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Warum Langsamkeit in einer komplexen Arbeitswelt wichtig ist

Es ist keine Neuigkeit mehr: Unsere (Arbeits-)Welt wird immer komplexer. Gern wird dafür auch das Acronym VUCA (volatile, uncertain, chaotic, ambigous) verwendet. Die Antwort darauf scheint zu sein: Wir müssen schneller und schneller werden, um uns an diese komplexe, sich ständig verändernde Welt anpassen zu können. Aber das ist aus meiner Sicht nicht immer die beste Lösung.

Das Problem mit der Schnelligkeit ist, dass sie uns (metaphorisch und tatsächlich) außer Atmen bringen kann. Denn ein ununterbrochener „Schnell-Modus” signalisiert unserem Nervensystem, dass wir dauernd in Gefahr sind. Dementsprechend stellt es all unsere Körpersysteme darauf ein. Das ist nicht nur ungesund. In diesem Modus sieht unser Nervensystem auch vor allem Gefahr. Alles wird durch die Gefahrenbrille betrachtet.  Schließlich denkt das Nervensystem, dass es unser Überleben sichern muss. Das hat unerwünschte Konsequenzen für Kompetenzen, die wir in einer komplexen Welt eigentlich brauchen:

  1. Wir verlieren Zugang zu unserem vollen kreativen Potential und sehen weniger Möglichkeiten – und damit haben wir weniger Handlungsmöglichkeiten, um auf Herausforderungen zu reagieren.

  2. Wir nehmen unsere Intuition schlechter wahr. Das ist ungünstig, denn Forschung zeigt, dass unser Intuition für komplexe Entscheidungen oft der Ratio überlegen ist (wenn wir vorher alle relevanten Informationen gesammelt haben).

  3. Wir sind leichter reizbar und so entstehen eher zwischenmenschliche Konflikte – das hält uns nicht nur auf, sondern wir verlieren auch den Zugang zur kollektiven Intelligenz.

Mit bewusster Langsamkeit entstehen ganz neue Möglichkeiten: Langsamkeit signalisiert unserem Körper, dass wir in Sicherheit sind. Dadurch haben wir wieder mehr Zugang zu den oben genannten Ressourcen. Sie helfen uns, in einer komplexen Welt, die nicht mehr mit detaillierten, ausgefeilten Plänen funktioniert, gemeinsam zu navigieren. Wir können gemeinsam rein spüren: Was ist der nächste, sinnvolle Schritt? Im Ergebnis sind wir dann tatsächlich oft schnell bzw. ich würde es dann lieber „wirksam“ nennen.

Ganz wichtig ist mir zu betonen: Bewusste Langsamkeit meint für mich nicht, nichts zu machen. Es geht auch nicht um Ineffizienz. Oder darum, sich mit Dingen aufzuhalten, die keinen Sinn machen.  Es geht um eine andere Haltung. Diese Haltung könnten wir gewissermaßen auch mit Achtsamkeit oder entspannt-fokussiertem Arbeiten übersetzen.

Und es gibt einige Möglichkeiten, so eine Haltung in den Arbeitsalltag zu übersetzen. Hier sind ein paar Beispiele:

Als Individuum macht es Sinn, immer wieder zu checken, wie gestresst man gerade ist, während man arbeitet. Den Gefahrenmodus merkt man gut an körperlicher Anspannung. Im Sicherheitsmodus ist man eher entspannt. Wenn du merkst, dass du bei der Arbeit dauernd angespannt bist, kannst du schauen: Was muss ich an meiner Arbeitssituation/Arbeitsvolumen ändern, um entspannter arbeiten zu können? Was könnte mir helfen, durch das (Arbeits-)Leben mit einer entspannteren Grundhaltung zu gehen?

Als Team empfehle ich, nach Phasen des schnellen Arbeitens Zeit für Reflexion und Regeneration zu nehmen. Z.B. durch sog. Retrospektiven (das ist ein Format zur lösungsorientierten Reflexion der Zusammenarbeit). Und Langsamkeit durch kleine „Hacks“ in eure Arbeitskultur einzubauen. Z.B.  im Meeting mit einem CheckIn („Wie bist du heute hier?“) gemeinsam Zeit zum beieinander Ankommen zu geben. Ihr könnt auch gemeinsame Termine auf 5min nach voller/halber Stunde setzen, damit alle ein bisschen Zeit zum Durchatmen nach eventuell vorherigen Terminen haben. Ebenso sind Dialogformate wie der Circle Way (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)eine gute Möglichkeit, als Team Langsamkeit zu nutzen, um die kollektive Intelligenz anzuzapfen.

Als Organisation können wir uns fragen: Haben wir eine Kultur, in der gestresstes Arbeiten die Norm ist? Gucken wir argwöhnisch auf Menschen, die entspannt wirken?  Mit welchem Beispiel gehen die (obersten) Führungskräfte hier voran?

Und sowohl individuell als auch kollektiv macht es Sinn hinzuschauen:  Wo sind wir ineffizient? Wo führen unsere Strukturen und kulturellen Normen dazu, dass wir Zeit mit sinnlosen Meetings, Aufgaben, Machtspielchen,… verbringen? Je mehr wir hier aufräumen, desto mehr haben wir unsere Arbeitszeit frei für sinnvolle Tätigkeiten. Und dann ist auch mehr Raum, die Kraft der Langsamkeit zu nutzen, um im Ergebnis schnell zu sein. 

Du hast Gedanken zu diesem Artikel? Dann schreib mir gerne an mail@lynvonderladen.de (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Ich freue mich über Rückmeldungen 😊

Herzliche Grüße

Lyn

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Über Lyn von der Laden

Als Coach und Beraterin für Zusammenarbeit (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) begleite ich Teams und Organisationen, ihre Zusammenarbeit wirksam, anpassungsfähig und freudvoll zu gestalten.

Außerdem schreibe ich auf Steady regelmäßig über meine Herzensthemen, z.B. über Selbstorganisation, psychologische Sicherheit oder die Bedeutung des Nervensystems für wirkungsvolle Teamarbeit. 

Sujet Nervensystem

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