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11-22

Glossar Spezial

Dieses Glossar Spezial 11-22 ist ein verspätungsbedingter Nachtrag ;-) vom November und das vorerst letzte. Es folgt dann zudem noch ein Nachtrag für den Utopischen Themenguide vom November, der zum Abschluss ohne Paywall für alle zugänglich gemacht wird.

Bild: Tara Winstead, pexels

Die 12 wichtigsten Eigenschaften einer KI der Zukunft

In Folge 11-22 assistiert "Agenty-Berater" und Kyaras guter Freund Ismael in seiner Sprechstunde in einem Gespräch zwischen der Migrantin Ezpe und ihrem Agenty, das sie in ihrer holosophischen Lebenspraxis coachen soll - einer integralen Lebensweise, die Körper, Geist und Seele gleichzeitig fördert. Das erfordert Vertrauen! Daher geht es im Einführungsgespräch zwischen den dreien zuerst mal nur um die Art und Weise, wie das Agenty mit Ezpe zusammenarbeiten wird - um spezifische Gestaltungsmuster, die sicherstellen sollen, dass die Begegnung Ezpe nicht schaden kann. Die utopian fiction-Szene wurde vor der Veröffentlichung des ChatBots ChatGPT im November verfasst und sieht sich nun also von der Realität der Technik (nahezu) eingeholt.

Inspiriert sind die Gestaltungsmuster, die das Agenty und Ismael erwähnen, durch verschiedene Ansätze: Einmal durch Prinzipien des Permacomputing, das wiederum durch die Permakultur-Prinzipien beeinflusst wurde. Bei dieser landwirtschaftlichen Praxis geht es darum, den Anbau nach dem Vorbild von natürlichen Gesetzmäßigkeiten zu gestalten. Außerdem flossen Aspekte der Politischen Forderungen der Bits & Bäume-Konferenz 2022 ein. (Mehr zur Konferenz selbst findest du in meinem Bericht darüber im Post 10-22. ) Alle Quellen findest du auch im Anhang. 

Hier eine kleine, subjektive und unvollständige Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte, die – in einer idealen Gesellschaft, von der wir (noch) weit entfernt sind – Informationstechnik und künstliche Intelligenz aufweisen sollte:

Bild: Pavel Danilyuk, pexels

1. KI sollte dem Leben und den Menschen als solchen dienen.

Das heißt, das menschliche Leben verbessern und Zusammenhalt unter Menschen fördern und mehr Harmonie und Schönheit in das Leben der Nutzer:innen bringen. Digitalisierung muss zu gesellschaftlichem Fortschritt führen und darf die sozialen und arbeitsschutzorientierten Standards nicht verschlechtern. Das ist natürlich alles sehr weit auslegbar. Aber es ist relevant, festzuhalten, dass sie zumindest nicht dazu dient, beliebig Prozesse zu optimieren oder Profite zu maximieren.

2.  Sie sollte Energie nicht auf verschwenderische Art und Weise nutzen. 

Das heißt: Keine unnötigen Aktualisierungen, Datensammlungen, Funktionen. So gering gehaltenes Wachstum von Datenströmen wie möglich, Objekte im Internet der Dinge, das wahrscheinlich unvermeidbar ist, sollten so wenig wie möglich und so viel wie nötig vernetzt werden und gemäß der anderen hier erwähnten Prinzipien.

3. IT-Technik sollte recycelbar und möglichst langlebig sein, das heißt auch, repariert werden können. 

Nicht mehr nutzbare Technik ist generell zu vermeiden, sondern kreativ neu zu nutzen bzw. zu integrieren. Es sollte normal sein, Treiber, Tools und Schnittstellen unter einer Freien Software/Open Source Lizenz der Allgemeinheit zugänglich zu machen.

Bild: Markus Winkler, pexels

4. IT sollte Zentralisierung vermeiden und lokal genutzt werden. 

Sie sollte Teil lokaler Energie-/ Materialkreisläufe sein. Auch bei Technik sollte man Monokultur vermeiden und Diversität schätzen, aber ohne den Blick dafür zu verlieren, dass man in globalen Zusammenhängen und basierend auf historischen Traditionen arbeitet.

5. Sie sollte den Nutzer:innen jederzeit die volle Kontrolle über ihre Daten gewähren. 

Das heißt auch, sie sollte Zugang verschaffen zu allen Informationen, die in ihrem Design angelegt sind.  

6. Sprachbegabte künstliche Intelligenz sollte immer Rechenschaft ablegen über ihr nichtmenschliches Wesen und keinen Menschen täuschen.

Diesen Aspekt habe ich hinzugefügt, aber er scheint mir selbstverständlich zu sein - der Turingtest fordert ja eben gerade jene Fähigkeit der Voräuschung menschlichen Bewusstseins, aber es sollte bei jedem Dialog von vornherein klar sein, mit welcher Form von Intelligenz man es zu tun hat.

Bild: Alex Knight, pexels

8. Sie muss nach intersektional-feministischen Prinzipien gestaltet sein.

Bisher sind Outputs von Sprachmodellen häufig noch beeinträchtigt durch Vorurteile, Formen von Diskriminierung usw. gegenüber gesellschaftlich benachteiligten Gruppen - einfach, weil der Korpus, mit dem sie lernen, es ebenfalls ist. KI darf künftig niemanden strukturell oder wörtlich aufgrund von Geschlecht, Herkunft, sexueller Orientierung usw. diskriminieren.

9. Sie sollte auf kleine, flexible und einfache Art und Weise funktionieren. 

Flexibel heißt, dass sie auf verschiedene Art und Weise nutzbar und verwendbar ist. Dazu muss sie gestaltungsoffen sein, um graduell modifiziert werden zu können während des Nutzungsprozesses. Kleine Systeme sind einfacher zu verstehen, zu managen, zu redesignen. Geringe Komplexität vermeidet große Datenmengen. Hardware und Software sollten durch eine einzelne Person verstanden und nachvollzogen werden können.

Bild: George Despiris, pexels

10. Sie sollte resilient bei Störfällen, Attacken und Katastrophenszenarien sein.

Eigentlich klar, aber bisher nicht selbstverständlich. In Zeiten des Klimawandels, des Cyberterrorismus und des Krieges gelten sichere Infrastrukturen längst nicht als mehr als gegeben.  Wenn von KI künftig noch mehr Alltagsorganisation abhängt, müssen ihre Strukturen krisenfest sein und schnell wiederhergestellt werden können.

11. Öffentliche Gelder für digitale Werkzeuge sollten ausschließlich in offenen Verfahren (Open Contracting) vergeben werden.

Es sollte demokratisch entschieden werden, wohin das Geld für Innovationen in dem Bereich fließt.

12. Es gibt eine verbindliche Zivil­gesellschafts-Quote in Beratungs­gremien und bei der Aus­arbeitung von Gesetzes­vorschlägen, diese Technologien betreffend.

Die Zivilgesellschaft hat Erfahrungswissen, das Entscheidungsträger:innen oft verborgen ist. Außerdem ist sie nah an gesellschaftlichen Missständen und Bedürfnissen dran. Sie muss also mitreden können bei der Technik-Gestaltung und -Nutzung.

Quellen / weiterführende Links:

https://permacomputing.net/Principles/ (Opens in a new window)

https://digitalezivilgesellschaft.org/ (Opens in a new window)

Politische Forderungen der Bits & Bäume 2022  (Opens in a new window)

Hackerethik (Opens in a new window)

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