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Wir, die Corona-Schule und die Statistik

Was haben die Kinder der Statistik über unseren Umgang mit dem Fernunterricht während der Corona -Krise gesagt und welche Folgerungen können wir daraus für die Zukunft ziehen?

Was haben die Wissenschaftler denn nun gemacht und was weiß die Statistik über die Kinder im Corona-Fernunterricht?

Es wurden 8344 Schüler*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im Alter zwischen 6 und 20 Jahren befragt.

Die Kinder mussten sich selbst einschätzen, auch ihren Lernerfolg. Die Meinung der Eltern oder die Beurteilung der Leistungen der Kinder durch die Lehrer fließen also nicht in die Antworten mit ein.

Was ist nun bei dieser Untersuchung herausgekommen?

Zunächst mal zum Lernerfolg, der viele Gemüter erregt und damit platzt auch gleich die Bombe:

Den größten positiven Effekt auf den Lernerfolg von Schüler*innen haben...positive Emotionen! Negative Emotionen wirken, wie soll es auch anders sein, negativ auf den Lernerfolg aus.

Mit positiven Emotionen ist zum Beispiel die Freude über neue Unterrichtsmethoden und mit negativen Emotionen die Langeweile gemeint.

Qualität des Fernunterrichts und die Selbstständigkeit der Schüler*innen wirken sich zwar auch positiv aus, der Effekt ist aber nicht so groß wie bei positiven Emotionen.

Nun wollen wir Eltern ja, dass unsere Kinder erfolgreich beim Lernen sind und es stellt sich die Frage, wie wir diese trockenen statistischen Ergebnisse für uns nutzen können.

Die erste, fast schon zu banale, Schlussfolgerung wäre, dass wir für positive Emotionen bei unseren Kindern sorgen sollten. Günstig wirken hier ein guter Lehrer*innen-Schüler*innen Kontakt und die Selbstständigkeit der Schüler*innen.

Nun können wir ja denken, dass wir keinen Einfluss auf die Beziehung unseres Kindes mit dem/der Lehrer*in haben und zum Teil stimmt das auch. Aber wir können beobachten und reflektieren und wenn wir das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt, selber den Kontakt zum/zur Lehrer*in suchen. Höflich. Dann haben die meisten auch ein offenes Ohr.

Und dann war da ja noch die Selbstständigkeit! Gemeint war in dieser Befragung zum Beispiel die Fähigkeit, den Tag selbst zu planen. Das können die Kinder nicht von heute auf morgen lernen. Es ist ein langfristiges Ziel und vielleicht können unsere Kinder die Früchte während der Corona-Pandemie noch gar nicht ernten. Aber später ganz bestimmt.

Das einfachste was wir jetzt, unter diesen Umständen, machen können, ist die Kinder in unseren Alltag einbeziehen und ihnen eine Stimme geben. Sie lernen von uns, auch wenn wir das nicht sehen. Sie übernehmen unsere Modelle. Und ganz nebenbei, je mehr wir die Kinder an unserem Leben TEILhaben lassen, desto mehr öffnen sie sich. Das wird Eltern, deren Kindern heute noch kleiner sind, in Zukunft in vielen Situationen retten.

Was wir noch tun können, ist negative Emotionen abmildern. Denn fehlende elterliche Unterstützung geht insbesondere mit negativen Emotionen einher. Das heißt nicht, dass wir jede Aufgabe mit unseren Kindern gemeinsam machen müssen. Manchmal reicht auch die Frage: "Gibt es etwas, was ich für Dich tun kann?" oder "Lass uns gemeinsam überlegen, wie wir Deine Lernzeit so angenehm wie möglich gestalten können!".

Und ganz nebenbei gesagt, bedeutet ein höherer Lernaufwand auch bei diesen Schüler*nnen nicht unbedingt besseren Lernerfolg. Deshalb gilt manchmal auch: "Locker lassen und durchatmen!". Das gleiche gilt auch für den Umgang mit der Pandemie in der Familie. Hat das Kind das Gefühl, dass die Eltern gut mit der Situation umgehen (das bedeutet nicht, dass die Eltern keine Sorgen haben dürfen!), mildert das sehr stark die negativen Emotionen des Kindes.

Die Studie beweist also wieder das, was wir alle instinktiv wissen. Kinder brauchen unterstützende Eltern, die ihr Verhalten reflektieren und den Kindern, wie auch allen anderen Menschen, mit Achtung gegenübertreten. Und wenn das schon in Corona-Zeiten wirkt, welche bombastische Wirkung zeigt dann dieser Umgang erst in ruhigen Zeiten?

Literatur:

Huber, S.G. & Helm, C. (2020): Lernen in Zeiten der Corona - Pandemie. Die Rolle familiärer Merkmale für das Lernen von Schüler* innen: Befunde vom Schulbarometer in Deutschland, Österreich und der Schweiz, in: DDS - Die deutsche Schule, Beiheft 16, S. 16-30.

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