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Sumpfnixe

Es war einmal … - tatsächlich wäre es nicht unpassend, die Geschichte dieses Bildes so zu beginnen, liegt sie doch schon ein paar Jahre zurück.

Ich weiß es nicht mehr genau, aber es dürfte 2012 oder 2013 gewesen sein, als ich einen großen achteckigen Bilderrahmen in einem Keller stehen sah. Seine untere Zierleiste war fast vollständig zerstört, weil wenige Monate zuvor Wasser, durch starke Regenfälle, in den Keller gedrungen war.

Ich war zu dieser Zeit noch als Schornsteinfeger tätig und in dem Keller unterwegs, um die Heizung des Hausbesitzers zu überprüfen. Nachdem ich meine Arbeit getan hatte, fragte ich den Hausherrn, was mit dem Rahmen wohl passieren würde. Er meinte er würde ihn entsorgen. Daraufhin bekundete ich mein Interesse an dem lädiertem Stück und durfte den Rahmen mitnehmen. Ich fand den Rahmen einfach nur interessant und freute mich darauf, wie wohl ein von mir gemaltes Bild darin wirken würde. Doch da er ja beschädigt war, wollte ich ihn zunächst vollständig aufarbeiten. Eine gute Idee, dachte ich zunächst. Ohne Erfahrung und Vorkenntnisse einen Bilderrahmen zu restaurieren macht sich prima, aber irgendwie, dachte ich, ja irgendwie wirst du das schon hinbekommen.

Zunächst musste ich den Rahmen zerlegen, neu auf Gehrung sägen, wieder zusammenleimen und verstärken. Die alten Verleimungen waren allesamt lose und brüchig. Danach schnitt ich mir eine Mdf-Platte auf Maß, um darauf, irgendwann einmal, ein Bild, - passend zum Bilderrahmen - zu malen. Dabei blieb es dann auch für ca. zwei Jahre. Ich hatte einfach keine Motivation den Rahmen aufzuarbeiten, wenn ich noch gar kein Bild dazu hatte.

Erst 2015 begann ich mit dem Lippenbild „Sumpfnixe“. Eine Kollegin, die zu der Zeit mit mir in der Porzellanmanufaktur lernte, stand dafür Model. Ich fand die markante Form und die leichte Asymmetrie ihrer Lippen interessant, fällt diese beim Betrachten doch zunächst kaum auf. Dabei ist in der Natur alles scheinbar symmetrische asymmetrisch und erzeugt so eine individuelle Schönheit. Wer mag, kann gerne den Selbsttest machen: Man fotografiere sich frontal, spiegele eine seiner Gesichtshälften in einem Grafikprogramm über die andere und stelle fest, dass das symmetrisch erzeugte Abbild eine einem völlig fremde, künstliche Person erzeugt.

Nachdem das Bild langsam Gestalt annahm, gab es endlich wieder einen Grund sich seinem zugedachtem Rahmen zu widmen. Dabei erwies es sich als überaus hilfreich, dass ich gerade meine Ausbildung zum Bossierer bei Meissen® absolvierte. Inzwischen hatte ich einiges an Erfahrung im plastischen Gestalten, hatte eigene Modellierwerkzeuge hergestellt und ein paar Einblicke in den Formenbau mit Gips bekommen. Kleinere Fehlstellen des Rahmenreliefs modellierte ich mit Zwei-Komponenten-Modelliermasse auf. Für die großen Ausbrüche wollte ich mir eine Form herstellen, mit der ich das Relief nachgießen und neu anbringen könnte. Klingt nach nem Plan, oder? Allein das Herstellen der Form brauchte zahlreiche Fehlversuche. Ich versuchte es mit abdrücken des Reliefs durch Modelliermasse, dann mit einer reinen Latexform und schließlich brachte ein weiterer Versuch, mit einer durch Gips verstärkten Latexform, einen ersten Erfolg.

Die größte Schwierigkeit aber war, die runde Auflagefläche des Reliefs. So mussten die ausgeformten Reliefstücke ja auch der Gegenseite der Rundung entsprechen, auf der sie aufliegen sollten. Es tut mir Leid, dass es den Leser in seiner Vorstellungskraft etwas herausfordern mag, doch ich habe hierzu leider kein Bildmaterial. Schlussendlich hatte ich so viel Nacharbeit, dass ich das Relief in Gips teils nachschnitzen, nachmodellieren und schleifen musste, ehe es sich wieder in das Gesamtbild des Rahmens einfügte.

Mittlerweile sind wir im Januar 2020 angekommen und die ursprüngliche Idee, den Rahmen voll restaurieren zu wollen, stand längst nicht mehr im Raum. Die Arbeit hätte meine Fähigkeiten und Mittel wohl überstiegen oder wenigstens so viel Zeitaufwand gefordert, dass der Rahmen am Ende unbezahlbar geworden wäre. Vielmehr wollte ich den Rahmen nun im teillädierten Zustand belassen und entsprechend individuell dem Bild anpassen. Ähnlich wie ich im vergangenen Jahr bei der „Isle of Peace“ vorgegangen war. Die kleinen Schäden und Abplatzer unterstützen die Wirkung des Bildes viel mehr, als sie stören – warum sie also nicht, zumindest zum Teil, einfach so belassen?

Es brauchte einige Zeit und diverse Proben, um herauszufinden was für ein Farbkonzept auf dem Rahmen zum Bild passt.  Ohne Jules Beirat, hätte ich mich hier kaum entscheiden können. Und selbst als wir uns entschieden und das Konzept auf einem Teil des Rahmens erprobt hatten, fiel es mir immer noch schwer, mir das Konzept umlaufend, auf dem gesamten Rahmen, vorzustellen.

Um den Farbton der Lippen wieder auftauchen zu lassen, entschied ich mich für eine entsprechende rosa-violette Grundierung unter dem Gold. So schimmert das Gold aus der Ferne so, als würde es die Lippen aus dem Bild wiederspiegeln. Die Grundierung besteht dabei nicht aus einem einfach aufgetragenen Vollton, sondern aus vielen Nuancen, die mal heller, mal dunkler variieren und in den Höhen mit einem wärmeren Orangerosa abgebürstet wurden.

Den breiten glatten Bereich des Rahmens schliff ich nass an. Nass deshalb, weil ich nicht wusste, was für Stoffe in der alten Vergoldung verwendet wurden, die als Staub ggf. gesundheitsschädlich sein könnten. Nun konnte ich mich daran machen die Fläche neu zu bemalen. Schicht für Schicht tastete ich mich an passende Grüntöne heran, so dass der Rahmen, das Bild scheinbar fortsetzt.

Die Vergoldung erfolgte mit Schlagmetall. Hierzu legt man eine entsprechende Anlegemilch auf den zu vergoldenden Grund, lässt diese kurz anziehen und kann dann die Metallblättchen auflegen. Schlagmetall ist bedeutend dicker als echtes Blattgold, aber trotzdem hauchdünn, wenn man es mit einen gewöhnlichem Blatt Papier vergleicht.

Schlagmetall beginnt, im Vergleich zu Echtgold, mit der Zeit zu oxidieren, ein Effekt, den ich hier ganz bewusst in Kauf nehme, da ich denke, das es sehr gut zum Bild passen wird. Bis es soweit ist, erstrahlt der Rahmen aber noch in einem jungfräulichem Glanz:

Ich finde der ganze Aufwand hat sich wahrlich gelohnt und das Ergebnis kann sich sehen lassen, ja es ist gar eines Schlosses würdig. Das Bild wirkt nun noch ein gutes Stück größer, ist es doch von vorher ca. 120 cm (ohne Rahmen) auf knapp 140 cm Breite (mit Rahmen) gewachsen. Ebenso sein Gewicht - ich habe es zwar nicht gewogen, aber es ist das erste Bild, dass ich nicht alleine aufhängen kann. 

So ist es für mich auch im Transport eine Herausforderung und es wird daher eher selten in Ausstellungen zu sehen sein. In diesem Jahr werde ich es nicht präsentieren können, aber für 2021 ist bereits eine besondere Ausstellung an einem besonderen Ort in Planung, auf der das Bild sicher einen würdigen Platz finden wird.

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