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3 aber nicht 2

Der Saisonstart zuhause gegen den 1. FC Nürnberg ist  geglückt; mit 3:2 gewinnt der FC St. Pauli das erste Heimspiel am  Millerntor in der 2. Bundesliga Saison 2022/23. Und Glück ist auch  gleich das Stichwort.

Mein Beitrag als Read-out Loud.

Weisheit kommt einem ja manchmal in  kurios kurzen Sätzen näher. Schulle, immer noch unser Trainer der  Herzen, hatte so einen Satz parat, als er in der Pressekonferenz nach  dem Saisonauftaktsieg gegen den 1. FC Nürnberg sagte:

Cheftrainer FCSP in der PK“Es hätte auch in die andere Richtung laufen können”

Das ist ja unbestreitbar wahr.

Markus,  Willi und ich machten uns am Sonnabend endlich mal wieder gemeinsam auf  den Weg ans Millerntor. Angekommen, stellten wir uns wie gewohnt auf  die linke Seite des Nordhügels; da wo es immer zieht (im Winter  unangenehm, an heißen Tagen sehr angenehm), wo man den Leuten auf der  Gegengeraden beinahe die Hand reichen kann. Wir blinzelten in die Sonne,  die sich langsam um das Stadiondach drehte, lauschten Ewald Lienens  letzter pathetischer Rede und seiner letzten Fäuste-ballenden Ehrenrunde  (Show kann er ja, Respekt), bevor wir Dennis Schmarsch und seine  Vorderleute bei einer anderen Einlage bewundern sollten.

“Das hätte auch in die andere Richtung laufen können”,  höre ich jetzt gerade Schulle sagen und spüre wieder das  gemeinschaftliche Durchpusten nach den drei (!) Slapstickeinlagen, die  sich unsere Boys in den ersten 20 Minuten mit ihrem Keeper leisteten.

Nürnberg drückte. St. Pauli suchte.

“Das  ist schon das 2. Mal, dass wir an derselben Stelle einen Freistoß  ziehen”, bemerkte Willi kurz vor dem 1:0. Eine schöne Zusammenarbeit  unserer beiden Kapitäne. Die so auch anders laufen kann (immerhin ist  Jackson Irvine nicht gerade als Kopfballungeheuer bekannt). Der Elfmeter  (der aus der Nord eindeutig aussah, aber das tun Elfmeter auf die  Distanz immer – auch die, und vor allem die nicht gegebenen), das  Dribbling von Daschner (der mich sehr an Deniz Naki und Marmoush  erinnert – ein freier Radikaler, der gegnerische Abwehrreihen – und  manchmal seine Mitspieler – zu verwirren weiss – Hörer:innen unseres  Podcasts wissen, was ich meine) – all das kann so laufen, muss es aber  nicht. Kennen wir auch anders.

“2 aber nicht 2 und Nicht-2 aber  2”, nennt man das Phänomen in fernöstlicher Weisheitslehre. Etwas kann  wahr und falsch zugleich sein. St. Pauli schießt drei Tore und war dem  FCN trotzdem phasenweise unterlegen. Beides wahr und unwahr zugleich. In  der zweiten Hälfte, die wir  in dieser erweiterten Logik 0:2 verloren  haben, war es dann umgekehrt.

Am Tag nach dem 3:2 telefoniere ich  mit Markus, der das bestätigte. “Die erste Halbzeit verloren und 3 Tore  gemacht und die zweite gewonnen und 2 kassiert”, sagt er. Das wäre dann  auch mein Fazit: Drei aber nicht zwei. Was aber auch ganz anders hätte kommen können.

In diesem Sinne: einen schönen Saisonstart, bleibt maximal verwirrt und behaltet einen kühlen Kopf.

Dein Erik

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