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Glimmer

Drei Wochen Sommerferien sind rum. Sie sind ohne große Ereignisse an uns vorübergezogen. Träge Tage.

Wir haben wenig unternommen, haben keine Sommerlisten abgehakt und kein einziges Mal gegrillt und waren nur einmal im Freibad. Dafür haben wir Berge von Büchern verschlungen und Musik gehört und Freunde getroffen und waren meistens am See anzutreffen.  

Du findest mich diesen August meistens im Garten oder in der Küche, denn die Ernte ist im vollen Gange und die will verarbeitet werden. Das Haus braucht etwas Liebe, ich putze die Fenster. Und auch die Familie braucht Liebe und das ist eine Arbeit, die kein Ende nimmt, die einen gelegentlich sogar aussaugt und die einem das Gefühl geben kann, dass man keine „Rendite“ erntet. Aber ich bin hartnäckige Investorin, nicht nur in die Menschen, die ich am meisten liebe, sondern auch in mich selbst. Mich selbst zu lieben sieht dieser Tage fürchterlich langweilig aus (ausreichend schlafen, ordentlich essen, Bewegung) aber es wird sich auf lange Sicht auszahlen.  

In letzter Zeit begegnet mir immer öfter der Begriff „Glimmer“. Ich glaube, eine us-amerikanische Psychologin hat diesen Begriff als Gegenstück zu „Trigger“ in Umlauf gebracht. Trigger sind uns ja mittlerweile bekannt, man denke nur an die Triggerwarnungen, die vor Inhalten warnen, die besonders traumatisierte Menschen erschrecken könnten.  

Glimmer hingegen sind vorüberziehende Momente, die in uns Leichtigkeit, Sicherheit und Entspannung auslösen können. Gut fürs Nervensystem! 

Hach, ich könnte jetzt ein bisschen Glimmer vertragen. Du sicherlich auch, oder? Das Verzwickte an der Sache ist nur, dass man sich Glimmer wie die meisten guten Dinge im Leben nicht kaufen kann. Man kann nur Augen und Herz aufsperren. Gerade an den müden, düsteren, schweren Tagen.   

Bei dem Wort Glimmer muss ich an die Glühwürmchen in unserem Garten denken, die abends liebestrunken entlang der Hecke tanzen, egal ob jemand zuschaut oder nicht. Wenn ich hinsehe, bleibt mein Herz kurz stehen.  

Ich habe mich diese Woche auf Glimmersuche gemacht. Hier meine flüchtigen Momente, in denen ich feststellte, dass das Leben eine ganz großartige Sache sein kann:  

  • Als mein Mädchen von einer Teeparty mit ihren Freundinnen nach Hause kam mit einem Blumenkranz im Haar. 

  • Mit meinem anderen Mädchen im herrlichsten (Öffnet in neuem Fenster)Schlosscafe (Öffnet in neuem Fenster) in Bad Mergentheim frühstücken und dabei über Freundschaften, Bücher, Musik und Politik reden (sie ist redselig, die Liebste).

  • Und frühmorgens mit beiden durch den frischen Sommerwald laufen. 

  • Als ich im Schweiße meines Angesichts die Fenster putzte, mein Blick dabei auf den Miniteich fiel und ich die allererste Seerosenblüte entdeckte.
     

  • Dieser Moment vorgestern Nacht als ich über den warmen Hof ging, über mir der Sternenhimmel und in der Ferne der einsame Ruf der Waldohreule. 

  • Buchpassagen, die ich dreimal lesen muss, weil sie so sehr zu mir sprechen.
     

  • Der seelsorgerliche Anruf einer Freundin. 

  • Als Mann und Kinder ohne Aufforderung in der Waschküche verschwanden, um die Wäsche aufzuhängen.

  • Diese eine einfache Mahlzeit aus Frühkartoffeln und grünen Bohnen aus dem Garten mit brauner Butter und Salz. Besser geht’s nicht.

  • Nach einem langen anstrengenden Tag zum Strickzeug greifen, der Geruch der Wolle, das Gefühl der beruhigenden Nadeln in den Händen, die schöne rostrote Farbe. 

  • Die beiden Mädchen hinter geschlossener Tür reden und lachen hören. 

  • Dieser Text (Öffnet in neuem Fenster)von Nadia Bolz-Weber, der die alte Geschichte von Petrus auf dem Wasser neu denkt. 

  • Ein aufgeräumtes Wohnzimmer mit frischen Blumen auf dem Tisch. 

  • Ein spontanes Frühstück mit Freundinnen, wo wir Freud und Leid und Tränen und Lachen und Bücher teilen. 

  • An einem besonders schwülen Tag an einem Brunnen vorbeikommen und die Arme in das eiskalte Wasser tauchen.

Was waren in dieser Woche deine Glimmermomente? Schreib’s gerne unten in die Kommentare!

Ich wünsche dir schöne Sommerwochen mit ein wenig Glimmer hier und da. Wir sehen uns wieder im September. Bis dahin –  bleib gesegnet!

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