Es geht weiter. Immernoch.

Wir sind dankbar und sorgenvoll zugleich. Erleichtert und in Hab-Acht-Haltung. Bald 2 Jahre Pandemie und wir können weiterhin unsere Miete bezahlen! Wer nicht dieses Glück hat, wer Nachrichten liest, wer Freiberufler*innen im eigenen Umfeld hat, weiß, wie wenig selbstverständlich das ist!

Wir waren beide noch nie fest angestellt, wir haben immer freiberuflich gearbeitet. Noch während des Studiums haben wir angefangen Radio zu machen, Kurzbeiträge, Regieassistenz, Sprechtraining, Manuskripte, Featureproduktionen… parallel dazu Fortbildungen, Lehraufträge an Unis, Erwachsenenbildung, Seminare. Und dabei sind wir viele Jahre lang geblieben. Mit der Veröffentlichung unserer Bücher kamen Lesungen, Vorträge, Einladungen zu Podiumsdiskussionen dazu.

Seit 2018 haben wir mit Gründung von klische*esc e.V. und der 'Initiative Equal Care Day' viel Zeit investiert, ein ehrenamtliches Team aufzubauen. Wir haben Gleichgesinnte gesucht (und suchen weiterhin:), die unser Projekt 'Goldener Zaunpfahl' mit uns fortführen, die den nächsten 'Equal Care Day' organisieren. Wir wollten mehr mit Menschen zusammenarbeiten, die Lust haben auf #RosaHellblauFalle-Projekte und haben dadurch weniger Radioproduktionen  umgesetzt. Stattdessen waren wir noch viel mehr unterwegs auf Bühnen und in Tagungräumen, Zugfahrten, Mini-Tourneen…

Und dann - plötzlich nicht mehr. Gar nichts.

Am 29. Februar fand grade noch der Equal Care Day Day 2020 statt - unsere vorerst letzte große, öffentliche Veranstaltung. Im März, April 2020 hagelte es dann Absagen und wir hatten plötzlich keine Aufträge mehr. Ohne Publikum und ohne Bühnen keine Veranstaltungen, ohne Teilnehmer*innen keine Seminare, keine Reisen. Seit Beginn der Pandemie sind wir durch alle Raster der finanziellen Unterstützungen gerutscht. Und öffentliche Gelder für feministische Projekte zu bekommen, war schon immer schwierig und ist es nach wie vor. Nicht einmal unser Schwerpunktthema 'Equal Care' (equalcare.de) hat uns dabei viel geholfen. Außerdem ist Fundraising eine Wissenschaft für sich und unfassbar zeitaufwändig. Da bleibt wenig Kraft für das, was wir doch eigentlich mit genau dieser finanziellen Unterstützung machen wollen würden.

Zum Glück sind die meisten Veranstalter*innen auf Online-Events umgestiegen und im Herbst 2020 hatten wir genug Anfragen, um diesen Teil unserer Arbeit wieder aufzunehmen. Das ist wirklich ein Segen, und war so gar nicht vorherzusehen. Seither können wir unsere ehrenamtlichen Projekte wieder zu einem Teil querfinanzieren. Was aber geblieben ist aus diesen Monaten der Ungewissheit, ist die ständige Frage: "Wird sich das auszahlen?" und die Überlegungen, was wohl nächstes Jahr sein wird. Wofür werden Menschen Geld geben wollen, und wird etwas dabei sein, das wir bieten können? Um Ideen zu entwickeln, um aktivistische Aktionen zu erfinden, um Manuskripte zu schreiben für Radiosendungen… kurz: für jedes kreative Projekt sind diese Überlegungen Gift! Wie schön wäre es stattdessen, einfach machen zu können. Etwas umsetzen, weil es Spaß macht. Einer Idee nachgehen, ohne schon gleich zu Beginn zu überlegen, ob sie am Ende jemand kaufen möchte.

Und jetzt sind wir hier. Hoffnungsvoll und neugierig. Mit einem ersten Eintrag.

Noch sind wir auf der Suche, wie wir hier in guten Austausch kommen können mit Menschen, die unsere Projekte gut und wichtig finden. Denn in den letzten vielen Monaten ist das überwiegend auf Twitter und Instagram passiert. Aber Social Media (Insta @rosahellblaufalle) hat seine eigenen Regeln, und wo es um Rollenbilder, Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit geht, landen auch schnell die Hater im Postfach. Von denen wollen wir weniger. Braucht kein Mensch. Dafür Rückenwind und Feedback von Gleichgesinnten. Um uns weiterzuentwickeln und um Ideen umsetzen zu können, die vielleicht auf den ersten Blick nicht ins Profil passen.

In diesem Sinne: herzlich Willkommen hier, und auf ein gutes Miteinander!

Almut & Sascha

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