Zeke und Eren Jäger - wer von den beiden ist im Recht?

Spoilerwarnung:                                                           

Dieser Artikel beschäftigt sich mit Story-Inhalten von "Attack on Titan" bis einschließlich Staffel 4 Folge 21.

Lesedauer:  5 Minuten

Die Macht des Urtitan zu erlangen, mit welcher es einem möglich ist, das gesamte Volk der Eldia zu manipulieren, zu kontrollieren und genetisch zu verändern, ist es, wonach die Brüder Zeke und Eren Jäger streben. Allerdings könnten ihre Vorstellungen davon, wie diese Macht am sinnvollsten einzusetzen ist, unterschiedlicher nicht sein.

Zekes  "Euthanasie-Plan" 

Jahrtausendelang haben die Eldia - mit der Macht ihrer Titanen - die restliche Welt unterdrückt, Völkermorde begangen und ethnische Säuberungen durchgeführt. Dies ist der Grund, weshalb der Rest der Welt die Eldia als Dämonen abstempelt und alles dafür geben würde, diese auf ewig auszurotten. Um die Eldia vor dem Zorn der Welt zu beschützen, befinden sich in den Mauern der Insel Paradis Millionen von Titanen, mit welchen die gesamte Welt außerhalb der Mauern niedergetrampelt werden kann. Dies soll als Abschreckung dienen, um den Frieden innerhalb der Mauern zu gewähren. Jedoch haben selbst die Mauern nicht dazu beigetragen, dass der Hass und der Krieg zwischen den Eldia und dem Rest der Welt aufgehört hat; denn solange es solche Mächte wie den Urtitanen gibt, werden die Menschen wohl niemals aufhören, um diese zu streiten. Also braucht es eine Lösung für diesen Konflikt:

Zeke Jäger ist in einem Eldia-Ghetto groß geworden und beklagt eine schreckliche Kindheit. In ihm wächst die Ideologie, die Eldia und den Rest der Welt bloß dann retten zu können, wenn sie niemals in diese Welt hineingeboren werden. Dies bekräftigt er auch, in dem er in Staffel 4 Folge 15 das Töten anderer Eldia nicht als Verbrechen, sondern als Rettung bezeichnet, da ihre Kinder nicht in dieser grausamen Welt aufwachsen müssten. Zeke sieht in dem Leben mehr eine Strafe als ein Geschenk. Sowohl für die Eldia, die wie er selbst, in einem Ghetto aufwachsen, als auch für die Bewohner der Insel Paradis, welche dem Hass der Welt ausgesetzt sind. Zeke möchte mit der Macht des Urtitanen die Körperstruktur der Eldia so verändern, dass sie niemals wieder Kinder bekommen können. Damit würde er - aus seiner Sicht - die gesamte Welt retten, da die Nachfahren der Eldia bloß Leid in dieser Welt erfahren hätten und der Rest der Welt nicht mehr von den Titanen unterdrückt werden könnte. 

Doch wie steht sein Bruder Eren zu diesem Plan?

Als Zeke und Eren sich in Marley treffen, schmiert Eren seinem Bruder Honig um den Mund und tut so, als wäre er mit dem Euthanasie-Plan einverstanden.  "Nicht in diese Welt hineingeboren zu werden, ist leider die einzige Rettung", waren seine Worte gewesen und ließen den Zuschauer im Glauben, beide verfolgten dasselbe Ziel. Nachdem Eren jedoch die Macht des Urtitanen erlangt hatte, entuppte sich seine wahre Absicht:

Sein Ziel ist es,  sein Volk und seine Freunde auf der Insel um jeden Preis zu beschützen und dafür zu sorgen, dass sie und ihre Nachfahren ein langes, glückliches Leben haben.  Mit den Millionen von Titanen aus der Mauer will er alle Menschen - egal ob unschuldig oder nicht - töten, um somit dafür zu sorgen, dass seine Insel nie mehr angegriffen wird.  

Welcher Plan ist nun der Richtige?

Die restliche Welt hat Eren seit seiner Kindheit viele geliebte Menschen genommen und ihn seiner Freiheit beraubt. Frei zu sein, ist alles, was er je wollte. 

"Wenn wir alle Feinde jenseits des Meeres töten, können wir dann endlich frei sein?", hatte er seine Freunde einst gefragt.

Und ja, die Feinde sind dafür verantwortlich, dass er seine Mutter verloren hat;  die Feinde bekämpfen sie; die Feinde stempeln sie als Dämon ab.  Jedoch sind nicht alle Menschen jenseits des Meeres seine Feinde. Unschuldige, kleine Kinder - sie alle will er abschlachten, um seinem Volk die Freiheit zu schenken. Er würde diese Zivilisten also für sein selbst erklärtes, größeres Wohl opfern. Dies bekräftigt erneut die Aussage, welche er einst gegenüber Reiner getätigt hatte, nach welcher sie beide gleich wären.  Sowohl er als auch Reiner opferten Menschen für ein größeres Wohl - ein größeres Wohl, welches sie selbst bestimmen und anderen aufzwingen. Wenn man argumentieren würde, dass Eren und sein Volk in permanenter Not wären und er sich nur selbst verteidigen würde, dann wäre sein Ansatz zwar immernoch grausam, allerdings könnte man viel mehr Verständnis für sein Vorhaben aufbauen. Er handelt aber nicht aus Notwehr heraus, und damit kommen wir erneut auf Zekes Plan zurück:

Durch die Euthanasie der Eldia wären die Titanen verschwunden und ihre Macht hätte nie wieder missbraucht werden können. Erens Freunde und die restlichen Eldia hätten bis zu ihrem Lebensende friedlich leben können, da sie mit den Millionen von Titanen in den Mauern noch immer eine Abschreckung besessen hätten. Es wären keine neuen Kinder mehr in das Eldia Ghetto in Marley geboren worden, wodurch auch die Marley deren Kräfte nicht mehr hätten missbrauchen können. Welche Nachteile hatte Zekes Plan also, dass Eren es rechtfertigen kann, lieber die gesamte Welt zu vernichten, als diesen Plan zu befolgen? 

Mit der Euthanasie wäre das Volk der Eldia ausgestorben. Außerdem wären sie ihrer Freiheit beraubt worden, selbst zu entscheiden, ob sie Kinder bekommen oder nicht. Doch ist dies wirklich eine Rechtfertigung, um alle bereits lebenden Kinder von außerhalb der Mauern zu töten? Ist die Geburt neuer Eldia Kinder wichtiger als das Überleben der Millionen von Kinder der restlichen Welt? Ist das Fortbestehen der eigenen Ethnie eine Rechtfertigung, um alle anderen Menschen auszulöschen?  Eren hat es selbst einst gesagt: "Wir sind alle gleich". Egal, wo wir herkommen, wie wir aussehen oder welche Sprache wir sprechen - Mensch ist Mensch. Und dennoch entscheidet sich Eren zu solch einer grausamen Tat, da er sich seiner Freiheit beraubt sieht. Doch hört die Freiheit eines einzelnen auf, wo die Freiheit eines anderen anfängt - ein Gedanke, den Eren nicht begreift und welchem er sich widersetzt. Auch ohne Zekes Plan zu folgen, hätte er nicht die Welt vernichten müssen, um seine Freunde zu retten, aber er entscheidet sich dazu, diesen Schlussstrich zu ziehen, um seine Ideologie der Freiheit durchzusetzen.

So ist es für mich ganz offensichtlich, dass Zekes Plan das kleinere Übel gewesen wäre.

Zeke ist kein Mensch, der in Völker oder Ethnien denkt, also muss ich in diesem Fall auf seiner Seite sein; da für mich das Überleben der gesamten Menschheit mehr wiegt als die "Kinderlosigkeit" des eigenen Volkes. Der Gedanke, ein Volk sei mehr wert als ein anderes, ist etwas, womit ich nichts anfangen kann.  Um so erschreckender ist es, zu sehen, wie viele in der Fan-Gemeinde auf ernsthafte Weise versuchen, Erens Handeln zu rechtfertigen. Ich frage mich, ob sie auch die gesamte Welt ausrotten würden, nur um zu verhindern, dass sich die Deutschen nicht mehr fortpflanzen können oder ob sie in diesem Fall verstehen würden, dass das Leben der Deutschen nicht mehr wert ist als irgendein anderes Leben außerhalb unserer Grenzen. Also egal, wie man es dreht und wendet, für jeden, der kein Nationalist ist, muss eines klar sein:

Eren Jäger ist im Unrecht.

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