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Erhöhte Selbstmordgefahr für Frauen mit ADS / ADHS

Eine kanadische Studie untersuchte das Risiko für Selbstmordversuche bzw. Suizide bei Männern und Frauen aus dem ADHS-Spektrum.

Dabei zeigte sich eine 8 mal höhere Gefahr für Suizidversuche bei Frauen mit ADHS, bei Männern immerhin 4,5 mal häufiger. 

Gerade die Feiertage und der Jahreswechsel sind ja für uns Psychiater in den Kliniken eine Hochrisiko-Zeit für entsprechende Suizidversuche. Leider unterbleibt dann aber aus den verschiedensten Gründen eine genauere "Abklärung", was eigentlich hinter diesen Verzweifelungstaten bzw. Hilfeschreien eigentlich steht. In der Studie zeigte sich, dass 24 Prozent der diagnostizierten ADHSlerinnen in ihrem Leben einen Selbstmordversuch machen. Das ist eine wahnsinnig hohe Zahl (gegenüber "nur" 3 Prozent der Frauen ohne ADHS).

Letztlich wird es eine Vielzahl von Faktoren geben, die dann zu so einer Verzweifelungstat führen. Ich erlebe es auf meiner derzeitigen Station leider immer wieder, dass gerade die emotionale Überempfindsamkeit und die Anhäufung von vielen Gefühlen auf einmal bzw. eine innere Uneindeutigkeit von Gefühlen für die Betroffenen schlicht unaushaltbar ist. Wenn man "zuviel" wahrnimmt bzw. innere Widersprüche von zu vielen Wahrnehmungen und Spannungen erlebt, dann ist das wirklich brutal. Wenn dann aber vom Umfeld (und leider eben auch uns Ärzten und Therapeuten) statt Verständnis eher Vorwürfe und fehlende Wirksamkeit der gängigen Therapien angeboten wird, dann kann ich es sogar irgendwie nachvollziehen. 

Wenn herkömmliche Therapievorschläge wie die Gabe von Antidepressiva (z.B. SSRI) und / oder Verhaltenstherapie nicht "greifen" und Stimmungsprobleme, innere Anspannung und Unruhe bzw. andere psychische Probleme mit Beginn in Kindheit oder frühem Erwachsenenalter anhaltend fortbestehen, sollte und muss unbedingt an ADHS gedacht werden. 

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