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Gendermarketing - wenn schon, dann ehrlich!

Wir wünschen uns mehr Aufrichtigkeit und Selbstreflexion von Unternehmen im Umgang mit Kritik von Außen anstatt eines reflexhaften Abwehrens in Palmström-Manier ("Weil nicht sein kann, was nicht sein darf"). 

Anlass für diesen Post ist die Verleihung des Goldenen Zaunpfahl, Negativpreis für absurdes Gendermarketing. Die bereiten wir aktuell wieder vor und gehen damit ins sechste Jahr. (Wer aktiv mit ins Team einsteigen und den Preis mit organisieren möchte, jetzt ist ein guter Moment. Infos unter: klischeesc.de/mitmachen - egal wo Du bist, Du solltest nur ab nach den Sommerferien bis Anfang Dezember 2 Std+ pro Woche Zeit haben)

Anlass damals war rosa bzw. blau abgepacktes Wasser, zwei unterschiedliche Flaschen, selber Inhalt (hoffentlich). Für Wasser! Kann man tiefer sinken? Ja, geht. >> goldener-zaunpfahl.de 

Letztes Jahr haben wir dann die Sonderkategorie 'Equal Care' eingeführt. Darunter treffen sich Firmen, die einerseits über den Fachkräftemangel in MINT oder SAHGE-Berufen weinen und gleichzeitig in ihrer Außenwerbung auf abenteuerlustige Jungs und niedliche Prinzessinnen setzen. Den (Groß)Eltern von Jungs empfehlen sie eine Werkbank zu Weihnachten, während für die Zielgruppe Mädchen die Spielküche empfohlen wird, alternativ auch gerne ein pinkes Putzset oder die fünfte Puppe, die "Mamaaaa" sagen kann. Merkt jemand was? Nein? 

Nein! Es merken noch viel zu wenige, dass es um mehr als nur Farben geht. Die häufigsten Antworten von Unternehmen, die wir seit 5 Jahren im  Rahmen des Zaunpfahl-Projekts anschreiben:

🤑"Was wollt Ihr von uns, das ist doch nicht unser, sondern Problem der Eltern"

🤑"Es gibt einen Bedarf, also bedienen wir den, für den können wir ja nichts"

🤑"Wir wollen das eigentlich gar nicht, wir reagieren nur auf Kundenwünsche"

🤑"Ihr habt wohl keinen Humor, wenn Ihr nicht seht, wie lustig unsere Werbung ist!"

Wie bitte? Können wir mal bei den Tatsachen bleiben? Es ist kein Geheimnis, dass Werbung Bedürfnisse schafft, wo vorher keine waren! Kundenwünsche - dass ich nicht lache! Warum gibt es dann ein Verbot von Zigarettenwerbung? Wo bleibt die Werbung für Obst und Gemüse im Kinderfernsehen? Absurder Wunsch? Ich bin aber doch Kundin!?!

Ehrlich wäre:

"Ja, wir setzen auf Geschlechtertrennung und Rollenklischees im Marketing, denn wir wissen, dass wir damit den Umsatz erhöhen können. Dass das negative Folgen für Kinder hat, davon hören wir bei Euch zum ersten Mal, und es interessiert uns tatsächlich so wenig, dass wir nichtmal nachlesen, um mehr zu erfahren. Es würde auch nichts ändern, denn wir müssen Zahlen liefern und verkaufen, und das scheint ja zu klappen. Dass wir einen Teil der Zielgruppe ausschließen, wenn wir nur die Hälfte ansprechen, darüber haben wir noch nie so genau nachgedacht, denn Gendermarketing ist In und was alle machen, machen wir auch. Wir würden uns sonst auch (im Netzwerk der Spielwarenindustrie) Feinde machen, wenn wir uns jetzt plötzlich öffentlich gegen Gendermarketing positionieren würden. Ja, wir haben selbst auch Kinder und wollen, dass die glücklich und selbstbestimmt aufwachsen, aber das trennen wir lieber von unserem beruflichen Tun, das hält unser Gewissen sonst schlecht aus. Und einen Shitstorm kassiert man als Unternehmen in Deutschland sowieso nur für plakativen Sexismus, wenn überhaupt, also lassen wir das Thema vorerst nicht allzu sehr an uns heran, und machen erstmal einfach weiter so. Klischee Olé!"

🙄

In Spanien wurde sogar im Mai 2022 ein Gesetz verabschiedet, das der Spielwarenindustrie Geschlechterklischees in der Werbung verbietet. Hierzulande sei aber der Druck der Gesellschaft nicht hoch genug, also kein Grund etwas zu verändern. Dem wollen wir abhelfen! 5 Jahre Zaunpfahl genügt also nicht. Bitteschön, könnt Ihr haben. Wir machen weiter. Hilfst Du uns dabei? 

>> Der Goldene Zaunpfahl bei Insta

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