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Was ist Empathie? In COVID19-Zeiten und generell!

Hallo an Alle!

Was ist Empathie?

Im "Lexikon der Sozialpädagogik und der Sozialarbeit" von Prof. Dr. Franz Stimmer steht dazu:

Empathie

Fähigkeit, sich mittelbar oder unmittelbar in das Erleben einer anderen Person einzufühlen, sie durch inneren Nachvollzug zu verstehen und ihr künftiges Handeln abzuschätzen. In Krappmanns Identitätskonzept bildet Empathie neben Rollendistanz, -> Ambiguitätstoleranz und Identitätsdarstellung ein wesentliches Lernziel des Sozialisierungsprozesses.

Als ich diese Erklärung las, fragte ich mich, warum dort das Identitätskonzept von Lothar Krappmann erwähnt wird. Ich hätte es sinnhafter gefunden, wenn dort gestanden hätte, dass die von Else Frenkel-Brunswik definierte Ambiguitätstoleranz ein Teilaspekt der Empathie darstellt. Dann wäre bestimmt auch noch Platz geblieben, um in einem Nebensatz erklärend zu schreiben, dass es sich dabei um das Aushalten können von Zwei- bis Mehrdeutigkeiten handelt.

Menschen, die diese Toleranzfähigkeit haben, können Widersprüchlichkeiten aushalten ohne darauf aggressiv reagieren zu müssen.

Die Corona-Krise zählt zu den Ereignissen die deutlich machen, dass zum Ausbau dieser Fähigkeit noch viel Luft nach oben ist! Man konnte es auch schon sehen als der Fokus noch mehr auf der Klima-Krise lag. In jeder Krise kann man das gut sehen, egal ob in gesamtgesellschaftlichen oder privaten Krisen. In der aktuellen Corona-Krise findet man wenige Artikel, die versuchen etwas zwischen Verharmlosung und Panik anzubieten. Auseinandersetzungen finden eher als Kämpfe um die Meinungshoheit statt als einem sich gegenseitigem Näherbringen unterschiedlicher Positionen.

Jeder Mensch - wirklich jeder - vereint gute wie schlechte Aspekte, die in Summe seine Persönlichkeit darstellen. Den perfekten Menschen gibt es nicht! Ich hatte dazu mal den Artikel: "Wo bist Du? Ich suche Dich schon so lange! ..." geschrieben. Yin und Yang, helle und dunkle Seite, schwarz und weiß, Tag und Nacht! Durch das Tolerieren dieser "Problematik" wird man anderen gegenüber milder.

Was mir bei der Empathie-Erklärung von Prof. Stimmer auffiel ... sie ist männlich! Daran ist nun nichts Schlimmes, aber trotzdem gibt es einen Knackpunkt.

Uns ist zwar bewusst, dass diese Welt zur einen Hälfte tendenziell männlich und zur anderen Hälfte tendenziell weiblich ist, aber der weibliche Part wird nicht hälftig eingebracht. Das ist nun nichts Neues, hat aber weitreichende Konsequenzen. Die Lehre basiert auf einer hauptsächlich männlichen Sichtweise, was zur Folge hat, dass nicht nur Jungen sondern auch Mädchen basierend auf dieser Sichtweise lernen. Wenn in der Lehre hälftig männlich und weibliche Sichtweisen bezogen auf eine Thematik gezeigt würden und zwar als gleichwertig nebeneinander existierende Sichtweisen, dann würde das übrigens einen enormen Schub in der Ambiguitätstoleranz zur Folge haben!

Was mir ganz persönlich so stark fehlt, sind die weiblichen Philosophinnen! Es gab und gibt sie, aber sie fliessen kaum ein in eine gesamtheitliche Betrachtung. Von Platon, der VOR Christus geboren wurde, lässt sich vieles nachlesen und von Hypatia, die NACH Christus geboren wurde, ist keine Aufzeichnung mehr vorhanden! Ich weiß ja nun nicht, ob mich ihre Gedankengänge bereichert hätten, aber ich hätte es halt gerne gewusst!

Und ich versuche es jetzt mal mit einer weiblichen Definition von Empathie, die gerne um weitere weibliche wie auch männliche Sichtweisen ergänzt werden kann:

Empathie ist die Fähigkeit sich über Anknüpfungspunkte aus eigenem Erleben, die im Bereich des Verstehens wie Fühlen liegen können, den anderen wertfrei so zu sehen wie er sich gerade selbst erlebt und fühlt und ihm diese Gefühlslage auch zu glauben. Als Anknüpfungspunkt hat man z. B. selbst schon Traurigkeit erlebt und hat somit eine Vorstellung wie sich ein anderer Mensch fühlt, wenn er traurig ist. Empathiefähigkeit hilft einen Menschen in seiner Gesamtheit zu sehen und ihn nicht auf ein oder wenige Merkmale zu reduzieren, weil man für sich akzeptieren kann, dass jeder Mensch - sich selbst eingeschlossen - positive wie negative Aspekte hat. Empathiefähigkeit beinhaltet u. a., dass ein persönliches anderes Empfinden beim Erleben derselben Situation für möglich gehalten und auch toleriert werden kann.

Dass das alles nicht immer so einfach ist, wird bestimmt noch mal einen weiteren Artikel wert sein! Würdest Du zu dieser Definition noch etwas ergänzen oder eher etwas weg lassen wollen?

Herzliche Grüße

Bettina

P.S.: Noch 104 Tage bis zum Weltfrieden! Machst Du mit?

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