Dass Elon Musk Twitter gekauft hat, hat sich bereits herumgesprochen. Doch eines seiner Motive stammt aus dem letzten Jahrhundert:

Free Speech wird oft als Grundlage einer funktionierenden Demokratie gesehen. Jede Stimme soll gehört werden, keine Stimme darf verstummen. Daraus ableitend ist Pressezensur wie sie in der Türkei und Russland vorherrscht eine der stärksten Bedrohungen jeder Demokratie. 

Doch stimmt das im 21. Jahrhunder noch? 

Benedict Evans hat in seinem Podcast eine Analye präsentiert, die mich seitdem beschäftigt: Durch den unmittelbaren, digitalen Austausch ist Pressezensur nicht mehr das Mittel der Wahl zur Gestaltung der öffentlichen Meinung. Sondern das Überschwämmen mit Informationen, die nicht relevant sind. 

Konnte man in der vergangenen "Zeitungswelt" noch die öffentliche Meinung beeinflussen, in dem man bestimmte was veröffentlicht wird und was nicht – überschwemmt man heute die Aufmerksamkeit der Bürger:innen mit Fake News – oder einfach irrelevanten Meldungen. 

Beide Methoden führen dazu, dass Wähler:innen nicht die nötigen Informationen haben, um fundierte Entscheidungen zu treffen. 

Wer sich zwischen tausenden von Beiträgen nicht die Zeit nehmen kann, diejenigen zu kuratieren, die unabhängig und sorgsam recherchiert sind, steht genauso schlecht informiert da wie jemand, dem diese Inhalte durch eine Pressezensur vorenthalten werden.

Die "Free Speech" Bewegung ist daher eine gut gemeinte, aber eine gestrige. Digitale Bürger:innen brauchen zusätzlich ein Recht auf Kuration. Und kuratiert wird 2022 mittels Algorithmen. Daher ist die Forschung zu KI und der Erhellung der Black Box von Neuronalen Netzen keine Fingerspitzenübung, sondern zentrales Fundament einer zukünftigen suveränen Gesellschaft.

Wen das Thema interessiert: Datenethik und KI ist auch der nächste Veranstaltungs-Schwerpunkt von LINK der Stiftung Niedersachsen:

https://www.link-niedersachsen.de/Veranstaltungen/Anmeldung

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