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#018 Andeuten heißt erschaffen

Heute zu Gast im CM MAGAZIN: Holger Klein & Thomas Brandt.

Die Podcast-Version zum Hören findest Du ganz unten am Ende des Artikels ⬇️

Die Themen heute:

  • Wo ist die Abrissbirne? #mobilität
  • Auflösung, Baby! #space
  • KI erklärt Witze #ki
  • To suggest is to create; to describe is to destroy #fotografie

## Die Hausmeisterei

Moin, es gibt ein Igel-Update: er frisst und hat wieder von tagaktiv auf nachtaktiv umgestellt. Puh.

Zum Magazin: nochmal eine kleine Korrektur, ich habe ja in der letzten Ausgabe beschlossen, den Podcast-Teil für die nicht-Unterstützerinnen und -Unterstützer zu öffnen, aber halt nur auf der Website. Das hat sich dann irgendwie noch nicht so ganz gerecht angefühlt und jetzt habe ich dann mit der aktuellen Änderung glaube ich einen brauchbaren Kompromiss gefunden: der Podcast-Teil wird sofort bei Erscheinen des CM MAGAZIN im persönlichen Feed landen, die Web-Version vom Podcast wird dann erst 2 Tage später veröffentlicht.

Lasst mal hören (also vor allem die Supporter) ob sich das für euch so ok anfühlt. 

Und hier noch meine ganz persönliche Liste.. zuerst mal das weniger spaßige Ding. Da ist nämlich die Steuer und das ist ein Thema, was mich ja schon immer gestresst hat, selbst wenn Stressen da gar nicht notwendig war. Steuertherapie anyone?

Aber glücklicherweise überwiegt aktuell das Positive. Ich bin nämlich gerade mitten in der Vorbereitung für den Klostergeister-Workshop. U.a. bereite ich da gerade ein Bastelprojekt vor, über das ich hier noch nicht viel sagen kann, aber eins ist quasi sicher. Viele werden erst mal ein Gesicht ziehen, wenn ich das Projekt vorstelle und hinterher freuen sie sich dann alle übers Ergebnis. Das ist eh so ein Ding mit dem wir fotografierenden immer zu kämpfen haben. Erst "Tu die Kamera weg" und hinterher freuen sie sich über die tollen Bilder.

So, und nu viel Spaß.

## Wo ist die Abrissbirne?

(Quelle: https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/abrissbirne-eine-branche-verliert-ihr-wahrzeichen/19879436.html)

Kommentar:

Es gibt immer mehr Roboter. Auch da, wo wir noch lange nicht von Automatisierung oder gar Autonomie reden. Auch in der Abrissbranche. Da ist die Abrissbirne schon länger verschwunden. 

Der Rückbau (ich liebe Euphemismen) findet heute alleine schon wegen der Stofftrennung (Holz, Steine, Ziegel, usw.) mit anderen Maschinen statt, Gebäude werden da eher Stück für Stück mit Maschinen "zerknabbert" statt einfach zusammengeschlagen. 

Im Werbevideo eines Maschinenverleihs oder -herstellers sehen wir dann nicht nur, wie in einem Innenraum ein ferngesteuerter Abbruchroboter mit 35 Tonnen Kraft statt der Abrissbirne zum Einsatz kommt. Auch der Radlader, mit dem die Abfälle schließlich nach draußen gefahren werden ist voll elektrisch und damit für Innenräume entsprechend problemlos zu nutzen.

Jetzt muss nur noch die Automatisierung Einzug halten, z.B. um Werkstoffe zu trennen.

(Danke Roy für den Hinweis)

## Auflösung, Baby!

"Thank you to @gbrammer for pointing out that the Spitzer SAGE survey took IRAC images of this region! I completely missed this. Check out the evolution of Infrared Space Telescopes!"

(Quelle: https://twitter.com/andrasgaspar/status/1520184730985148418?s=12&t=f-g1abqmTvcPDJFQ3D11bg)

Kommentar:

Das JWST seht in einer langen Tradition von Weltraumteleskopen. Spizer war zum Beispiel 2003 bereits das dritte Weltraumteleskop, das auf infrarot-Astronomie spezialisiert war. 2009 kam WISE, der Wide-field Infrared Survery Explorer. 

Und obwohl Hubble (1990) kein Infrarotteleskop ist, soll es hier natürlich nicht unerwähnt bleiben, denn es hat unser Verständnis des Weltalls wesentlich geprägt und war nicht nur ein Forschungswerkzeug, sondern hat sich auch als wichtiges PR-Tool sehr bewährt.

Die stetige Verbesserung der Auflösung lässt uns jetzt noch deutlich tiefer ins Weltall blicken und damit noch weiter in die Vergangenheit. Selbst die Engineering-Fotos des JWST sind da bereits umwerfend. Viele der Sterne, die wir da sehen existieren nicht mehr und es scheint, dass wir mehr sehen, je weiter wir ins Weltall schauen.

PS: IRAC steht übrigens für Infrared Array Camera.

## KI erklärt Witze

"Google Google unveils the latest advance in artificial intelligence: The PaLM speech AI model is huge, powerful, and the first building block of a grand vision. "

(Quelle: https://mixed-news.com/en/google-ai-new-giant-voice-ai-can-explain-jokes/?amp=1)

Kommentar:

Sprachmodelle werden immer größer. GPT-3 (OpenAI) hat 175 Milliarden Paramete (Parameter sind z.B. Gewichtungen der Neuronen), Megatron (Nvidia and Microsoft) 530 Milliarden und PaLM (Google) kommt mit sagenhaften 540 Milliarden Parametern daher. Da rechnen 6144 chips parallel auf zwei Cloud TPU v4 pods. PaLM wurde mehrsprachig trainiert, die Trainingstexte kommen nach Google-Angaben von  “high-quality” Seiten wie Wikipedia, Büchern, Online-Diskussionen (?) und im Falle der Code-Beispiele von Github.

Falls das für viele jetzt alles spanische Dörfer sind, verkürze ich das mal auf: verdammt beeindruckend.

Noch beeindruckender wird es beim Blick auf die Fähigkeiten. PaLM versteht und zerlegt nicht nur Textaufgaben, es kann sogar Witze analysieren und erklären.

Ich glaube ja immer mehr, dass wir da gerade eine tektonische Verschiebung auf und zukommen sehen.

## To suggest is to create; to describe is to destroy

"To suggest is to create; to describe is to destroy"

(Quelle: https://twitter.com/rstephens/status/1517876585759604741)

Kommentar:

Robert Doisneau ist ein Quell toller Zitate. "Wenn ich wüsste, wie man ein gutes Foto macht, dann würde ich das immer tun" soll von ihm sein.  

Und auch "To suggest is to create; to describe is to destroy", "Andeuten heißt erschaffen, beschreiben heißt zerstören" – und das halte ich für eines der fundamental wichtigen Zitate in der Fotografie.

Um dieses Prinzip zu lernen, das Robert Doisneau (https://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Doisneau) hier in einem einzigen Satz mal eben auf den Punkt bringt, habe ich über 20 Jahre gebraucht.

Besonders deutlich wurde mir das vor Jahren bei der Beratung einer Firma für Fertighäuser. In deren Katalog, der hauptsächlich aus fotorealistisch gerenderten Bilder bestand, war die Anforderung: alles muss sichtbar sein, keine versteckten Ecken, in diese Außenansicht bitte noch eine zweite Sonne einbauen, Schatten sind böse, der Kunde muss alles sehen können.

Doisneau wusste, dass das Erklären, das lückenlose Aufdecken, das nichts offen Lassen, dem Bild und der Emotion schadet. Geheimnisse eröffnen beim Betrachten Interpretationsspielraum und in der Fotografie entsteht erst dadurch das Interesse, die Geschichte. Da wo kein Licht ist, beginnt das Nachdenken, das Geschichten erzählen und erfinden. Alles zu Ende erklären hilft nicht. Ganz im Gegenteil. Im Fall der Fertighäuser äußert sich das in einem deutlichen Mangel an Emotion.

Wie sieht das bei euren Fotos aus? HDR anyone?

Okay, das war's. Da ich vom 27.5.-5.6. weg sein werde, könnte es nächstes Wochenende nochmal etwas holpern hier beim CM MAGAZIN. Ich werde aber versuchen, beim Workshop das eine oder andere Nerd-Thema abzugreifen, das sollte eigentlich machbar sein. Nur falls das Magazin mit etwas Verspätung kommt, dann wisst ihr warum.

So, und ich vergrabe mich jetzt wieder in mein lästiges Steuerzeug.. und ihr, habt ne tolle Woche!

Chris

PS: Du kannst dieses Magazin gratis lesen, aber gerne auch finanziell unterstützen. Dafür bekommst Du z.B. zusätzlich die Podcast-Version mit Diskussionen zwischen Chris und seinen Gästen, in Deinem ganz persönlichen Feed in Deinem Podcast-Client.

Die Podcast-Version zum Hören, mit Holger Klein, Thomas Brandt und Chris Marquardt:

Supporter bekommen diesen Podcast immer sofort nach Erscheinen im eigenen Podcast-Player. Die Web-Version hier ist für alle frei zugänglich, wird aber immer erst zwei Tage nach Erscheinen des CM MAGAZIN veröffentlicht.

Das war's erst mal!

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