Back to posts

Corona: Menschen mit Behinderung droht durch Triage die Aussortierung

In Italien und im französischen Elsass ist es schon geschehen: In Krankenhäuser liegen mit dem Corona-Virus Erkrankte, ringen mit dem Tod und brauchen Beatmung, weil die Lungenfunktion aussetzt – aber es gibt nicht genug Geräte für alle. In solchen Fällen mussten die Ärzt*innen entscheiden und mitunter war für sie ein Alter über 80 Jahren ein Ausschlusskriterium. Leben wurde gegen Leben gestellt.

Das soll in Deutschland nicht geschehen. Doch für den Fall, dass wir in Deutschland ebenfalls in eine solche Situation kommen, hat die „Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin“ (Divi), ein Zusammenschluss aus sieben medizinische Fachgesellschaften, nun eine Art Leitfaden erstellt. Denn natürlich muss man auch das vorausdenken, was am liebsten unmöglich  bleiben soll: Dass im Notfall das Menschenmögliche nicht getan werden kann, weil schlicht die Ressourcen dafür fehlen. Doch vorneweg: Für Menschen mit Behinderung sind diese Triage-Empfehlungen (aus dem französischen „trier“ = aussuchen, aussortieren), wie sie die Fachgesellschaften nun vorschlagen, ein Alptraum. Denn hinreichend unscharf formuliert, dafür zugleich voll von Diskriminierung, dient der Leitfaden als Einfallstor, um sich im Zweifelsfall gegen das Leben eines Menschen zu entscheiden, nur weil er eine Behinderung hat.

Natürlich wird das so nicht geschrieben und das Gegenteil als Ziel genannt. Wer die höchsten Überlebenschancen hat, soll bei der Behandlung Vorrang bekommen, genau heißt es:

„Die Priorisierung von Patienten sollte sich deshalb am Kriterium der klinischen Erfolgsaussicht orientieren, was nicht eine Entscheidung im Sinne der „best choice“ bedeutet, sondern vielmehr den Verzicht auf Behandlung derer, bei denen keine oder nur eine sehr geringe Erfolgsaussicht besteht.“

Weiterlesen.

Comments are available for members only. Join the conversation …