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Wie sich die Stadt, in der du wohnst, auf deine Psyche auswirkt

Jeden Freitag erzähle ich dir von Erkenntnissen aus Neurowissenschaft und Psychologie, die du kennen solltest. Heute: über Belastungen der Großstadt und was dagegen hilft.

Gerade bin ich aus meinem Italien-Urlaub zurückgekehrt. Mit sieben Freund:innen hatte ich eine Unterkunft an der Südküste gemietet. Wenn wir auf der Terrasse saßen und mal wieder eine der tausend verschiedenen italienischen Teigwaren verschlangen, konnten wir direkt aufs Meer blicken. Manchmal standen wir einfach nur draußen herum und haben ungläubig auf den Horizont gestarrt. Das Wetter war perfekt: 25 Grad, Sonne. Wir badeten am Strand und im Pool und gleich hör ich auch auf, euch neidisch zu machen.

Es war wirklich nicht so schlimm in Italien.

Der Aufprall in Deutschland war heftig. Der Regen schlug mir bei 8 Grad ins Gesicht. Deutschland begrüßte uns mit verschlossenen Armen und erhobenem Herbst-Mittelfinger. Aber nicht nur das. Ich kam am Berliner Hauptbahnhof an und musste, wie immer, die Tram nehmen, um nach Hause zu kommen. Und ich sage euch: Die M10-Linie in Berlin kann die Erholung, die sich in zehn Tagen Italien-Urlaub angesammelt hat, innerhalb einer Fahrt in der stickigen Luft zerreißen.

Als ich da so stand (natürlich waren alle Sitzplätze belegt) und alle paar Sekunden angerempelt wurde, fragte ich mich: Warum tue ich es mir eigentlich an, in einer Großstadt zu leben? Und ich erinnerte mich an gleich mehrere Studien, die meinem Gefühl eine wissenschaftliche Basis geliefert haben. Wissenschaftler:innen haben herausgefunden, dass sich Städte auf die psychische Gesundheit ihrer Bewohner:innen auswirken können. Darum geht es heute. Und darum, was wir diesen Belastungen entgegensetzen können.

Big City Life

Immer mehr Menschen leben in Städten. Im Jahr 2018 waren es bereits 55 Prozent der Weltbevölkerung, bis 2050 werden zwei Drittel der Bevölkerung in Städten leben. Das sagt die UN (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre). Was zeichnet das Leben in großen Städten aus? Nun, zunächst: Wo viele Menschen leben, gibt es viele Jobs. Oftmals sind die Wege kurz, zum nächsten Supermarkt, zum Theater, ins Kino. Überhaupt: Es gibt Theater, Museen, Bühnen, Freilichtkinos, Restaurants, Bars, Ausstellungen – vom kulturellen Angebot in Großstädten können viele auf dem Land oder in kleineren Städten nur träumen.

Denken findet nicht nur im Gehirn statt

Aaaaaber … dann gibt es ja noch die M10. Und all die anderen Sachen, die wahnsinnig nerven können: Lärm, Dreck, Feinstaub, enge Straßen, Staus, Gestank, Anonymität. Dazu kommen, zumindest in Berlin, die langen Wege: Meine Schwester wohnt mit ihren drei Kindern in der gleichen Stadt wie ich (Juhu!); ich brauche aber mindestens eine Stunde zu ihr (Oh no!).

Wissenschaftler:innen wissen erstaunlich wenig darüber, wie sich das Leben in Städten auf die psychische Gesundheit auswirkt. So richtig erklären kann ich das nicht. In der Kognitionswissenschaft hat man das menschliche Gehirn zwar häufig mit einem Computer verglichen. Der Vergleich hatte und hat aber einen offensichtlichen Schwachpunkt: Während ein Laptop auf gleich gut funktioniert, egal ob er im Büro oder im Park oder zu Hause benutzt wird, wird das Gehirn durch die Umgebung, in der es arbeitet, stark beeinflusst. Denken findet eben nicht nur im Gehirn statt. Über diese Erkenntnis habe ich schon eine ganze Serie (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) in diesem Newsletter geschrieben. Ein paar Dinge wurden aber schon herausgefunden.

Wer in der Großstadt lebt, ist eher depressiv und eher schizophren

Angsterkrankungen und Depressionen (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) kommen bei Menschen, die in der Stadt leben, etwa 30 bis 40 Prozent häufiger vor. Wissenschaftler:innen der TU Dresden konnten dieses Ergebnis für Deutschland bestätigen. Dafür haben sie die Daten von mehr als 5.000 Erwachsenen ausgewertet. Die Ergebnisse: Von denen, die in Städten mit mehr als 500.000 Einwohner:innen aufgewachsen sind, litten 13,9 Prozent an einer Depression oder einer bipolaren Störung. Von denen, die in einer Stadt mit weniger als 20.000 Einwohner:innen groß geworden sind, waren es nur 7,8 Prozent.

Bei einer Krankheit war der Unterschied besonders heftig: Schizophrenie trat bei Menschen, die in der Stadt aufgewachsen sind, sogar dreimal so oft auf wie bei Menschen, die auf dem Land leben. Einer der Autoren der Studie sagte dem Spiegel (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre): „Je größer die Stadt, in der man aufgewachsen ist, desto höher das Schizophrenie-Risiko als Erwachsener.“

Forscher:innen des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim fanden 2011 außerdem heraus, dass Menschen, die in der Stadt wohnen, Stress anders verarbeiten. Die Proband:innen der Untersuchung mussten kaum lösbare Kopfrechenaufgaben bewältigen, sie standen unter Zeitdruck und die Versuchsleiter gaben ihnen ständig negatives Feedback. Das Ergebnis: Städter:innen zeigten eine erhöhte Aktivität der Amygdala und Proband:innen, die in der Stadt aufgewachsen waren, eine erhöhte Aktivität des anterioren zingulären Kortex. Diese Hirnbereiche spielen bei der Emotions- und Stressverarbeitung eine wichtige Rolle.

Bist du im Grünen aufgewachsen?

Welche Faktoren sind es nun genau, die unsere mentale Gesundheit in der Großstadt belasten? Und was kann ich als Großstadtbewohner tun, um diesen Belastungen etwas entgegenzusetzen?

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