin.com/pulse/widerstand2020-ist-ignoranz-die-arroganz-der-sehenden-bettina-knierim/). Da es schon immer Verschwörungen gab, gibt und geben wird, können sie natürlich auch manchmal richtig liegen, aber eben nicht immer. Ein Mensch, der in der Vergangheit oft verletzt wurde und noch nicht den optimalen Weg gefunden hat, die Verletzungen zu heilen, schaut nicht selten mit dem Fokus der Verletzung auf das Verhalten anderer.

Bei der Interpretation des Verhalten eines anderen kann es außerdem passieren, dass der Mensch, der das "ärgerliche" Verhalten gezeigt hat, eine Erinnerung, bei dem der das Verhalten interpretiert, auslöst und so eine Reaktion bekommt, die gar nicht ihm gilt. Ein Schlüsselerlebnis mit einer Prüferin zu diesem Phänomen habe ich hier: https://www.linkedin.com/pulse/siehst-du-nur-dich-deinem-leid-oder-auch-mich-bettina-knierim/ festgehalten.

Was auch noch passieren kann, dass die Erklärung der Person über dessen Verhalten man sich geärgert hat, außerhalb der eigenen Vorstellungskraft liegt. Im ersten Reflex kann es passieren, dass man das Verhalten des anderen mit eigenem Verhalten gleichsetzt. Um ein Beispiel zu nennen: Jemand der bewusst weint, um einem anderen Menschen ein schlechtes Gewissen zu machen, neigt eher dazu bei einem anderen Menschen, der weint, den gleichen Beweggrund zu vermuten.

Man könnte bestimmt noch eine Menge anderer Missverständnisbeispiele finden, aber wichtiger wie noch mehr Beispiele scheint mir, dass man sich im Miteinander öfter die Frage stellt:

Reagiere ich wirklich auf das Verhalten oder auf meine Interpretation?

Wenn man das Verhalten eines anderen nicht einordnen kann, besser nachfragen. Beim Nachfragen kann man dem anderen ruhig die eigene Gefühlslage schildern, die man mit dem Verhalten hat. Dann hat der andere eine Chance Traurigkeit, Wut, etc. einordnen zu können.

Durch das Nachfragen öffnet man die Tür zur Perspektiverweiterung, bleibt man hingegen in der eigenen Perspektive und eigenen Interpretation, macht man sich gegenseitig das Leben eher schwerer als leichter! Es kostet zwar mehr Kraft sich nicht von der eigenen Interpretation leiten zu lassen, aber es lohnt sich es mal zu versuchen! : )

Herzliche Grüße

Bettina

P.S.: Noch 105 Tage bis zum Weltfrieden! : )

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