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Checkliste Einschlafbegleitung – Teil 1: Babys

„Bitte teile deine besten Einschlafbegleitungstipps! Ich weiß nicht mehr weiter!“ Was ich immer wieder suche, sind Checklisten, damit ich mir weniger den Kopf zerbrechen muss. Drum habe ich eine für euch erstellt, um eure Köpfe zu schonen.

Kinderschlaf füllt ganze Ratgeberregale, deshalb unterteilen wir erst mal sinnvoll nach Altersstufen und bleiben hier in Stichpunkten mit der ein oder anderen Ergänzeng für das "Und warum soll das gut sein?"

Ich nehme die Basics mit auf und runde ab mit den vielleicht etwas besonderen Extras. Letztere sind für uns hier oft besonders interessant gewesen und sind es noch.

Disclaimer über allem: Jedes Kind ist anders, nimm mit, was für dich und euch passt!

Hier findest du die Audiodatei zu diesem Post:

Geräusche:

Stille ODER das Geräusch der Wahl finden: Weißes Rauschen Dunstabzugshaube Föhn Kühlschranksurren Spieluhr Singen Gurren Brummen beruhigende Ansprache

Wenn sich bewegt wird, darauf achten, ob die Schuhe knatschen oder schlappen und ob der Rhythmus hilfreich oder das Geräusch störend ist.

Mit jemand anderem reden. Wir haben hier sehr oft die Motte in den Schlaf telefoniert, vor allem bei den Tagesschläfchen. Trage, Kind rein, auf zum Marsch durch die Wohnung und dabei mit der Oma telefoniert (jemand, der um die Zeit länger reden kann). Ein Headset kann da definitiv hilfreich sein, vor allem ein schnurloses. Ich leite daraus ab, dass das Baby sich sicher gefühlt hat, weil ich da war, es gab zusätzlich gleichmäßige Bewegung, aber meine Aufmerksamkeit war nicht mehr bei ihr, es gab also dann nichts mehr von mir zu holen. Obacht, weil das auch nach hinten losgehen kann. Manche Babys dulden dann erst recht nicht, dass die Aufmerksamkeit desjenigen, der in den Schlaf begleitet, woanders als bei ihnen ist.

Optische Reize

Dunkelheit (eventuell vollständig!) ODER Licht bei reizarmer, aufgeräumter Umgebung.

Salzlampen sind hervorragende Still- und Einschlaflichter.

Vor allem bei sehr kleinen Babys: kein direkter Augenkontakt, eher am Baby vorbei schauen. Natürlich nicht, wenn es grad schreit, dann will es ja Kontakt aufnehmen, sondern wenn es schon Richtung Ruhe und Schlaf geht

Möglichkeit sich an Mama, Papa oder anderem Caregiver zu verstecken. Stillschal oder Mulltuch können helfen.

Wenn das Baby in der Trage ist, großes Tuch um das Baby herum aufspannen, sodass es wie einen kleinen Raum um sich hat. Dadurch nicht dunkel, nicht eng, aber dabei gleichbleibende Umgebung, auch wenn sich fortbewegt wird.

Wenn das Baby sich umschauen kann: darauf achten, dass die Umgebung immer gleich ist. Hier waren leicht aus dem Kleiderschrank herausragende Jacken oder Bügel nicht tolerabel. Selbes gilt für schief hängende Bilder oder  ein neues, buntes Extrakissen im Bett. Weitere Reize, die je nach Baby zu viel Aufmerksamkeit ziehen und so vom Schlaf abhalten, oder die zu viel Veränderung zum Gewohnten bedeuten, können oft sein: Ein anders als sonst zugezogener Vorhang (vor allem, wenn ein Lichtschlitz bleibt, Kontrast zieht Aufmerksamkeit). Rollladenschlitze können beruhigend sein (Lichtspiel), aber auch ablenkend. Idealerweise jeden Abend gleich weit runterlassen.

Draußen sein oder Blick aus dem Fenster (Stubenwagen oder sich selbst dort positionieren).

Geruch

Mama schlägt ja oft doch alles, vor allem, wenn gestillt wird. Wenn das Baby schon abgelegt werden kann, kann es helfen ein getragenes Kleidungsstück statt eines Spucktuchs unterzulegen.

Intensive Gerüche vermeiden. Parfum, Rauch (!), Weichspüler, starker Essensgeruch, Kaugummi – all das kann ablenken und somit wach halten.

Bitte absolute Vorsicht bei Aromatheapie und ätherischen Düften! Für Kinder unter 2 Jahren ist das absolut nicht angeraten, je nach Öl kann das so stark reizen, dass die Kinder keine Luft mehr bekommen. 

Textur und Haptik

Dass nichts kratzen oder drücken sollte, sollte klar sein.

Viele Babys fühlen sich in Kunstfasern sehr unwohl. Lieber Baumwolle und dabei besonders weiche. Wolle-Seide ist ebenfalls sehr angenehm, aber teuer und Handwäsche.

Ein sehr reizoffenes Baby kann von Teddyflausch oder niedlichen Applikationen (Bommel, Häkeldetails, Knöpfe je nach Liegeposition) gestört oder überfordert und wachgehalten werden.

Wo sitzen die Söckchen? Werden Söckchen toleriert? Knöchelhoch oder eher über die Wade.

Wo sitzt die Hose? Im Zweifel schön hoch bis unter die Achseln ziehen.

Pucken oder nicht? Manche Babys hassen pucken und gewöhnen sich auch nicht daran. Selbes gilt leider auch für Schlafsäcke, die allein aus Sicherheitsgründen aber gegenüber Decken deutlich bevorzugt werden sollten. Falls das Kind aber partout nicht im Schlafsack sein will, gibt es Deckenclips (korrekter Suchbegriff ist: "Bettlakenspanner"), damit es sich die Decke nicht (so leicht) über den Kopf ziehen kann. Wir hatten die Schlafsackverweigerung hier und ich fand das am schwersten, weil sich unsere Tochter auch von Anfang an  ziemlich viel bewegt hat und wir wirklich Sorge hatten, dass sie mit dem Kopf unter die Decke rutscht. Keine Empfehlung für Neugeborene und ganz kleine! Alternativ sich das Baby auf den Bauch bzw. die Brust legen und es so mit warm halten. Das ist kein beqeumer Tipp, aber ein sichererer.

Keine Falten im Bettlaken.

Wenn getragen wird: Sitzt die Tragehilfe richtig und kneift oder leiert nirgends? Vor allem einige Fullbuckletragen sind oft nicht weich genug. Wir hatten eine Manduca hier, die vom Material deutlich zu grob für unser Baby war. Das wäre erst etwa so ab einem Jahr etwas gewesen.

Wärme

Austesten. Ob Hitzekind oder Frostbeule oder etwas dazwischen, das ist individuell. Wolle-Seide-Kleidung temperiert sehr gut. Gerade bei Schreibabys ist das noch mal wichtiger, weil sie im Schreien oft stark aufheizen und dann gut abdampfen können müssen. Bei allem Tragen, was dabei wahrscheinlich ist, also regelmäßig kontrollieren, ob es Baby nicht zu heiß geworden ist (im Nacken bzw. zwischen den Schulterblättern fühlen). Den geschwitzten Kopf pusten kann lindern – oder noch mehr auf die Palme bringen. Gerade bei Tragetüchern gibt es unterschiedlich dünne oder dicke Stoffe, die somit mehr oder weniger wärmen.

Nackter Körperkontakt kann helfen, da das Baby somit im Wortsinne coreguliert wird. Nicht alle Babys mögen das. Ich kenne mehrere, die Haut an Haut geradezu verabscheut haben. Also zieht kein Skin to Skin durch, nur weil das in allen Büchern steht. Ihr könnt auch anders bonden.

Hunger

Satte Babys schlafen besser. Aber müde Babys clustern auch besonders oft. Die Einschlafmilch ist für viele Eltern die zuverlässigste Einschlafbegleitung. Allerdings gibt es für viele dann auch den ewigen Kreis aus stillen, wickeln, Kind wieder wach, Schreibegleitung, bis wieder hungrig genug, stillen, wickeln (ziemlich direkt danach wegen des gastrokolischen Reflexes) und so weiter. Wir hatten zu Hochzeiten etwa 4 Runden. Jede Runde hatte gut 45min. Erst dann war die Motte satt und müde genug, um dann nach dem Wickeln in der Trage die Kurve zu kriegen.

Bewegung

Tragen mit und ohne Trage oder Tuch, in verschiedenen oder auch bloß immer derselben Position. Manche Babys wollen dabei explizit etwas sehen, um sich „müde zu gucken“, anderen sollten besser nichts sehen (siehe oben).

Bouncen auf dem Pezziball

Federwiege mit oder ohne Motor. Wohl dem, bei dem sie funktioniert. Manchmal kann man sie auch leihen, um sie erst mal zu testen, da sie so teuer sind.

Hopserlauf

Ausfallschritte

Wiegen

Schunkeln

Tanzen mit oder ohne Musik

Im Kinderwagen oder Stubenwagen schieben.

Bei der Bewegung darauf achten, dass sich die Umgebung nicht zu arg verändert. Natur wird oft akzeptiert, eine kahle Wand auch. Siehe oben, optische Reize.

Helferlein

(Abgesehen von Pezziball, Federwiege, Tragehilfen und diversen Apps und Hilfsmitteln für schöne oder einfach nur beruhigende Geräusche)

Schnuller. Gerade viele Erstlingseltern aus der BO-Bubble schrecken davor eher zurück (Stichwort Saugverwirrung und Ersatzobjekt). Ein Schnuller ist nicht der Teufel. Gerade zum Beruhigen kann er sehr gute Dienste tun, denn nicht jedes Nuckeln dient der Nahrungsaufnahme. Probiert durch, welche Form für euer Kind passt. Startet so ergonomisch wie möglich.

Wenn das Baby schon etwas älter ist (rund um das Zahnalter), können auch Beißringe helfen. Manche mögen vor allem die mit Tüchern daran sehr.

Sonst so

Hat das Baby gerade überhaupt ein Schlafzeitfenster? Ungefähr alle 45 Minuten öffnet sich ein kleines Zeitfenster, ein stabileres gibt es alle 90 Minuten. Gerade bei Säuglingen mit der Still-Wickel-Trage-Routine, kann das schwer abzupassen und damit leicht zu verpassen sein. Manche Kinder schlafen einfach, wenn sie müde sind, andere brauchen zwingend das Timing. Wir haben das Schlafzeitfenster meist daran erkannt, dass unsere Tochter eine für sie sehr typische Bewegung gemacht hat und für eine Weile angespannt abwesend wirkte, obwohl sie sonst ja der Typ "Voll da!" war. Man konnte ihr früh ansehen, wie sehr sie schlafen wollte, aber nicht konnte: Sie war hochkonzentriert und ist es heute noch oft. Gähnen und Ohren- oder Augenreiben waren keine sicheren Zeichen, denn das hat sie sowieso ständig gemacht. Sie war ja eigentlich die meiste Zeit müde, eben weil ihr das Einschlafen so schwer fiel. Etwas unbedingt zu wollen, ist natürlich zum Einschlafen nicht gerade förderlich. Das wurde leichter, als sie sprachlich weiter entwickelt war und wir sie für Entspannung anleiten konnten. Siehe Folgeartikel: Checkliste für Klein- und Kindergartenkinder.

Ist gut gelüftet?

Ist es zugig?

Wenn ihr es irgendwie ermöglichen könnt: stellt die Wohnungsklingel aus (wir haben einen Schalter angebracht), denn nichts ist schlimmer, als genau dann wieder von vorn anfangen zu müssen, wenn es gerade geschafft war. 

Raus gehen. Gerade im Winter habe ich das oft verflucht, aber wenn nichts mehr ging: draußen wurde es besser. 

„Wenn nichts mehr geht, geht gehen.“

Auto fahren. Für viele Kinder ja noch immer die Einschlafsituation. Unser Baby hat dabei gebrüllt. Also, wie immer: Versuch macht klug.

Ruhig atmen. Gerade die 4:7:8-Atmung hat uns oft gute Dienste getan. Der ruhige Atem kann sich (bedingt) auf das Baby übertragen. Innerlich bis vier zählend einatmen, innerlich bis sieben zählend halten, innerlich bis 8 zählend ausatmen. Wenn gerade die 7 nicht gut gelingt – kein Ding. Es geht um die Atempause und darum, dass der Ausatem länger dauert als der Einatem.

Gerade wenn die Nerven schon blank liegen: Einatmen – halten – erst ausatmen, wenn der Körper ausatmen will. So kommt man aus der unterdrückt aggressiven Kurzatmigkeit heraus. Wutmanagement bekommt alsbald einen eigenen Post.

Manche Babys werden gern rhythmisch leicht geklopft, ähnlich wie für ein Bäuerchen.

Headspace als Meditationsapp sei hier noch erwähnt. Sie hat mich und somit uns weit getragen. 

Alles was die Eltern entstresst, hilft der Situation

Ohrstöpsel und Noisecancelling Kopfhörer (ihr hört euer Kind auch mit gut genug, wenn ihr direkt dabei seid)

Hörbücher und Podcasts

Essen und Trinken in Reichweite, vor allem, wenn einschlafgestillt wird.

Achtsamkeitsübungen, während man neben dem ruhigen, aber noch wachen Baby liegt, um selbst mehr in Ruhe zu kommen und Ruhe zu übertragen. Zum Beispiel den Tag durchgehen mit Dankbarkeiten. Den Körper durchgehen für Dankbarkeiten. 5 Dinge die man sieht, 4, die man hört, 3, die man spürt, 2, die man riecht, 1 für den Geschmack. Das sind die einfachsten Beispiele. Auch dazu gern bald gesondert mehr.

Und letztlich:

Ablösung! Wenn irgendmöglich ist ein Back-up unbezahlbar, wenn man ein Kind von der dauerwachen Sorte hat, egal ob es dabei weint oder nicht, aber ja, doch, besonders wenn es weint und schreit. Dass das nachts dann ziemlich ausschließlich der Partner bzw. die Partnerin ist, macht es für Alleinerziehende besonders hart. Und ist natürlich auch nur möglich, wenn das Baby eine andere Person überhaupt in der Situiation akzeptiert. Falls nicht: Regelmäßig wieder versuchen. Alle paar Wochen. Irgendwann platzt der Knoten. Bei manchen Babys nach Tagen, bei anderen nach Wochen oder Monaten, bei anderen erst als Kinder.

Und zu den Kindern, da komme ich dann in einem eigenen Artikel. Das, was hier für die Babys gilt, ist die Basis, auf der auch das Begleiten von älteren kleinen Menschen aufbaut. 

Geborgenheit steht immer über allem.

Bis dahin, alles Liebe und gute Nächte,

Heike

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