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#1 Mögt ihr Mikroben?

Oder lässt euch allein schon der Gedanke an solche winzigen Lebensformen zur Desinfektionsflasche greifen?

Bakterium Pseudomonas aeruginosa (Quelle: Shutterstock)

Bakterien, Pilze, Viren & Co - diese ganze Mikrobenschar hat ein furchtbar schlechtes Image. Tägliche Nachrichten über Epidemien und abscheuliche Krankheiten machen Mikroben zu unseren Angstgegnern - gerade nach der Corona-Krise. Jedes Kind wächst mit den Geschichten von den zerstörerischen Zahntrollen Karius und Baktus auf. Ganze Heerscharen von Mikrobenjägern sind zum Kampf gegen die Bakterien angetreten. Koch, Pasteur oder Virchow konnten wichtige Etappensiege im Wettrennen mit den Erregern erzielen. Trotzdem sitzt unsere Angst vor Keimen immer noch so tief, auch wenn Pest und Cholera Europa schon lange nicht mehr heimsuchen.

Antibakteriell?

Die meisten von uns sind heute sehr gut über krank machende Erreger informiert, Hygiene wird großgeschrieben. Selbst Privathaushalte rüsten zur Schlacht gegen Mikroben auf, und manche sind sogar keimärmer als ein OP-Saal. Moderne Waffen wie Desinfektions- oder Badewannenspray töten alles, was da kreucht und fleucht - frei nach dem Motto:

"Nur eine tote Mikrobe ist eine gute Mikrobe?".


"Antibakteriell" klingt für die meisten Menschen positiv. Gern greifen sie nach den so beworbenen Seifen, Hautlotionen und Reinigungsmitteln. Haben die meisten Haushalte nicht eher ein Problem mit Mehlmotten als mit Keimen?

Erfolgsmodell Mikroorganismen

Mikroben haben wunderbare Eigenschaften. Sie sind die kleinste und erfolgreichste Lebensform auf der Erde und besiedeln die unwirtlichsten Lebensräume. Sie sorgen für eine ordentliche Verdauung in unserem Darm und räumen die Umwelt auf, indem sie organische Substanzen verwerten und Abwasser reinigen. Viele Bakterien und Pilze machen Lebensmittel erst schmackhaft und haltbar. Joghurt, Käse oder Bier gäbe es nicht ohne unseren mikrobiellen Helfer. Seid ihr aber trotzdem der Meinung, Badezimmer, Küche und Spüle sollten immer völlig keimfrei sein?

Umdenken in Sachen Mikroben und Mikrobiom

Bakterien und Pilze aus unseren Häusern. (Micropia, Amsterdam, S. Thiele, 2917)

Erst in den letzten 15 Jahren hat sich unser Einstellung zu Mikroben gewandelt. Seit Wissenschaftler*innen das menschliche Mikrobiom, vor allem im Darm, erforschen, rückt die positive Beziehung zwischen uns und den winzigen Mitbewohnern immer mehr in den Vordergrund. Und das Interesse an den Mensch-Mikroben-Wechselwirkungen steigt. Seit 2014 gibt es den ersten Mikrobenzoo "Micropia" in Amsterdam, wo sich große und kleine Besucher den faszinierenden Mikrokosmos naher anschauen können - vor Jahren noch unvorstellbar. Im Mai 2017 hatte ich Gelegenheit, "Micropia" mit meiner Familie zu erkunden - sozusagen auf Recherche vor Ort. Eine der besonderen Inspirationen war eine mannshohe meterlange Leuchtwand, die über und über mit Petrischalen in den unterschiedlichsten Farben bedeckt war - bewachsen mit Mikroorganismen aus unserem täglichen Leben: mit Bakterien , die auf unseren Zahnbürsten sitzen, von Türklinken grüßen oder in unserem Staubsauger hausen, mit Schimmelpilzen, die mit uns duschen oder abends mit uns ins Bett schlüpfen. Die bunte Artenvielfalt unserer alltäglichen Begleiter ist unglaublich. Die Forscher*innen kennen bisher nur einen Bruchteil der um uns herum lebenden Mikroorgansimen und wissen oft auch nicht genau, wie diese winzigen Lebewesen in ihrem Ökosystem funktionieren.

Absolute Keimfreiheit gibt es nicht!

Mikroorganismen sind also allgegenwärtig in unserem Leben. Absolute Keimfreiheit gibt es unter normalen Umständen nicht. Sie ist auch gar nicht nötig. ich kann Sie jetzt schon beruhigen: Nur die allerwenigsten im Haushalt vorkommenden Keime führen zu Infektionen. Natürlich gibt es ein paar schwarze Schafe. Es sind aber nur 0,1 Prozent der mikrobiellen Arten auf der Erde, die überhaupt Infektionen beim Menschen verursachen können. Die Mehrheit der unzähligen Mikroben in unserer Umwelt schadet uns nicht. Die Winzlinge bereichern sogar euer Leben.

Werft mit dieser Newsletter-Kolumne gemeinsam mit mir einen mikroskopischen Blick auf einen unsichtbaren Mikrokosmos in euer Zuhause. Wir gehen auf eine Expedition durch unseren heimischen Mikrobenzoo - beginnen im Flur, durchwandern Küche, Bad, Wohn- und Schlafzimmer und enden im Kinderzimmer. Auch unsere tierischen Familienmitglieder - Hund und Katze inklusive ihrer mikrobiellen Gäste werden Thema sein. Bei der Tour durch unser Heim lernt ihr eure kleinen Mitbewohner besser kennen und werdet viel Neues darüber erfahren, wie ihr gesund mit ihnen leben könnt. Ich lade euch ein zu einer abenteuerlichen Reise durch euer Zuhause und durch das Reich der kleinsten und doch so mächtigen Kreaturen. Tretet ein in diese unsichtbare Welt, und erlebt fantastische Geschichten mit einzelligen Helden in den Hauptrollen. Erwartet interessante Anekdoten und Überraschungen. Starten wir direkt von eurem Sofa aus!

Ihre

Susanne Thiele

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Kategorie Kolumne

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