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#008 Force-Feedback-Schaltungssimulator

Hallo! Dies ist die gratis Text-only-Version des CM MAGAZIN.

In der 🎧-Unterstützer:innen-Podcast-Version diskutiert Chris heute mit Thomas Brandt, Holger Klein & Monika Andrae über die Artikel.

Chris sagt hallo - und gibt euch einen kleinen Preview auf den Podcast 😈

Puh, die Welt macht gerade keinen Spaß. Und seit letzter Woche ist nicht besser geworden. 

Ich möchte diese Woche deshalb auf ein paar Dinge hinweisen. 

1. Einige der Beiträge wurden vorher aufgenommen. Ich bitte daher zu entschuldigen, falls der Ton nicht immer der richtige ist. 

2. Wir haben aktuell bei Happy Shooting einen Spendenaufruf laufen. Wir sammeln dort Geld, verdoppeln das und spenden es weiter an die UNO-Flüchtlingshilfe. Ihr könnt auch direkt dort spenden, die Hilfsorganisationen und Menschen vor Ort können das gebrauchen https://uno-fluechtlingshilfe.de

3. Falls euch das Geschehen in der Ukraine gerade etwas Angst oder zumindest Unwohlsein macht, dann seid euch gewiss, dass ihr nicht alleine seid. Vielen anderen (mir auch) geht es genau so und vielleicht schafft es dieses Magazin, euch am Wochenende etwas Ablenkung zu verschaffen. Das Schreiben war für mich zumindest recht therapeutisch.

Zu dieser Ausgabe: Heute mit gleich drei Gästen. Bzw. zwei Gästen und einer Gästin. Mit Thomas Brandt (https://chaos-media.de) rede ich über die THG-Quote (Elektrofahrer aufgepasst), mit Holgi (https://wrint.de/) gibt es den Lachflash (ist aber auch alles zu komisch) und mit Moni (https://monikaandrae.com/) rede ich über Fotos und das Gespenst 👻 Phantom der Phantom-Entladung.

Euch wünsche ich viel Spaß mit der heutigen Ausgabe. Ich freue mich wie immer auf euer Feedback oder vielleicht sogar auf Diskussionen in den Kommentaren.

Auf auf!

Die Themen:

  • Die Treibhausgasminderungsquote (Chris & Thomas) #mobilität
  • 🎧 Das Elektroauto abwürgen [heute gratis] (Chris & Holgi) #mobilität #comedy
  • Röntgenfilm im Biest (Chris & Moni) #fotografie
  • Elektrische Phantomschmerzen (Chris & Moni) #mobilität

## Die Treibhausgasminderungsquote

"Eine praktische Anwendung für die Halter von rein batteriegetriebenen Elektroautos ergibt sich daraus ab 2022, da für THG-Quote ca. 300 Euro geboten werden, die gegen Vorlage der Kfz-Zulassungspapiere von Vermittlern an den Halter ausbezahlt werden. Für spätere Jahre werden höhere Beträge in Aussicht gestellt."

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Treibhausgasminderungsquote)

[In der 🎧-Unterstützer:innen-Podcast-Ausgabe diskutieren diesen Artikel Thomas Brand und Chris Marquardt]

Kommentar:

Seit 2022 gibt es Geld für Elektrofahrerinnen. Die Treibhausgasminderungsquote (kurz: THG-Quote, nicht zu verwechseln mit CO2-Zertifikaten) beschert Besitzerinnen von E-Fahrzeugen immerhin ein paar hundert Euro im Jahr. Tendenz voraussichtlich steigend.

Dieses Geld kommt von der Industrie und da liegt für manche der Haken. Wer sich über ein entsprechendes Unternehmen die Ausschüttung der THG-Quote holt (z.B. von Carbonify), erhält diese von der Industrie, die damit dann wieder mehr Treibhausgase erzeugen darf.

Was tun? Nicht mitmachen und bares Geld verschenken? Mitmachen und ein schlechtes Gewissen haben, weil letztlich die Treibhausgas erzeugende Industrie davon profitiert?

Manche entscheiden sich ja dafür, das Geld dann in klimafreundliche Dinge zu investieren.

## Das Elektroauto abwürgen

"Toyota doesn't seem to believe that has to be the case, though, as it has patented mechanisms that'd let an electric vehicle simulate the operation of a manual down to the last gritty, gear-grinding detail."

(Quelle: https://www.thedrive.com/news/44261/toyota-has-a-patent-to-recreate-manual-transmissions-for-evs)

Chris und Holger lachen sich schlapp:

Kommentar:

Wenn ich meine Mutter frage, was sie an ihrem kleinen Elektroauto (ein VW e-Up!) am tollsten findet, dann lauten ihre Antworten nicht "weil ich es zuhause laden kann" oder "weil es keinen Lärm macht". Sie sagt dann "weil ich nicht mehr schalten muss".

Was meiner Mutter Freude bereitet, sieht Toyota offenbar anders. Der japanische Autobauer gehört zu der langsam verschwindenden Spezies derer, die sich gegen die vollständige Elektrifizierung sträuben und die sich trotz im Vergleich drastisch niedrigerem Wirkungsgrad selbst vom Wasserstoff für PKWs noch nicht ganz verabschiedet haben.

Außerdem scheint Toyota zu glauben, dass Umsteiger nicht nur das Brumm-Brumm des Motors vermissen, sondern besonders das manuelle Gangschalten. Nur so kann ich mir deren neues Patent für einen Gangschaltungssimulator eklären. Ich wollte es zunächst nicht ganz glauben, aber es handelt sich dabei wohl tatsächlich nicht um einen verfrühten Aprilscherz.

Toyota hat einen künstlichen Schalthebel patentiert. Mit "Kupplungspedal" und "Drehzahlmesser". Hebel und Pedal mit Force-Feedback. Mit denen soll sowohl das Gangschalten als auch das zugehörige Fahrverhalten simuliert werden. Nun lässt sich mit Elektromotoren und der entsprechenden Ansteuerung die Drehmomentkurve eines Verbrennermotors ohne größere Probleme nachbilden. Auch das vom-Gas-gehen, auskuppeln, schalten, einkuppeln, wieder Gas geben, kann selbstverständlich in Software gegossen werden. 

Die Frage ist nur: warum um Himmels willen?

Die Kollegen des "Accidental Tech Podcast" spekulieren dazu in Folge 470 (Sprungmarke: 1:51:45) und kommen zum Schluss, dass es sich dabei wohl um so etwas wie ein Videospiel handeln muss.

Das Sahnehäubchen: Laut Patent soll sich damit sogar das Abwürgen des Motors simulieren lassen. Wann (oder ob) sich dieser Wahnsinn irgendwann serienmäßig in den Fahrzeugen von Toyota wiederfindet, ist offen. Oder kommt Toyota vielleicht doch noch zur Vernunft?

## Röntgenfilm im Biest

[In der 🎧-Unterstützer:innen-Podcast-Ausgabe diskutieren diesen Artikel Monika Andrae und Chris Marquardt]

Zwei Bilder des gleichen Objekts, zum gleichen Zeitpunkt fotografiert, mit verschiedenen Kameratechnologien, die Jahrzehnte auseinander liegen. Fotografiert von zwei unterschiedlichen Menschen.

Der Hintergrund: Kürzlich waren Moni und ich an einem sonnigen Sonntagnachmittag unterwegs, um zu fotografieren. Ein kleiner Ausflug in die Herrenhäuser Gärten in Hannover. Anlass für den Ausflugs war eine Nachforschung für unser Buch "Absolut analog". Moni hatte für ein neues Kapitel über Kreativfilme die Penatx 67 ("Das Biest") im Gepäck und die Taschen mit ein paar Röntgenfilmen beladen, die getestet werden wollten

Eine Analyse zweier Bilder.

(Foto: Monika Andrae, analog, Röntgenfilm, Pentax 67)

Die oberflächlichen Gemeinsamkeiten: Gleiche Location. Gleiche Zeit. Beide Bilder Schwarzweiß. Die oberflächlichen Unterschiede: Der Standort unterscheidet sich und auch die Brennweiten. Das eine Bild ist sehr weich in der Anmutung, das andere wirkt schon fast klinisch scharf.

Ich war faul und hatte nur das iPhone 13 Pro dabei.

Röntgenfilm ist nicht nur für Röntgenstrahlung empfindlich, er wird auch von sichtbarem Licht belichtet. Im Gegensatz zu herkömmlichen Schwarzweißfilmen fehlt ihm die sogenannte Lichthofschutzschicht. Das ist ein Teil der Emulsion, der Lichtreflexe im Filmträger reduziert und dadurch schärfere Bilder ermöglicht. Ohne diese Schicht strahlen helle Bildteile gerne in die dunkleren Bereiche hinein und bilden dadurch eine Aura. Im Bild äußert sich das, in Kombination mit der längeren Brennweite, durch höhere Weichheit, fast schon Unschärfe. 

(Foto: Chris Marquardt, digital, iPhone 13 Pro, Ultra-Weitwinkel)

Das voll-digitale iPhone ist, alleine durch den kleinen Sensor, mit hoher Schärfentiefe gesegnet. Besonders, wenn die Ultra-Weitwinkelkamera mit ihren umgerechnet 13mm Brennweite zum Einsatz kommt. Das Gras im Vordergrund ist so scharf wie der Pavillon hinten. Der große Bildwinkel schlägt sich auch in hohen Kontrasten nieder. Die Belichtung konzentriert sich auf die richtige Belichtung des hellen Pavillons. Ein Wenig Nachbearbeitung mit Bordmitteln (Schwarzweißumwandlung, Kontraste, etwas zusätzliche Vignette).

Fazit: Kameras machen weder gute noch schlechte Fotos. Selbst die modernste Kamera nimmt einem nicht die Entscheidung von Brennweite, Standort oder Nachbearbeitung ab. Das Medium ist das Photo (frei nach Marshall McLuhan).

Die Links zu den Bildern auf Glass.photo:

Pavillon (Monika Andrae, analog, Röntgenfilm, Pentax 67) Pavillon (Chris Marquardt, digital, iPhone 13 Pro, Ultra-Weitwinkel)

## Elektrische Phantomschmerzen

"Nach 14 Tagen ist die Batterie leer"

[In der 🎧-Unterstützer:innen-Podcast-Ausgabe diskutieren diesen Artikel Monika Andrae und Chris Marquardt]

"Nach 14 Tagen ist die Batterie leer" las ich kürzlich irgendwo. Die böse böse Selbstentladung, auch Vampir-Drain oder Phantomverlust. Aber wie schnell entlädt sich die Batterie eines Elektroautos beim dumm rumstehen denn jetzt wirklich? Und warum? Ich zerlege das mal eben für euch.

Drei Hauptgründe: 

Die Selbstentladung: Jede Batterie verliert mit der Zeit und ganz ohne Verbraucher durch chemische Prozesse Ladung. Darum haben die AA-Batterien im Laden ein Mindesthaltbarkeitsdatum und auch EV-Akkus sind davon nicht verschont. Wikipedia gibt die Selbstentladung bei Lithium-Ionen-Akkus mit ca. 4% pro Monat an. Wenn das alles wäre, könnte man sein vollgeladenes Elektroauto also locker einige Monate stehen lassen.

Dazu kommen jetzt noch die Standby-Verbraucher: Elektroautos sind nicht aus, wenn sie aus sind. Bei vielen Modellen ist ein Mobilmodem mit SIM-Karte an Bord, um das Fahrzeug per App z.B. zu erreichen. Zum Beispiel fürs Vorheizen im Winter. Für das Horchen im Mobilnetz wird nicht die Hochvoltbatterie verwendet, die sich im Boden des Fahrzeugs befindet, sondern eine ganz ordinäre 12-Volt-Batterie, wie wir sie aus dem Verbrenner kennen. Fällt deren Ladestand unter einen bestimmten Wert, dann wird sie durch die Hochvoltbatterie nachgeladen. So kommen pro Monat nochmal ein paar Prozent Ladungsverlust zusammen.

Das war's aber immer noch nicht ganz. Je nach Hersteller und Fahrzeugmodell gibt es da z.B. Apps von Drittherstellern, die regelmäßig Fahr- und Batteriestatistiken vom Fahrzeug beziehen. Oder Hersteller wie Tesla bieten zum Beispiel eine Kameraüberwachung der Fahrzeugumgebung, die den Verbrauch nochmal deutlich erhöhen kann. Diese Verbraucher werden in der Regel bei Unterschreiten eines bestimmten Ladestands abgeschaltet, verbrauchen bis dahin aber mitunter schon ordentlich was.

Mal konkret. Ich habe das beim Tesla Model 3 Standard Range (BJ 2021, LFP-Akku, 55 kWh) mal nachgeschaut: Einfaches rumstehen bei winterlichen Temperaturen (und ohne Sonderschnickschnack) verbraucht zwischen 0,2 kWh und 0,45 kWh pro Tag. Beim konkreten Fahrzeug sind das also im besten Fall 6 kWh (11%) pro Monat und im schlechtesten Fall 14 kWh (25%).

Dann also entspanntes Langzeitparken.

Huch, schon wieder rum? Jemand müsste mir mal mehr Zeit kaufen, dann könnte ich auch mehr schreiben. 

A propos schreiben. Lest ihr eigentlich eher oder hört ihr lieber? Nicht, dass ich mir hier die Finger fusselig schreibe und es interessiert am Ende gar niemanden :) 

Lasst mal hören. @dascmmagazin auf Twitter oder an chris@chrismarquardt.com - ich freue mich auf Inputs.

Habt eine gute Woche, lasst euch nicht ärgern und legt im Zweifel die Social Media mal ein paar Tage auf die Seite.

Chris

PS: Du kannst dieses Magazin gratis lesen, aber gerne auch finanziell unterstützen. Dafür bekommst Du dann zu vielen Artikeln zusätzlich noch zum Hören Diskussionen zwischen Chris und seinen Gästen. Diese Woche: Thomas Brandt & Holger Klein & Monika Andrae

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