Zum Hauptinhalt springen

#107 Katharina Reuter – Nachhaltigkeit radikaler denken

Diese Woche in der Zukunft:

Was wissen wir alle noch nicht über Nachhaltigkeit? Katharina Reuter sagt: Wir sind uns immer noch nicht der Dramatik unserer Situation bewusst. Dass Nachhaltigkeit ein Thema ist, haben inzwischen viele verstanden. Unternehmer:innen ohnehin, aber auch Verbände. Aber mit welcher Drastik wir an die Kerngeschäfte unserer Unternehmen, an die Regularien unserer Gesellschaft und unser Konsumverhalten ranmüssen, ist doch noch nicht überall präsent. Hinter der Fassade begegnet Katharina immer noch und immer wieder die Annahme, im Kern könne doch noch eine Weile alles im Wesentlichen so bleiben wie es ist und immer schon war. Überraschung: Kann es nicht. Katharina sagt: Das dürfen wir schon aus purem Selbstschutz nicht tun.

Wie können wir jetzt also ein Gespür für diese Dringlichkeit herstellen? Ganz offensichtlich eine der Kernfragen. Ein Tankrabatt hilft jedenfalls nicht …. Spannend ist auf jeden Fall unsere Sprache. Warum nennen wir das eine Banane und das andere Biobanane – anstatt von Banane und Pestizidbanane zu sprechen? Unser Bild von Normalität steht in Frage. Das neue Normal braucht auch neue Begriffe. Was wäre denn ein attraktiver Begriff, den wir statt „Ressourceneffizienz“ verwenden könnten? Wer einen Vorschlag hat, immer her damit.

Schauen wir in die Zukunft: Wenn wir es in zehn Jahren geschafft haben werden, uns schnell genug in Richtung Nachhaltigkeit zu verändern – wo stehen wir dann? Katharina sagt: Hoffentlich haben wir dann endlich unsere Prioritäten sortiert, haben in unseren Strategien und Zielsystemen verankert, dass Nachhaltigkeit gleichberechtigt neben unternehmerischem Erfolg steht. Ökologie, Soziales und der Profit eines Unternehmens können nicht mehr über oder untereinander vorkommen. Katharine betont: Wir haben nicht mehr die Wahl, einfach so weiterzumachen wie bisher, also sollten wir alle Radikaler denken und nicht darauf warten, dass es jemand vor uns tut.

Eine offene Frage: Warum lassen wir uns immer noch Diskussionen von gestern aufnötigen? Ein Erklärungsansatz: Während die weit überwiegende Mehrheit von Unternehmen längst verstanden hat, dass die Transformation zu mehr Nachhaltigkeit zwar radikal, aber der Weg zum Erfolg ist, hängen die klassischen Verbände vielfach hinterher und warten noch auf den letzten, der noch in seiner alten Welt hängt. Vielleicht brauchen wir neue Verbände?

Zu Gast in dieser Woche:

Katharina Reuter, CEO des Bundesverbands Nachhaltige Wirtschaft (BNW)

Nur Mitglieder, die Zugang zu diesem Post haben, können Kommentare lesen und schreiben.