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Hat mein Kind eine Verstopfung? Ist mein Kind verstopft?

Manchmal sind die Anzeichen fĂŒr eine Verstopfung sehr eindeutig und allen bekannt. Manchmal klagt dein Kind ĂŒber Bauchschmerzen und hat eine Verstopfung, obwohl es tĂ€glich Stuhl absetzt. Gar nicht immer so leicht im Alltag zu erkennen ob da jetzt wirklich eine Verstopfung ist.

In diesem Beitrag berichte ich dir von den offiziellen Kriterien fĂŒr eine Verstopfung, den ROM IV Kriterien. Die inoffiziellen Anzeichen fĂŒr eine Verstopfung kannst du hier nachlesen - 13 Anzeichen fĂŒr eine Verstopfung (Öffnet in neuem Fenster). Mittlerweile wĂŒrde ich als 14. Anzeichen auch eine stark wechselnde Stuhlkonsistenz dazu nehmen.

Wirklich wissen ob eine Verstopfung besteht, kann man nur, wenn man nachgewiesen hat, dass keine Verstopfung vorhanden ist. Deshalb gilt unter Expert:innen fĂŒr Inkontinenz sogar die inoffizielle Lehrmeinung:

Solange nicht bewiesen ist, dass keine Verstopfung besteht, gilt das Kind als verstopft.

Ob dein Kind eine Verstopfung im Darm hat oder nicht, kann nur mittels einem Ultraschall oder Röntgenbild sicher ausgeschlossen werden.

ROM IV Kriterien (2016)

Offizielle Kriterien fĂŒr eine chronische Verstopfung (ROM IV - Kriterien)

Die fĂŒhrenden Gastroenterolog:innen treffen sich regelmĂ€ĂŸig und besprechen die Kriterien fĂŒr verschiedene Diagnosen von Erkrankungen im Verdauungstrakt. Mittlerweile gibt es die vierte Version fĂŒr die Definition einer funktionellen Verstopfung. Da das erste Treffen in Rom, Italien stattgefunden hat, bekam diese Leitlinie und auch die Gruppe, die sich immer wieder trifft, den Namen ROM. Daher der Name ROM IV Kriterien.[1]

Bei Kindern ab einem Alter von vier Jahren mĂŒssen von den folgenden Kriterien mindestens zwei oder mehr jede Woche ĂŒber mindestens einen Monat bestehen und eine organische Ursache ausgeschlossen sein:[2]

  • zwei oder weniger Darmentleerungen (DefĂ€kationen) in die Toilette pro Woche,

  • mindestens ein Ereignis mit Stuhlinkontinenz pro Woche nachdem der Toilettengang erlernt wurde bzw. nach dem Erreichen des Entwicklungsalters von vier Jahren,

  • in der Krankengeschichte ist bereits das ZurĂŒckhalten von Stuhl oder exzessives willkĂŒrliches vermeiden der Darmentleerung vorgekommen,

  • in der Anamnese schmerzhafte Entleerung oder Stuhl mit einer harten Konsistenz,

  • Nachweis einer große Stuhlmassen im Enddarm,

  • in der Anamnese große Stuhldurchmesser, die eventuell die Toilette verstopfen.

Von diesen oder Ă€hnlichen Kriterien hast du schon mal gehört. Manche Kinder melden sich aber nicht wenn sie Bauchschmerzen haben oder Stuhlgang schmerzhaft war. Ab einem gewissen Alter und der SelbstĂ€ndigkeit deines Kindes siehst du auch nicht mehr die Konsistenz und Menge an Stuhl, daher wird eine Kontrolle dieser Kriterien nicht per Zufall passieren sondern du wirst sie bewusst beobachten mĂŒssen.

Ein Protokoll ĂŒber 7 Tage kann dir dabei helfen. Dein Kind kann dabei ab 6 Jahren mit deiner UnterstĂŒtzung und ab 8 Jahren selbstĂ€ndig, durch eine Blick ins WC den abgesetzten Stuhl in eine Kategorie einteilen. Die modifizierte Kinder-Stuhlformenskala (mBSFS-C) wurde genau zu diesem Zweck erfunden (Öffnet in neuem Fenster). Du notierst neben der Stuhlkategorie auch die Uhrzeit, Farbe, den Ort und die Menge/GrĂ¶ĂŸe des abgesetzten Stuhls.

Meinem Kind geht es nach dem WC Besuch besser

Viele Kinder werden in ihrem GemĂŒtszustand leicht reizbar oder auch weinerlich und schmerzempfindlich. Ein Darm der schon lĂ€nger nicht entleert wurde kann eine Ursache dafĂŒr sein.

Dir fallen bei deinem Kind vielleicht noch andere Dinge auf, die auch auf eine aufgeschobene Darmentleerung hindeuten können:

  • ein trockener und/oder harter Stuhlgang, der schwer rauskommt oder sogar schmerzhaft ist - auf der modified Bristol-Stuhlformenskala fĂŒr Kinder (mBSFS-C) wĂ€re das ein Typ 1 einzelne harte Kugeln und Typ 2 zusammenhĂ€ngende Kugeln[3],

  • Bauchschmerzen bis -krĂ€mpfe,

  • sehr starke BlĂ€hungen,

  • wenig bis keinen Appetit bzw. frĂŒhes SĂ€ttigungsgefĂŒhl,

  • ein GefĂŒhl der Abgeschlagenheit, MĂŒdigkeit, Mattigkeit oder Gereiztheit,

  • Einkoten und/oder Stuhlschmieren,

  • Stuhlstreifen in der Unterhose.

Jede Reizung oder Erkrankung im Bereich des Afters kann eine akute Verstopfung auslösen. Achte deshalb darauf in diesem sensiblen Bereich keine Reizungen zu setzen.

ErklĂ€re deinem Kind was du vorhast. Zeig es ihm. ErklĂ€re ihm warum und wieso. Wenn einfĂŒhren nötig ist, mit der Einatmung, da sollte der Beckenboden entspannt sein. Du siehst wie sich der After leicht öffnet bzw. mehr sichtbar wird.Kein Manipulieren mit dem Fieberthermometer. Falls ein ZĂ€pfchen, Mikro-Klistier, Klistier oder hoher Einlauf angewendet werden muss verwende eine Creme als Gleitmittel und mach es niemals gegen Anspannung und oder mit Gewalt!

Mein Kind zeigt Anzeichen fĂŒr eine Verstopfung

Wenn du bei deinem Kind diese Anzeichen bemerkt hast oder es dir von sich aus darĂŒber berichtet hast du folgende Optionen:

  • Hausmittel fĂŒr eine Verstopfung (SorbithĂ€ltige GetrĂ€nke - Apfel, Birnen, Pflaumensaft)

  • Stuhlfördernde Maßnahmen machen (WĂ€rme im Bereich des RĂŒckens und Bauch, Bewegung)

  • Bewusste Bauchatmung

  • Toilettentraining (Nach den Hauptmahlzeiten das WC aufsuchen)

  • ILU Darmmassage - Eine kurze Anleitung findest du hier. (Öffnet in neuem Fenster)

  • Stuhlfördernde Medikamente bitte nur nach Absprache mit der:dem Apotheker:in oder behandelnden Ärztin:Arzt verabreichen (Macrogol PEG, GlycerinzĂ€pfchen, Lactulose, etc.)

Wir bekommen die Verstopfung nicht in den Griff

Wenn dein Kind trotz bester Hausmittel nach wenigen Tagen noch immer keinen Stuhl absetzt oder sich sein allgemein Zustand verschlechtert, wende dich bitte umgehend an medizinisch fachlich qualifiziertes Personal und suche dir Àrztlichen Rat.

Mein Kind hÀlt offensichtlich Stuhl ein

Wenn dein Kind offensichtlich den Stuhlgang lange hinauszögert oder vermeidet, schau bitte genauer hin warum es das tut und sucht euch UnterstĂŒtzung. Hat es körperliche EinschrĂ€nkung, braucht es emotionale oder psychologische UnterstĂŒtzung, oder gibt es einen anderen Grund fĂŒr sein Verhalten.

Arzt:Ärztin, Psycholog:innen, Physiotherapeut:innen, Ergotherapeuten:innen, DiĂ€tolog:innen und andere medizinische Expert:innen helfen euch gerne weiter.

Im Mitgliederbereich findest du bereits Tipps zu Fragen wie: Mein Kind verlangt eine Windel fĂŒr den Stuhlgang. Wie kann ich es ans WC gewöhnen? oder Wie mache ich Toilettentraining? und andere Fragen (Öffnet in neuem Fenster)

Quellen:

[1] https://theromefoundation.org/about/, https://www.rosenfluh.ch/media/arsmedici-dossier/2018/08/Obstipation-bei-Kindern.pdf
[2] Hyams et al. 2016, Schmulson & Drossman 2017
[3] Chumpitazi et al. 2010

Kategorie HĂ€ufige Fragen HF
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