Strömungsabriss zu größeren Städten vermeiden

Zukunftsmesse Westfälische Kleinstädte in Münster setzt neue Zeichen der Zusammenarbeit

„Was wir heute hier in Sachen Digitalisierung in Kommune und Verwaltung hören ist alles richtig und notwendig. Aber wer soll das in unser Verwaltung machen. Mir fehlt das Personal“, beschrieb ein Bürgermeister bei der ZWL21 am 25.8. 2021 in Münster die Lage in seiner Gemeinde. Und in der Tat, Kleinstädte haben es häufig nicht leicht, wenn es um Zukunftsgestaltung geht: Sie zählen faktisch zu den Städten, haben jedoch andere Voraussetzungen und Handlungsmöglichkeiten z.B. finanzieller und personeller Art als Groß- und Mittelstädte. Knapp eine Milliarde Euro gibt der Bund für etwas mehr als 70 Smart-City Modellkommunen aus. Die restlichen mehr als 11.500 Städte, Gemeinden und Kreise sind nicht einer solch komfortablen Situation. Trotzdem stehen sie vor den gleichen Herausforderungen in den unterschiedlichen Lebensbereichen, die gemeistert werden wollen.

Es war eine der ersten Veranstaltungen mit persönlicher Begegnung nach langen Zeiten des Lockdowns in der ehemaligen Reiterhalle im Leonardo Campus in Münster 

60 Bürgermeister, 13 Startups und die Regierungspräsidentinnen Dorothee Feller aus Münster und Judith Pirscher aus Detmold und Regierungspräsident Hans-Josef Vogel aus Arnsberg nahmen an der weitgehend selbstorganisierten Veranstaltung teil. Das Besondere: Die Themen, die konkret diskutiert wurden, konnten aktiv von den Teilnehmenden mitbestimmt werden, um einen wirklichen Mehrwert für die Bedürfnisse von Kleinstädten abzubilden. Das waren Diskussionen zu digitaler, interkommunaler Zusammenarbeit bei Klima, Mobilität. Digitaltechnik an Schulen sowie bürgerschaftliches Engagement. Auch die Themen zukünftiges Wohnen und Arbeiten und Innenstadtentwicklung wurden angesprochen.

Regierungspräsident Hans-Josef Vogel im Gespräch mit Franz-Reinhard Habbel 

Ein weiterer wichtiger Baustein der Messe war die Einbeziehung von StartUps als Impulsgeber für Innovationen sowie als attraktive Dienstleister. Jedes Unternehmen hatte 100 Sekunden Zeit, ihre Dienstleistung beziehungsweise ihr Produkt vorzustellen. Das wurde von allen brillant gemeistert. Manch ein Bürgermeister sagte am Rande der Veranstaltung „auch in Gremiensitzungen wäre eine solche Zeitvorgabe oftmals von Vorteil“.

Während der vielen Diskussionen zeigte sich, dass eine neue interkommunale Zusammenarbeit im Zeitalter der Digitalisierung notwendig ist. Fördermaßnahmen sollten mit mehreren Kommunen gemeinsam angegangen und umgesetzt werden können, projektbezogene Zusammenarbeit nicht nur mit Nachbarkommunen, sondern darüber hinaus themenbezogen auch mit entfernt liegenden Gebietskörperschaften angegangen werden. Die Digitalisierung dehnt den öffentlichen Raum weiter aus. Die hierin liegenden Chancen einer kooperativen Zusammenarbeit durch gegenseitige Potenzialverstärkung sollte offensiv genutzt werden. Thomas Hunsteger-Petermann, der Leiter des Kompetenzzentrums IKZ des Landes NRW räumte auch ein, dass ein neuer Aufbruch in der interkommunalen Zusammenarbeit angegangen werden müsse und das Land NRW sich hier engagieren werde.